Jerusalemer Tagebuch (09.09.05)

 

Das „Ökumeneverdienstkreuz“ für Petra Heldt

Petra Heldt und Rudolf Dressler
Petra Heldt und Rudolf Dressler

Perta Heldt

Die deutsche Pfarrerin Dr. Petra Heldt setzt sich seit Jahren für Verständigung und Dialog im Heiligen Land ein. Alle Seiten schätzen sie als eine subtile, anregende und gebildete Wegbereiterin. Als Direktorin der "Ökumenisch-Theologischen Forschungsgemeinschaft in Israel" wirkt sie in der innerchristlichen Ökumene und im deutsch-israelischen Gespräch integrativ.
Dafür ist sie mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Rudolf Dressler, nahm die Ordensverleihung im Refektorium der evangelischen Propstei vor. Das JTB dokumentiert im folgenden die Laudatio des Botschafters.


„Der Bundespräsident hat Frau Dr. Petra Heldt das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der BRD verliehen. Ich habe die Ehre, im Namen des Bundespräsidenten diese Auszeichnung vornehmen zu dürfen.

 

Bisheriges Lebenswerk


Geboren am 23.12.1951 in Berlin, studierte Frau Dr. Heldt von 1971 bis 1980 Evangelische Theologie in Berlin, Heidelberg und Amsterdam.
1980 kam sie zunächst für zwei Jahre zum Studium rabbinischer Schriften nach Jerusalem an die Hebräische Universität, war zwei Jahre Vikarin bei „Studium in Israel“ in Jerusalem, anschließend für zwei weitere Jahre Vikarin und Pfarrerin zur Anstellung in Berlin.
Bereits 1986 kehrte sie zurück, um als Studienleiterin und Pfarrerin in der evangelisch-jüdischen Begegnungsstätte Nes Ammim zu arbeiten. Ein Jahr später wurde sie Direktorin der "Ökumenisch-Theologischen Forschungsgemeinschaft in Israel". Ihre fundierte theologische Ausbildung hat sie in den folgenden Jahren sytematisch durch Studien in Patristik, West- und Ostsyrischer Sprache sowie Byzantinischer Archäologie ausgebaut. 2002 schloss sie ihre Promotion ab.
Ihre hohe fachliche Kompetenz spiegelt sich in zahlreichen Lehraufträgen wider: Dozentin für Patristik sowie für Geschichte und Theologie der Orthodoxen Kirchen am Jerusalem University College und an der Hebräischen Universität.
Zum Thema "Christlich-jüdische Beziehungen" in Yad Vashem und im Vidal Sasson Center.
Seit über einem Jahrzehnt laden sie das Diplomatenkolleg des Israelischen Außenministeriums, das Israelische Erziehungsministerium, sowie das Israelische Tourismusministerium zu Vorträgen ein.

Im Juli 1997 wurde sie bei einem palästinensischen Selbstmordattentat schwer verletzt. Über zwei Jahre lang wurde sie ärztlich behandelt. Frau Dr. Heldt hat diesen Anschlag ohne Verbitterung überwunden.

Im Zentrum ihres beruflichen Engagements steht in vielfältiger Form der ökumenische Dialog.
Als Studienleiterin in Nes Ammim arbeitete sie an der Versöhnung zwischen Christen und Juden, förderte den Dialog zwischen deutsch-christlicher und orientalischer Kultur. Dank ihrer Initiativen konnte der jüdisch-christliche Dialog ausgebaut und insbesondere die ganze Vielfalt der hier vertretenen christlichen Fraktionen einbezogen werden.
Die Aussöhnung der christlichen Kirchen und ihrer Organisationen wird von Frau Dr. Heldt erfolgreich unterstützt.
Durch ihre Vermittlung fand 1998 zum ersten Mal seit über 800 Jahren eine formelle Begegnung zwischen den Traditionshütern der Kreuzritter, dem deutschen Johanniterorden, und dem griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem statt.

Auf Einladung des Kronprinzen Hassan von Jordanien war die Hebräische Universität 1995 erstmalig gebeten worden, an einer internationalen Konferenz von Religionswissenschaftlern teilzunehmen. Frau Dr. Heldt vertrat die Hebräische Universität.
Für den inoffiziellen jordanischen Gegenbesuch im Folgejahr bat sie der damalige Premierminister Shimon Peres, als christliche deutsche Theologin für Israel zu sprechen.
Seit Januar 2004 arbeitet sie zudem für den Knesset-Ausschuss, der sich mit den Beziehungen zu Christentum und Christen beschäftigt.
Hierbei vertritt sie deutsche Interessen und wirbt für ein besseres Verständnis gegenüber Deutschland.

 

Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland


Bei ihrem vielfältigen Engagement tritt Frau Heldt als eine authentische Botschafterin der Versöhnung auf. Durch ihre umfassenden Tätigkeiten mehrt sie das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland in Israel und in der internationalen Fachwelt in ganz besonderer Weise.
Ihre Versöhnungsarbeit betreibt sie auch als Kirchengemeinderätin der Erlöserkirche in der Altstadt von Jerusalem, wobei es ihr gelungen ist, dass der israelische Staat der deutschen Gemeinde, die an der Grenze zwischen arabischem und jüdischem Viertel der Altstadt ein deutlich sichtbares, geschichtsträchtiges Symbol des deutschen Protestantismus darstellt, heute mit großer Wertschätzung begegnet.
Als Teilnehmerin internationaler Symposien nicht nur in Israel und Deutschland, sondern u.a. in den USA, Großbritannien und Polen, vertritt sie die Position deutscher Christen und verdeutlicht das Bemühen Deutschlands, Toleranz und Weltoffenheit zu fördern.

 

Gesamtwürdigung


Das Handeln von Frau Dr. Heldt ist stets darauf gerichtet, die Verständigung zwischen entfremdeten, wenn nicht sogar verfeindeten Parteien herbeizuführen -
zwischen Christen, zwischen Christen und Juden, Deutschen und Israelis, zwischen Juden und Palästinensern.
Sie trug erheblich dazu bei, den historisch belasteten Ruf der Deutschen in der israelischen Öffentlichkeit zu verbessern.
Der Lebenslauf, die persönlichen Daten von Frau Dr. Heldt beeindrucken den Betrachter tief. Ihre wissenschaftliche Arbeit, ihre kirchliche Ausbildung, ihre beruflichen Positionen, ihr Kalender der akademischen Konferenzen, der internationalen Vorträge, ihre Publikationen, Mitgliedschaften und Auszeichnungen sind Zeugnisse einer außergewöhnlichen Frau.

Es ist mir Ehre und Freude zugleich, im Auftrag des Bundespräsidenten Prof. Horst Köhler, Ihnen, Frau Dr. Heldt das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu überreichen.“

       

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