Jerusalemer Tagebuch (20.12.05)

 

Steht Gott vor den verschlossenen Toren Betlehems?

Bild

Mauer

Die Mauer um Bethlehem schließt die Menschen dort immer mehr ein. Zwar dürfen zum Weihnachtsfest Priester und Kirchenleute von Bethlehem nach Jerusalem wechseln und umgekehrt. Doch was ist mit Einheimischen Pilgern?

Aus dem Rundbrief des Evangelischen Pilger- und Begegnungszentrums:

Liebe Freunde in Nah und Fern, in diesem Jahr möchten wir Euch mit einem etwas ungewöhnlichen Weihnachtsbild einer befreundeten Künstlerin grüßen. Das Bild zeigt eine arabische Kalligraphie in Tränenform, mit dem Text “Geburt Jesu“.

Gottes Träne


Es ist Gottes Träne, die in ihrem Bauch Bethlehem umschließt, seinerseits eingeschlossen durch die Mauer. Die sich immer mehr um Bethlehem schließende Mauer schnürt das Leben der Menschen dort ein. Insbesondere die Menschen aus Jerusalem, Gaza und Galiläa wissen nicht, wie sie nach Beendigung des Mauerbaus noch nach Bethlehem gelangen können, auch wenn zwei Tage vor Weihnachten das neue Grenzterminal geöffnet werden soll.

Ist es Ausländern und Touristen noch möglich, über den neuen Checkpoint zu fahren, so wird es für die einheimischen Christen immer schwerer den Geburtsort Jesu zu erreichen, geschweige denn für die dort wohnenden Menschen ihr großes „Freiluftgefängnis“, wie sie es nennen, zu verlassen.

"Die Frage steht im Raum, wo Gott in alledem ist. Steht er wie die einheimischen Christen vor den verschlossenen Toren Bethlehems?"

Somit hat Weihnachten für viele einheimische Christen einen bitteren und traurigen Beigeschmack. Die Frage steht im Raum, wo Gott in alledem ist. Steht er wie die einheimischen Christen vor den verschlossenen Toren Bethlehems? Bei Bethlehem allein “frisst” die Mauer 18.000 Hektar palästinensischen Landes und trennt 380 Grundstücksbesitzer von ihren Bäumen und ihrem Land. Wie soll es weitergehen? 

Freiluftgefängnis


Wird den israelischen Plänen nicht Einhalt geboten, wird das „Open-air-Gefängnis“ nur noch durch drei Tore zugänglich sein.  „Wie soll der Friedensprozess gelingen, wenn so etwas geschieht?“, fragen sich die Menschen dort. „Als Gottes Kinder sind wir alle Teil des Leibes Christi. Aber Bethlehem wird gerade vom Leib abgetrennt“.

Das Motiv gibt es auch als Weihnachtskarte. Karten zu 1,50 Euro können in Deutschland bei Pater Rainer aus Straubing unter rfielenbach@karmelitenorden.de bestellt werden. Der Erlös geht an Bedürftige, Kranke und behinderte Menschen.


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