Glaube aktuell (07.05.06)
Das Geheimnis des Nicht-Müde-Werdens
Das Mittel gegen die Müdigkeit...
Viele haben Grund genug, müde zu sein. Müde von den großen Strapazen des Lebens, müde vom aufopferungsvollen Dienst an anderen. Ich erinnere an einen Mann, der hatte allen Grund müde zu sein.
Viele Jahre lang rackerte er sich ab, setzte sich mit seiner ganzen Person ein für die Sache Jesu Christi. Er wurde bedrängt, war oft ratlos, erlitt Verfolgungen und Unterdrückung, erlebte herbe Enttäuschungen mit christlichen Schwestern und Brüdern, musste zahllose Konflikte austragen. Er sah oft kaum Erfolg in seinem Tun, umso mehr aber litt er unter Anfeindungen. Er lebte ein Leben, das eigentlich in Ermüdung münden musste. Und dieser Mann, der Apostel Paulus, schrieb in einem Brief an die Korinther:
„Wir werden nicht müde. Auch wenn unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unser gegenwärtiges Leiden, das leicht wiegt, schafft uns eine ewige Herrlichkeit in überschwänglichem Maße, weil wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist vergänglich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“
Keine Weltflucht!
Nein, Paulus predigt keine Weltflucht. Er will vielmehr helfen, Müdigkeit zu überwinden, indem er die ganze Wirklichkeit neu sehen lehrt. Was Paulus hier schreibt, möchte ich das Geheimnis des Nicht-Müde-Werdens nennen. Dies Geheimnis kann in einem Satz zusammengefasst werden: „Schließt eure Augen und öffnet eure Herzen für die ganze Wirklichkeit, dann schwindet eure Müdigkeit.
Mit dem Herzen sehen
"Durch das Sichtbare hindurch und über das Sichtbare hinaus entdecken die mit dem Herzen Sehenden eine neue Wirklichkeit. Wir nennen dieses Sehen mit dem Herzen „Glauben“, und die dem Herzen erschlossene Wirklichkeit „Auferstehung“"
Doch wer sein Herz öffnet, entdeckt plötzlich, dass das Sichtbare nicht die ganze Wirklichkeit ausmacht. Durch das Sichtbare hindurch und über das Sichtbare hinaus entdecken die mit dem Herzen Sehenden eine neue Wirklichkeit. Wir nennen dieses Sehen mit dem Herzen „Glauben“, und die dem Herzen erschlossene Wirklichkeit „Auferstehung“. Wo Menschen ihre Augen schließen und mit dem Herzen durch das Sichtbare hindurch schauen, da erleben sie Tag für Tag an sich die Kraft der Auferstehung inmitten der Kreuze, die ihnen auferlegt sind. Wer gelernt hat, mit dem Herzen - also glaubend - zu sehen, erfährt ewige Herrlichkeit in überschwänglichem Maße, wird nicht aufgerieben von den Lasten des Lebens. Das Sichtbare, das müde Machende, das Belastende verliert das Gewicht des Endgültigen. Seit Ostern ist die Wirklichkeit des Lebens weiter geworden: Sie ist ein Raum, der nicht mehr begrenzt ist auf das, was vor Augen ist.
Neue Sicht
„Schließt eure Augen und öffnet eure Herzen für die ganze Wirklichkeit, dann werdet ihr nicht müde. Auch wenn euer äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert, weil ihr nicht auf das Sichtbare starrt, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist vergänglich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“
Aus einer Predigt von Landesbischof Dr. Ulrich Fischer







