Glaube aktuell (27.06.06)

 

Was jetzt dringlich ist - Zur christlichen Weltverantwortung am Anfang des 21. Jahrhunderts

Eine Herausforderung und ein Appell aus Baden
von Hans-Joachim Girock, Gerhard Liedke und Gottfried Gerner-Wolfhard

In einem «Appell aus Baden» haben die Verfasser die Religionen aufgefordert, ihre Autorität für die Überwindung der nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zugespitzen weltweiten Krise zu nutzen. Trotz bleibender Unterschiede müssten die Weltreligionen ihre gemeinsame Verantwortung für ein friedliches und gerechteres Zusammenleben der Menschen aktivieren, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Text. Der mit «Was jetzt dringlich ist» überschriebene Appell wurde von einer Reihe prominenter Persönlichkeiten aus Kirche und Politik unterzeichnet, darunter Altbundespräsident Richard von Weizsäcker und der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Klaus Engelhardt.


Den vollständigen Bericht finden Sie in ekiba aktuell (27.06.06)


Inhalt: Im ersten Teil wird die Situation unter den Aspekten Terrorismus und das neue „Recht des Stärkeren“ und  Fixierung auf Gewaltpolitik betrachtet.
Es folgt ein Blick auf die Rolle der Weltreligionen im Hinblick auf Schwierigkeiten und Hindernisse und Chancen.
Im dritten Teil wird die Frage nach der Aufgabe der Christenheit in dieser Situation gestellt: Unter anderem werden hier die Rückbesinnung auf Weltverantwortung, die Aufgaben in Theologie und Kirche sowie Gespräche vor allem mit dem Islam thematisiert.
Ein Aufruf und eine Einladung zur Mitarbeit schließen den Appell ab.

 

Wandel im Denken und Handeln

"Wir wissen, dass nach allgemeiner Einschätzung eine solche Herausforderung die Kräfte und Möglichkeiten der religiösen Gemeinschaften weit übersteigt. (...) Dennoch ist es längst überfällige Aufgabe der Religionen, um ihrer Glaubwürdigkeit willen und zum Heil und Wohl der Menschen den notwendigen Wandel im Denken und Handeln nicht nur zu fordern, sondern bei sich selbst damit zu beginnen und im Umgang miteinander Zeichen zu setzen für mehr Menschlichkeit und Menschenwürde.

Der Versuch einer solchen Umkehr sollte in den christlichen Kirchen beginnen. In ökumenischem Geist müssen religionsübergreifende Gemeinsamkeiten gesucht und Modelle entwickelt werden gegen Gewalt und für partnerschaftliches Zusammenleben über die bisherigen Grenzen und Gegensätze hinweg."
(Aus dem Nachwort des Appells, den vollständigen Text finden Sie hier)
"Was jetzt dringlich ist" - Der Text im Wortlaut

ErstunterzeichnerInnen und erste Reaktionen


 

 

Glaube und Weltverantwortung - Aus dem Vorwort von Landesbischof Ulrich Fischer


„Unser Christsein wird heute nur in Zweierlei bestehen: Im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen. Alles Denken, Reden und Organisieren in den Dingen des Christen­tums muss neugeboren werden aus diesem Beten und aus diesem Tun." Diese Worte Dietrich Bonhoeffers werden in diesen Tagen, an denen wir seines Geburtstags vor 100 Jah­ren gedenken, immer wieder zitiert. Aber wie der Zusammenhang von Beten und Tun des Gerechten, Glaube und Weltverantwortung in der heutigen weltpolitischen Situation für Christinnen und Christen in Deutschland durchzubuchstabieren ist, darüber wird auffällig wenig in unseren Kirchen gesprochen.

Deshalb freue ich mich, dass drei badische Autoren mit diesem Text einen Anstoß geben, der Frage nachzugehen, „was jetzt dringlich ist" hinsichtlich der Wahrnehmung einer aus Glauben gespeisten christlichen Weltverantwortung. Der Text hat darin seine besondere Stärke, dass er die insbesondere seit dem 11. September 2001 aufgebrochenen Fragestel­lungen des interreligiösen Dialogs und des interkulturellen Zusammenlebens unter Fort­schreibung der von Dietrich Bonhoeffer entwickelten Kategorien der letzten und der vorletz­ten Dinge aufgreift und theologisch reflektiert. Sehr wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen der Notwendigkeit eines interreligiösen Dialogs einerseits und der Einübung einer Konvivenz zwischen Christen und Muslimen andererseits."
(Das vollständige Vorwort finden Sie hier)


Reaktion von Dr. Richard von Weizsäcker, Altbundespräsident, langjähriges Mitglied ökumenischer und deutscher kirchlicher Gremien, u.a. Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages:

„Auch wenn ich nicht jedem formulierten Gedankengang folge, mache ich mir Impuls und Zielrichtung dessen, "Was jetzt dringlich ist", uneingeschränkt zu eigen. Im Vordergrund steht nach meiner Überzeugung, uns mit ganzer Kraft der Ökumene der Religionen zuzuwenden.
Eine Hilfe dafür ist der ‚Dialogue of Civilisations’, der der Generalversammlung der Vereinten Nationen vorliegt. Er entstammt einer Initiative aus dem Iran und wurde im Auftrage von Generalsekretär Kofi Annan durch Vertreter verschiedener Religionen ausgearbeitet.
Eine maßgebliche Hilfe bieten die Worte von Leo Baeck, die er uns vor Jahrzehnten mit auf den Weg gegeben hat und die in Ihrem ‚Appell aus Baden’ abgedruckt sind...“
(weitere Reaktionen aus Kirche, Theologie und Gesellschaft finden Sie hier)

Meinungen und Reaktionen können Sie in einem Diskussionsforum zum Thema mitteilen.


"Antwort aus Baden" - Eine Reaktion auf den "Appell aus Baden" (Glaube aktuell 31.07.06)


Bestellhinweis:
Der Appell «Was jetzt dringlich ist - Zur christlichen Weltverantwortung am Anfang des 21. Jahrhunderts» ist als epd-Dokumentation Nr. 26 erschienen und kann hier bestellt werden.