Jerusalemer Tagebuch (23.05.05)

 

Hermann Maas - Retter und Brückenbauer

J. Thierfelder
J. Thierfelder

Hebräischer Gruß von H. Maas
Hebräischer Gruß von H. Maas

Brief von Martin Buber
Brief von Martin Buber

von Prof. Jörg Thierfelder
Teil 1


In Heidelberg trägt eine Brücke den Namen Hermann-Maas-Brücke. Dass man gerade eine Brücke nach ihm benannt hat, ist gewiss von tieferer Bedeutung. Denn der Heidelberger Pfarrer Hermann Maas war in doppelter Hinsicht ein Brückenbauer. Zum einen zwischen Juden und Christen sein ganzes Leben lang, und zum andern ein Brückenbauer zwischen Deutschland und dem Staat Israel nach dem Zweiten Weltkrieg. Und er war darüber hinaus ein Retter, der vielen verfolgten und herumgestoßenen Juden und Judenchristen in der Zeit des Dritten Reichs seelsorgerlich beigestanden und vielen zur Emigration in ein sicheres Land verholfen hat.

Im Folgenden werden in einem ersten Teil der Werdegang und Prägungen von Hermann Maas dargestellt. Diese können wenigstens ansatzweise verständlich machen, warum Maas im Unterschied zu den meisten Deutschen und den meisten Christen in der Zeit des Nationalsozialismus ein wirklicher Freund der Juden war. Danach wird sein Einsatz für verfolgte Juden im Dritten Reich geschildert. Abschließend wird dann sein Tätigkeit als Brückenbauer zwischen Juden und Christen und zwischen Israel und Deutschland nach 1945 dargestellt.

1. Werdegang und Prägungen
Herman Maas, geboren 1877 in Gengenbach im heutigen Baden-Württemberg nördlich von Freiburg, stammte aus einer badischen Pfarrersfamilie. Nach seinem Theologiestudium und seinen ersten Jahren im Pfarrdienst war er von 1915 bis 1943 Pfarrer an der Heiliggeistkirche, der Heidelberger evangelischen Hauptkirche.Von 1945 bis 1965 war er Kreisdekan; später wurde der Titel in Prälat verändert. Er war mit Cornelie geb. Hesselbacher verheiratet; sie hatten drei Töchter. Er war geprägt von der liberalen Theologie, durch seine Mitarbeit in der ökumenischen Bewegung und durch seine frühe Begegnung mit dem Judentum.



 

Früher Pionier der ökumenischen Bewegung


Die vor dem ersten Weltkrieg in Deutschland tonangebende liberale Theologie vermittelte ihm, “die Offenheit der kirchlichen Verkündigung für Kirche und Gesellschaft, gepaart mit einem hohen Anspruch an wissenschaftlicher Reflexion, verbunden mit sozialem Verantwortungsbewusstsein“. Gerade dieses zeigt er, als er nach dem Krieg der DDP, der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei von Friedrich Naumann und Max Weber bei trat. Er saß für sie zwei Legislaturperioden im Heidelberger Stadtrat.

Maas war ein früher Pionier der ökumenischen Bewegung, die sich für die Einheit der Kirchen und den Frieden zwischen den Völkern einsetzte. Er schloss sich dem Weltbund für internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen an, einem der ökumenischen Hauptströme. Kampf um Frieden und um aktive Gewaltlosigkeit blieben für ihn zeitlebens zentrale Maximen. In der späten Weimarer Republik veranstaltete er zusammen mit einem katholischen Theologen aus Freiburg und dem Mannheimer Rabbiner Max Gruenewald Friedenskundgebungen „vor indifferenten oder unwilligen Zuhörerschaften“. Er trat damals auch in den Verein zur Abwehr des Antisemitismus ein.

"Schon in früher Jugend fühlte ich, der Sohn und Enkel von Pfarrern, mich dem Volk Israel in einer geheimnisvollen Weise hingezogen. Meine ersten Freunde waren im Grund immer Juden."

