Jerusalemer Tagebuch (06.08.05)
Ein Teich wechselt den Standort - neue Erkenntnisse zum Teich Siloah
Ausgrabung am Teich Siloah
von Michael Krupp, epd
Der Teich von Siloah mit Sicherheit identifiziert
In einem Vortrag vor dem deutschen archäologischen Institut in Jerusalem hat Ronny Reich, Professor für Archäologie an der Universität Haifa, nachgewiesen, dass die große Bauanlage südlich des Siloah Teiches, die im vorigen Jahr entdeckt und inzwischen weiter ausgegraben wurde, in Wirklichkeit der echte Siloah Teich aus der Zeit Jesu ist, während der bisher als Siloah Teich bekannte Ort aus byzantinischer Zeit stammt.
Ronny Reich ist der Leiter der Ausgrabungen in der sogenannten Davidstadt, dem alten Jerusalem, das König David erobert hatte und das heute vor den Mauern der Altstadt im Süden der Stadt liegt. Eine der Hauptattraktionen dieses Stadtteils ist der Siloah Teich, der schon im Alten Testament erwähnt wird und auch mehrfach im Neuen Testament, so im neunten Kapitel des Johannesevangeliums, wo Jesus einen Blinden zur Heilung zum Teich Siloah schickt.
Der Siloach Teich ist eine künstliche Anlage am Ende des Hiskiatunnels, der das Wasser der Gihonquelle, der einzigen Quelle Jerusalems, in den ummauerten Teil der Stadt führte.
Die „richtige“ Anlage aus Jesu Zeit...
Bei Reparaturen der Straße südlich des Siloah Teiches waren Treppen entdeckt worden, die die Archäologen als einen Teil des ursprünglichen Siloah Teiches identifizierten. Im Mörtel zwischen den Stufen wurden einige Münzen gefunden, die aus der Zeit des ersten vorchristlichen Jahrhunderts stammen. In dieser Zeit wurde die Anlage, die zur Zeit Jesu bestand, angelegt. Reich vermutet, das unter dieser Anlage der Teich des Hiskia gewesen sein dürfte, aber bisher konnten keine weiteren Ausgrabungen vorgenommen werden, weil das Gelände der griechisch-orthodoxen Kirche gehört. Bisher konnte nur ein Teil der Treppen ausgegraben werden.
... die „falsche“ Anlage aus byzantinischer Zeit
Zum letzten Mal wurde der Teich vor dem Aufstand gegen Rom gesäubert, wie es Münzen aus dem 2. bis 4. Aufstandsjahr (67-69 n. Chr.) belegen. Danach ist der Teich durch die starken Winterregen zugeschwemmt worden, so dass seine Lage vergessen wurde. Nach der Christianisierung des römischen Reiches und dem Bau der byzantinischen Kirchen an den heiligen Stätten der Christenheit durch die Kaisermutter Helena im vierten nachchristlichen Jahrhundert wurde auch der Teich Siloah mit einer Kirche versehen, nur nicht an der historischen Stätte, weil deren exakte Lage in Vergessenheit geraten war. Der Ort, der bislang als der Teich Siloah galt, ist ein Teil dieser byzantinischen Kirche.
„Der ursprüngliche Teich Siloah war weit größer als der byzantinische Teich... Reich hofft, das ganze Areal einmal mit Zustimmung der Kirche ausgraben zu können, um so auch eine weitere touristische Attraktion für Jerusalem zu schaffen.“
Der ursprüngliche Teich Siloah war weit größer als der byzantinische Teich. Er wird heute ganz ausgefüllt von einem Obstgarten, der der griechisch-orthodoxen Kirche gehört. Reich hofft, das ganze Areal einmal mit Zustimmung der Kirche ausgraben zu können, um so auch eine weitere touristische Attraktion für Jerusalem zu schaffen.
Vorträge im deutschen archäologischen Institut
Die öffentlichen monatlichen Vorträge im deutschen archäologischen Institut sind eine Neuerung und wurden durch den jetzigen Leiter des Instituts, Michael Heinzelmann, vor einem Jahr eingeführt. Sie finden in den Räumen des Evangelischen Pilger- und Begegnungszentrums an der evangelischen Himmelfahrtkirche statt. Hier treffen sich deutsche und israelische Archäologen und ein an Archäologie interessiertes Publikum, sowie die Mitarbeiter der anderen ausländischen archäologischen Institute in der Stadt. Dadurch bekommt das deutsche archäologische Institut wieder eine angesehene Rolle, wie es sie zu Zeiten seiner Gründung durch den bekannten Archäologen Gustaf Dalman zu Anfang des 20. Jahrhunderts inne gehabt hat.








