Glaube aktuell (25.06.06)

 

Rote Karte für Deutschlands Abschiebetaktik!

WM 2006

Ein Zwischenruf von Jörg Hinderer, Schloss Beuggen

Wie lange dauert das Spiel noch an? Niemand weiß es. Das ist die Erfahrung von vielen abgelehnten; nur noch „geduldeten“ Asylbewerbern. Sie stammen aus den Kriegs- und Krisenregionen dieser Welt. Deshalb können sie nicht ohne Weiteres „vom Platz gestellt“ (abgeschoben) werden. Zugleich wissen sie nie, wann der (Schieds-)Richter das „Spiel“ abpfeift und sie in die Kabinen schickt, um sich fertig zur Heimreise zu machen. Ebenso haben sie keinen wirklichen Einblick auf den „Spiel-Stand“. Sie spüren nur, dass die andere Mannschaft ihren Heimvorteil völlig ausnutzt. Und dass mit harten Bandagen gespielt wird, bisweilen mit schmerzhaften Fouls...

Viele Asylbewerber bei uns werden nur noch geduldet. Jeden Tag müssen sie damit rechnen abgeschoben zu werden. 120.000 von ihnen leben bereits länger als 5 Jahre bei uns. Weit über 50.000 Menschen gar länger als 11 Jahre – in Unsicherheit.
Erstaunlich, wo es doch auf WM-Plakaten überall heißt: „Die Welt zu Gast bei Freunden!“ Und wirklich, was wir andernorts jeden Tag auf Plätzen, Straßen und vor Riesenleinwänden erleben ist gelöste Gastfreundschaft. Fremde Menschen fallen sich jubelnd um den Hals. Sieger und Verlierer reichen sind die Hand und freuen sich gemeinsam am Spiel. Spürbar ist, wie ausgelassen und unverkrampft die Atmosphäre ist. Leichtigkeit verbreitet sich.
Zur Zeit hat Deutschland dieses Doppelgesicht. Beides ist real. Der Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden“ genauso wie die Plakatserie von Pro Asyl mit dem Motto „Deutschland wird Abschiebeweltmeister“.

"Wie wäre es, wenn wir wirklich Weltmeister der Gastfreundschaft würden?"

Wie wäre es, wenn wir das, was wir während dieser Weltmeisterschaft so sportlich einüben, uns über die Zeit bewahren würden? Wie wäre es, wenn wir wirklich Weltmeister der Gastfreundschaft würden? Wir selbst wissen, wie schön es ist, wenn man fern von zu Hause herzlich aufgenommen wird.
Und zwar über die Zeit der WM hinaus. Denn: Sich beim Fest ausgelassen zu zeigen, das kann jeder. Viel schwieriger ist es, auch danach im Alltag, gelassen, offen und unverkrampft zu bleiben. Daran mussten wir Menschen schon immer erinnert werden. So wie die Israeliten in der Bibel: „Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.“ (3. Mose 19,33f).

Die Flüchtlinge, die schon jahrelang bei uns geduldet wohnen, sollen etwas von dieser Gastfreundschaft spüren ... Denn der Flüchtlingsschutz darf bei uns nicht ins Abseits geraten. Damit wir nicht Abschiebeweltmeister werden! Wir brauchen ein Bleiberecht für langjährig geduldete Flüchtlinge. Dann heißt es zu recht: „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Darum: Bleiberechtskampagne von Pro Asyl unterstützen!

 

Unterschriftenliste zur Aktion "Rote Karte für Deutschlands Abschiebetaktik!"
  Mehr Informationen beim Referat für Diakonie, Mission und Ökumene unter "Migration und Islam"

 

Pfarrer Jörg Hinderer, Evang. Erwachsenenbildung / Schloss Beuggen