Schließlich hatte Maas von frühester Jugend an intensive Kontakte zu Juden. Er schrieb später: “Schon in früher Jugend fühlte ich, der Sohn und Enkel von Pfarrern, mich dem Volk Israel in einer geheimnisvollen Weise hingezogen. Meine ersten Freunde waren im Grund immer Juden.“ 1903 hielt sich der junge Geistliche Maas in Basel auf, als dort der 6. Zionistenkongress stattfand. Er bat darum, zu diesem Kongress als Besucher zugelassen zu werden, was ihm auch gewährt wurde. In Basel traf Hermann Maas Theodor Herzl, Chaim Weizmann und Martin Buber. Mit Buber blieb er zeitlebens in Verbindung. Er erlebte dort die leidenschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen den „Uganda-Leuten“, d. h. den jüdischen Vertretern, die sich einen jüdischen Staat auch im afrikanischen Uganda vorstellen konnten und den „Zionisten“, für die nur Israel für einen jüdischen Staat in Frage kam. Dort wurde Maas - wie er später einmal sagte „Zionist in heiliger Liebe zu den Verheißungen der Bibel“. Sein Zionismus ist ganz stark von den Verheißungen der Bibel geprägt. Später konnte er deshalb so formulieren: “Der Zionismus hat viele Gesichter. Aber hinter dem nationalistischen und wirtschaftlichen Gesicht steht ein anderes. … Sein Weben und Leben in den prophetischen Verheißungen des Landes, der Gerechtigkeit, des Friedens, des Heils, alles dies und viel mehr sind die tiefsten Motive des Zionismus.“



 

„Ich sah in Hitler von der ersten Minute an das Unheil für das deutsche Volk“


Es folgt ein Sprung in das Jahr 1933. Anders als die meisten kirchentreuen Protestanten, die die sog. Machtergreifung begeistert begrüßten, war Maas eher erschrocken. „Ich sah in Hitler von der ersten Minute an das Unheil für das deutsche Volk.“ schrieb er später. Entsetzt war er über die immer mächtiger werdende Gruppe der Deutschen Christen, die den Nationalsozialismus und das evangelische Christentum miteinander zu verbinden suchten. Sie wollten keine Pfarrer jüdischer Herkunft in der Kirche mehr dulden („Arierpragraph“) und hätten am liebsten alle Christen jüdischer Herkunft in Sondergemeinden gesteckt. Sie forderten schon 1932 - drei Jahre vor den Nürnberger Rassegesetzen - ein Verbot von Ehreschließungen zwischen Deutschen und Juden.

In den ersten Monaten des Jahres 1933 war Maas mit den Vorbereitungen auf seine Palästinareise beschäftigt, die von April bis Juli 1933 stattfand. Maas hatte hierfür ein Stipendium des Deutschen Palästina-Komitees erhalten.



 

Bekennende Kirche


Mit einer Gruppe der WIZO, der internationalen jüdischen Frauenorganisation fuhr er von Neapel nach Haifa. Er erlebte, wie Hunderte von verzweifelten Flüchtlingen aus Deutschland das amerikanische Schiff, die „Vulkania“ bestiegen. Im Heiligen Land besuchte Maas nicht nur die christlichen Erinnerungsstätten. sondern auch Ausgrabungsorte und vor allem auch Kibbuzim. Er feierte jüdische Feste mit. Um nicht als Fremdling zu erscheinen, hatte Maas Ivrit gelernt. Von Maas gibt es viele auf Hebräisch verfasste Briefe. So hat er z.B. mit Schalom Ben Chorin auf Hebräisch korrespondiert. Als Maas Anfang Juli 1933 wieder heimkehrte, sah er sich einer Hetze ohnegleichen ausgesetzt. Der örtliche Kreispropagandaleiter der NSDAP forderte vom evangelischen Dekan, dem Vorgesetzten von Maas, dass dieser auf keinen Fall am nächsten Sonntag wieder predigen dürfe, vielmehr sollte er bis zur Entscheidung des Oberkirchenrats von der öffentlichen Seelsorge entbunden werden. Begründung: „Die seit Jahren betont judenfreundliche Einstellung des Stadtpfarrer Maas ist stadtbekannt…Maas wird überall als der Judenpfarrer betrachtet.“ Die Kirchenbehörden rieten Maas, den ersten Gottesdienst nicht zu halten, um sich nicht zu gefährden. Maas kam diesem Rat nach. Schließlich protestierte Landesbischof Kühlewein - gedrängt vom Dekan und von Amtsbrüdern - dagegen, dass man Maas an der Ausübung seiner Predigttätigkeit hindern wollte, ohne dass begründete Beschwerden vorgebracht würden. Die Sache verlief schließlich im Sand. Weder NSDAP und Regierung in Baden noch die badische Kirchenleitung waren am Anfang des Dritten Reichs an einem Konflikt interessiert; vielmehr befürwortete man einen modus vivendi. Der Bischof mahnte Maas damals, sich auf seine „gemeindepfarramtliche Tätigkeit“ zu beschränken. Daran hielt sich Maas - wie wir sehen werden - nicht. Er wurde später Mitglied der Bekennenden Kirche.

