Jerusalemer Tagebuch (16.08.05)
Ruhe vor dem Sturm - Friedlicher Fasttag am Tag der Tempelzerstörung
Straßensperren...
...in einer "Geisterstadt"
Michael Krupp über die Stimmung in Jerusalem vor dem Rückzug aus dem Gazastreifen
Verdienst der Polizei
Alles in allem verlief der letzte Tag vor dem israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen und einigen Siedlungen in der Westbank ruhig. Es kam nicht zu den von der Polizei befürchteten Störungen. Und das ist sicher auch ein Verdienst der Polizei. Sie hatte die gesamte Jerusalemer Altstadt abgeriegelt, ließ nur eine Gasse für die jüdischen Beter zur sogenannten Klagemauer offen und hatte alle Zugänge zu den anderen Vierteln verbarrikadiert. Nach dem Mordanschlag eines jüdischen Terroristen auf israelische Araber im Norden des Landes vor einer Woche wollte die Polizei eine solche Wiederholung in der Heiligen Stadt unter allen Umständen verhindern.
Ebenso erlaubte es die Polizei moslemischen Männern unter 45 Jahren nicht, den Tempelplatz zu betreten. Die jungen Männer versammelten sich vor der Stadtmauer am Rockefeller Museum zum Gebet unter freiem Himmel mit Rufen: Alla al akbar, Gott ist groß.
Rückzugsgegner und Betende
Vor dem Mugrabi-Tor zum Tempelplatz neben der Klagemauer staute sich eine kleine Gruppe von schwer mit israelischen Fahnen und orangenen Bändern der Rückzugsgegner bewaffneten "Tempelgetreuen", denen die Polizei ebenso keinen Zugang zum Tempelplatz wie in jedem Jahr an diesem Tag gewährte.
"Lautstark schrien sie ihre nationalistischen Parolen in die große Menge vor der Klagemauer, die aber mit anderen Dingen beschäftigt schien."
Kein Nichtmoslem durfte auf den Tempelplatz. Lautstark schrien sie ihre nationalistischen Parolen in die große Menge vor der Klagemauer, die aber mit anderen Dingen beschäftigt schien.
Männer und Frauen saßen nach alter Tradition auf dem Boden und lasen die Klagelieder Jeremias, möglichst im Schatten der Mauer, denn die Temperaturen stiegen Mittags auf 35 Grad Celsius. Das 25-stündige Fasten an diesem Tag, an dem nach der Tradition der Erste und Zweite Tempel zerstört und viele weitere Unheile dem jüdischen Volk in seiner langen Geschichte beschert worden waren, ging am Abend zu Ende. Dann begann wieder der Alltag der Rückzugsgegner mit den letzten Versuchen, den Rückzug in letzter Minute noch zu stoppen.
Michael Krupp, epd








