Jerusalemer Tagebuch (07.01.06)
Der rote Diamant
internationales Schutzzeichen
Der IKRK Fuhrpark in Jerusalem
Was sich anhört, wie der Titel eines neuen Indiana Jones Filmes, ist in seiner Entstehungsgeschichte nicht minder spannend. Oder hätten sie dahinter das „Rote Kreuz“ vermutet? Und schuld an allem ist natürlich wieder einmal Israel, wer denn sonst?
Nein, keine Sorge, das traditionelle Wahrzeichen des IKRK (Internationales Komitee des Roten Kreuzes) wird nicht abgeschafft, sondern soll durch ein weiteres, genauer gesagt ein drittes ergänzt werden, fühlte sich das IKRK in einer Pressekonferenz bemüßigt richtigzustellen.
Das Kreuz-Symbol aus der Schweiz
Obgleich jedes Grundschulkind weiß (zumindest, wenn es im badischen Religionsunterricht die Einheit über Symbole genossen hat), dass es sich beim Roten Kreuz lediglich um eine Farbinversion der Schweizer Flagge
handelt, die zu Ehren des Schweizer Rotkreuz-Gründers Henry Dunant in Artikel 7 der Genfer Konvention von 1864 als Schutzsymbol angenommen wurde, sahen und sehen Nichtchristen darin das christliche Symbol des Kreuzes, auf das sich letztlich natürlich auch die Schweizer Flagge zurückführen lässt.
"... im russisch-türkischen Krieg (1876-1878) benutzte das Osmanische Reich demonstrativ an Stelle des Roten Kreuzes den Roten Halbmond, um nicht die Gefühle seiner Soldaten zu verletzen."
Schon bald wurde Unmut über das sich definitionsgemäß aus fünf Quadraten zusammensetzende Symbol laut und im russisch-türkischen Krieg (1876-1878) benutzte das Osmanische Reich demonstrativ an Stelle des Roten Kreuzes den Roten Halbmond, um nicht die Gefühle seiner Soldaten zu verletzen. Und wohl auch um sich vom Roten Kreuz der christlichen Russen abzusetzen, die 1877 auf Anfrage des IKRK den Roten Halbmond zähneknirschend als Schutzzeichen anerkennen mussten.
Weitere Schutzzeichen
Damit war ein Präzedenzfall geschaffen und bereits 1878 erklärte das IKRK, dass prinzipiell die Möglichkeit für
nichtchristliche Staaten bestünde ein eigenes Schutzzeichen gemäß den Bestimmungen der Genfer Konvention anzumelden.
1929 wurde der rote Halbmond dann in Artikel 19 der 1. Genfer Konvention in der Fassung vom 27. Juli 1929 anerkannt und seither nutzen die islamischen Staaten diesen als ihr Schutzzeichen.
Alleine Persien, zumal kein arabischer Staat, scherte aus und verwendete 1924 bis 1980 (1929 anerkannt) den roten Löwen mit roter Sonne als Schutzzeichen, bis sich die Mullahs nach der Revolution dem islamischen Symbol des Roten Halbmondes anschlossen.
Weitere Anträge auf Zulassung eines eigenen Schutzzeichens, wie etwa der nationalen Gesellschaften Sri Lankas (1957) und Indiens (1977) nach Verwendung einer roten Swastika wurden abgelehnt, da hierzu eine Konferenz unter Teilnahme der 189 Unterzeichnerstaaten der Genfer Konvention notwendig geworden wäre.
Der Davidsstern
Soweit so gut, hätte es da nicht noch Israel gegeben. Seit seiner Gründung im Jahre 1930, also noch vor
Staatsgründung, strebt nämlich der Magen David Adom, zu deutsch die Gesellschaft des Roten Davidssterns nach Anerkennung. Warum, so die Argumentation, solle dem jüdischen Volk nicht gewährt werden, was man den islamischen Staaten gestatte, nämlich die Einführung eines eigenen Schutzzeichens. Unterstützung erhielt der Staat Israel hierbei jüngst aus den USA, dessen nationale Rot Kreuz Organisation durch Zurückhaltung von Beiträgen Druck auf das IKRK ausübte, eine Konferenz der Unterzeichnerstaaten einzuberufen. Im Herbst 2000 sollte es dann auch soweit sein, doch wegen der gespannten Lage in Nahost musste die Konferenz verschoben werden. Ein Kompromiss: Der Rote Diamant
Im Dezember 2005 konnte sie endlich stattfinden, wobei es eine Ironie der Geschichte ist, dass gerade der Nahostkonflikt die Entstehung des Roten Diamanten ermöglichte, denn dorten fand man es inakzeptabel, dass israelische Ambulanzen mit dem Roten Davidstern durch die besetzen Gebiete rauschen sollten um dort humanitär zu helfen, wo Israel zuvor militärisch zugeschlagen hatte. Israel seinerseits untersuchte auf dem Höhepunkt des Konfliktes Ambulanzen des Roten Halbmondes, da es mutmaßte, dass diese für Waffen- und Personenschmuggel missbraucht wurden.
Der Rote Diamant aber, der bereits 1997 in Sevilla als Rote Raute diskutiert worden war, stellt einen tragfähigen Kompromis für beide Seiten dar, die sich darüber hinaus vorbehielten diesem ihre jeweiligen Symbole einzuschreiben, beide Symbole sozusagen zu kombinieren, ein Albtraum für jeden Symbologen. "... auch der Vertreter der palästinensischen Autonomiebehörde in der Schweiz, Anis Al Kak unterstützte die Konferenz. Man habe nichts gegen das neue Emblem, ließ er verlauten..."
Der israelische Außenminister Silewan Shalom jedoch bedankte sich artig bei der Schweiz als Depositärstaat für die Einberufung der Konferenz, die endlich die langersehnte Anerkennung des Roten Davidssternes erbracht hatte. Und auch der Vertreter der palästinensischen Autonomiebehörde in der Schweiz, Anis Al Kak unterstützte die Konferenz. Man habe nichts gegen das neue Emblem, ließ er verlauten, konnte es sich jedoch nicht verkneifen hinzuzufügen, dass weiterhin in den besetzten Gebieten geltendes Völkerrecht verletzt würde.
Nunmehr besteht daselbst für die Rettungskräfte aber wenigstens Schutz unter dem Roten Diamanten, wer auch immer die Ambulanz steuern mag….