2. Der Einsatz für die verfolgten Juden
Während viele Deutsche, auch viel Christen sich nach 1933 ihrer Bekanntschaft mit Juden zu schämen begannen, bezeugte Maas in aller Öffentlichkeit seine Solidarität mit den Juden. Ihn trieb nicht nur Nächstenliebe für die „unter die Räuber Gefallenen“; er ging von einer tiefen Verbindung zwischen Juden und Christen aus.

"Ich stehe bei Ihnen, nicht trotzdem Sie Jude sind, sondern weil sie es sind und weil ich heute von einer Gottesgemeinde, einem Gottesvolk weiß, zu dem wir, Sie und ich, in gleicher Weise als Brüder und Schwestern gehören, in gleicher Weise angegriffen, verachtet und verstoßen von der Welt, in gleicher Weise auch geborgen in der Liebe des Ewigen, dessen Kinder wir sein dürfen.“

Anlässlich der Reichspogromnacht 1938 schrieb er einem jüdischen Mitbürger in Baden-Baden: „Ich stehe bei Ihnen, nicht trotzdem Sie Jude sind, sondern weil sie es sind und weil ich heute von einer Gottesgemeinde, einem Gottesvolk weiß, zu dem wir, Sie und ich, in gleicher Weise als Brüder und Schwestern gehören, in gleicher Weise angegriffen, verachtet und verstoßen von der Welt, in gleicher Weise auch geborgen in der Liebe des Ewigen, dessen Kinder wir sein dürfen.“ Demonstrativ nahm er an den hohen jüdischen Feiertagen an den jüdischen Gottesdiensten in der Synagoge teil. Fritz Pinkuss, der damalige Heidelberger Rabbiner und später Rabbiner von Sao Paulo schilderte das 1985 so:

„Seine menschliche Verbundenheit war so tief, dass wir an Heiligabend bei ihm waren und er bei uns zur Pessachfeier und an den hohen Feiertagen des Judentums. Das ging so weit, dass ich ihm dringend raten musste, seine Sicherheit nicht durch Teilnahme an unseren Gottesdiensten zu gefährden und an einem anderen Platz am Gottesdienst teilzunehmen. Selten habe ich jemand so innig beten sehen, wenn er zu den großen Gebeten der Hohen Feiertagen kam.“



 

Einsatz für Christen jüdischer Herkunft

Maas hat nicht nur getaufte Juden unterstützt. Dafür gibt es viele Beispiele. Fritz Pinkuss legte ihm bei seiner Emigration 1938 an Herz „für die Verfolgten und die Alten zu sorgen“. Maas kümmerte sich um die Alten im jüdischen Altersheim in Mannheim. Er befestigte an der Glastür seines Pfarrhauses in der Hirschgasse eine Mesusa mit der Begründung: Meine jüdischen Freunde sollen wissen, dass sie bei mir sicher sind. Maas sammelte um sich einen Kreis von Helfern, vielfach selber gefährdeten Menschen, und setzte auch seine ökumenischen Beziehungen für die verfolgten Juden ein. Auf einer Tagung des Weltbundes für internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen in Chamby bei Genf 1935 referierte er über „das Problem der nichtarischen Christen“. Er sah diese zwischen allen Stühlen sitzen, nicht unterstützt von jüdischen Hilfsorganisationen und viel zu wenig unterstützt von den evangelischen Kirchen. Maas forderte Kollektivsiedlungen im Ostjordanland und Schulen in Deutschland, die auf die Auswanderung vorbereiteten. Schließlich wurde am 1. Januar 1936 in Anwesenheit von Maas das International Christian Committee for German Refugees gegründet, das vor allem bedrohten Christen jüdischer Herkunft helfen sollte.

