Jerusalemer Tagebuch (17.06.05)

 

„Wir werden nie aufhören zu tanzen.“ - Xavier Naidoo und die Söhne Mannheims in Tel Aviv

Das offizielle Mahnmal
Das offizielle Mahnmal


"Wir werden nie aufhören zu tanzen"

Ein Interview und sein Hintergrund - 
Aus dem Newsletter der Botschaft des Staates Israel in Berlin vom 25.6.:

„Wenn im deutschen Fernsehen von einer „gebetshaften Zelebrierung deutscher Popmusik“ gesprochen wird und eine deutsche Gruppe das hebräische Gebet „Adon Olam“, Herr der Welt, auf Hebräisch in Popklänge verhüllt, dann scheint auch in einem Land wie Israel, das schon einige Wunder erlebt hat, eine besondere Veranstaltung stattgefunden zu haben.

 

Deutsch-Israelisches Konzert


Am Mittwoch, den 8.6. spielte anlässlich der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel die deutsche Rockband „Söhne Mannheims“, mit ihrem Frontmann Xavier Naidoo, zusammen mit dem israelischen Sänger Mush Ben Ari in der Oper in Tel Aviv. Dieser Ort, der bekannt dafür ist, deutsche Kunst des 18. oder 19. Jahrhunderts aufzuführen, erlebte ein gemeinsames Konzert deutscher und israelischer Künstler, für das es in der Geschichte des Opernhauses bisher kein Vorbild gab.

1.600 überwiegend junge Israelis und Deutsche verwandelten die Oper in einen Rockpalast, in dem die Söhne Mannheims neben englischen Songs auch in deutscher Sprache sangen und es schafften, den bestuhlten Saal in eine Tanzarena zu verwandeln. Das Konzert, das von der deutschen Botschaft in Tel Aviv, der Lufthansa AG, der Agentur Deutsche & Israelische Projekte sowie dem israelischen Außenministerium, dem Tourismusministerium und der Stadt Tel Aviv-Jaffa ermöglicht wurde, übertraf die Erwartungen aller Beteiligten einschließlich der „Söhne Mannheims“ selbst, die von der Spontaneität und Begeisterungsfähigkeit des israelischen Publikums überwältigt waren.

"Naidoo erklärte nämlich, ihn fasziniere in Tel Aviv insbesondere die Lebensart, wie die Leute einfach feiern, aufgeschlossen und sehr am Leben interessiert sind, einfach leben, da – und dieser Satz fiel dem Schnitt zum Opfer - da im nächsten Moment ja alles zu Ende sein könne."

Gegenüber dem ZDF äußerte sich Xavier Naidoo, dass es schon immer einer seiner größten Träume war, ein Konzert in Israel zu geben und dass er von der Lebensfreude und -einstellung der Israelis, trotz der permanent angespannten Sicherheitslage, begeistert war. Zudem meinte er, dass das Schicksal Israels auch seine Generation etwas angehen sollte.
Ausschnitte vom Auftritt können hier angesehen werden."

 

Zum Hintergrund: „Wir werden nicht aufhören zu tanzen.“


Einen Satz aus dem Morgenmagazin-Interview vom 9. Juni haben die Kollegen von der Botschaft allerdings unterschlagen. Naidoo erklärte nämlich, ihn fasziniere in Tel Aviv insbesondere die Lebensart, wie die Leute einfach feiern, aufgeschlossen und sehr am Leben interessiert sind, einfach leben, da - und dieser Satz fiel dem Schnitt zum Opfer - da im nächsten Moment ja alles zu Ende sein könne.


 

Erinnerung an den Anschlag im ehemaligen Dolphinarium


Eine deutliche Reminiszenz an die Anschläge in Tel Aviv, zumal das Interview in Teilen am Strand in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Dolphinarium geführt wurde. Dort hatte ein Selbstmordattentäter am Freitag, den 1. Juni 2001, einundzwanzig jugendliche Discobesucher mit in den Tod gerissen und über 120 verletzt. Nur die Anwesenheit und Besonnenheit des deutschen Außenministers Joschka Fischer, der erschüttert zum Tatort eilte, und seine Intervention konnten damals eine weitere Eskalation der Spirale der Gewalt zumindest kurzfristig verhindern.
Heute befindet sich dort eine Gedenkstätte. Genauer gesagt zwei: die offizielle der Stadt Tel Aviv mit den Namen der Opfer und ein eher inoffizielles Denkmal der Freunde der Opfer, die zum größten Teil aus einer Schule stammten.
Auf ihm steht zu lesen: „Wir werden nicht aufhören zu tanzen.“

 

Nachtrag


In unmittelbarer Nähe trafen wir die Söhne Mannheims mit Xavier Naidoo auf einer Party. Eine Studentin, der ich die Teilnahme am Konzert ermöglicht hatte und die ich taufen werde, meinte nur: „Wahnsinn, vorhin noch im Taufgespräch mit Pfarrer Scholz und jetzt habe ich mich mit Xavier Naidoo unterhalten.“
So geht es halt im Leben.

Rüdiger Scholz, auch ein Sohn Mannheims

       

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