"Hinter dem Kampf gegen die Juden verbirgt sich der Widerspruch gegen den Anspruch Gottes, der mit dem jüdischen Volk, seiner Erwählung, seinem Schicksal und mit der Tatsache Joh. 4,22: ’Das Heil kommt von den Juden’ an uns gestellt ist."

Maas nahm 1936 an einem Ausschuss der Bekennenden Kirche teil, die eine Erklärung der Bekennenden Kirche zur Judenfrage für eine Synode konzipieren sollte, die dann aber nicht zustande kam. Erhalten geblieben sind seine Referate: Für Maas ist der Kampf gegen die Juden weniger eine politische als vielmehr eine theologische Frage: „Hinter dem Kampf gegen die Juden verbirgt sich der Widerspruch gegen den Anspruch Gottes, der mit dem jüdischen Volk, seiner Erwählung, seinem Schicksal und mit der Tatsache Joh. 4,22: ’Das Heil kommt von den Juden’ an uns gestellt ist.“ Für Maas wird darum letztlich im Angriff gegen das Judentum der Glauben der Kirche angegriffen. Daraus ergibt sich als Aufgabe der Kirche, „ein schützender Zaun um das ganze leibliche Israel zu sein“.


 

Christlicher Zionismus


Maas bekräftigte seinen christlichen Zionismus, sein christliches Ja zur Heimkehr des jüdischen Volkes nach Israel. Das war für damals eine kühne Aussage, die im Ausschuss auf Widerspruch stieß. Erst nach dem Krieg wurde in der evangelischen Kirche neu nachgedacht über die bleibenden Verheißungen an Israel, wie dies der Apostel Paulus in Röm 911 herausgestellt hatte: Auch nach dem Kommen Jesu bleiben die Verheißungen an Israel in Kraft.

"(Maas) bemühte sich darum, gefährdeten Juden und Judenchristen zur Auswanderung aus Deutschland zu verhelfen: 'Ich reiste… wohl alle Vierteljahre nach England, um meine vielen Kinder und jüdischen Familien zu retten."

Mit der Reichspogromnacht 1938 trat die Judenverfolgung in eine neue schreckliche Phase. Im gleichen Jahr gründete der Berliner Pastor Heinrich Grüber im Auftrag der Bekennenden Kirche die Kirchliche Hilfsstelle für evangelische Nichtarier. In der Berliner Zentrale an der Stechbahn arbeiteten 30-40 Mitarbeiter, viele davon waren jüdischer Herkunft und überlebten die Schoah nicht. Arbeitsgebiete waren Auswandererberatung, Stellenvermittelung im Ausland, Geldunterstützung, Rechtsberatung, Familienschule und immer wieder seelsorgerliche Gespräche. Die Hilfsstelle wurde vom Regime nie offiziell anerkannt, aber zunächst geduldet, weil die Nazis darin interessiert waren, Deutschland „judenfrei“ zu machen. Eigentlich sollte Maas die Leitung dieser Hilfsstelle übernehmen; er wollte jedoch seine Gemeindearbeit in Heidelberg nicht aufgeben. Er leitete aber die Heidelberger Vertrauensstelle des Büro Pfarrer Grüber und bemühte sich darum, gefährdeten Juden und Judenchristen zur Auswanderung aus Deutschland zu verhelfen. Dabei konnte er seine guten Beziehungen zu Ökumenikern in England, Schweden und der Schweiz einsetzen. An konkreten Fällen nenne ich Alfred (heute: Arie) Flor, der 1920 in Heidelberg geboren wurde und der Maas von dessen Besuchen in der Synagoge kannte. Er wurde nach der Reichspogromnacht in Dachau inhaftiert. Als er freikam, konnte Maas ihn in ein Vorbereitungslager für Palästina vermitteln. Das Lager wurde 1940 aufgelöst. In einer langen Odyssee kam er dann nach Palästina und wurde Mitglied im Kibbuz Kfar Gil’adi. Weiter verhalf Maas Paul und Martha Rosenzweig (heute: Reginald Pringle und Martha Mower), zwei Christen jüdischer Herkunft zur Ausreise nach England. Ganz besonders lag ihm die Rettung von Kindern am Herzen: „Ich reiste… wohl alle Vierteljahre nach England, um meine vielen Kinder und jüdischen Familien zu retten.“ Das Büro Pfarrer Grüber soll im Ganzen mindestens 950 christliche Kinder jüdischer Herkunft nach England gebracht haben.

Eine ganz wichtige Rolle spielte Maas bei der Rettung von 40 Pfarrern jüdischer Herkunft mit ihren Familien. George Bell, der Bischof von Chichester und Freund Dietrich Bonhoeffers konnte beim englischen Innenministerium deren Einreise nach England erwirken Maas sollte auf Wunsche der ökumenischen Zentrale in Genf eine Liste der Personen zusammenstellen, die gerettet werden sollten. Auf der Maas-Liste standen die Namen vieler bedrohter Pfarrer. Sie konnten mit dem sog. Bell-Ticket ausreisen.

 

Angriffe und Hilfe


Seine Kontakte mit Juden und seine Taufen von Juden ließen Maas zum Ziel von Angriffen in Heidelberg werden. Es kam zu zermürbenden Gestapoverhören,und es grenzt an ein Wunder, dass er nicht verhaftet wurde. Sicher war Maas vorsichtig, um seine Arbeit nicht zu gefährden. Nach dem Krieg sagte er einmal: “Ich wollte doch kein Märtyrer werden, ich wollte weiterarbeiten.“ Er scheute auch vor Schutzbehauptungen nicht zurück. So wies er in einem Brief an den Oberkirchenrat der für staatliche Ohren bestimmt war, den „Vorwurf der Judenfreundlichkeit und Staatsablehnung … auf das Entschiedenste zurück“.

"Einen besonderen Schock bedeutete für Maas die plötzliche Deportation der Juden aus Baden und der Saarpfalz im Oktober 1940. ... „Heute quäle ich mich, dass ich nicht gebeten habe, mitzudürfen und mit diesen armen Brüdern und Schwestern zu sterben.“ "

Maas hatte seine eigene Erklärung für den erfahrenen Schutz, „dass nämlich seine große Gemeinde in Heidelberg wie ein Schutzwall hinter“ ihm stand „und oft die Gestapo zögern ließ oder gehemmt hat.“

Einen besonderen Schock bedeutete für Maas die plötzliche Deportation der Juden aus Baden und der Saarpfalz im Oktober 1940. Maas nahm noch Kontakt mit Grüber und mit Freudenberg vom Ökumenischen Flüchtlingsdienst in Genf auf. Es war alles umsonst. Bei einigen älteren Menschen versuchten er und seine Mitarbeiter/innen mit Medikamenten zu bewirken, dass sie als nicht transportfähig eingestuft wurden. Kurz danach schrieb er: „Heute quäle ich mich, dass ich nicht gebeten habe, mitzudürfen und mit diesen armen Brüdern und Schwestern zu sterben.“

1940 begann eine Kampagne gegen ihn, die ihn schließlich aus dem Amt bringen sollte. Ihm wurde zunächst das Amt des Standortpfarrers, das er nebenamtlich innehatte, entzogen. 1942 entzog ihm das Kultusministerium die Erlaubnis Religionsunterricht zu erteilen. Schließlich forderte das Kultsministerium vom den Oberkirchenrat, Maas „aus der Seelsorge zurückzunehmen“. Man hatte bei einer Briefpartnerin Frankfurt Briefe von Maas mit regimekritischen Äußerungen gefunden. Maas brachte eine vorzeitige Zurruhesetzung ins Gespräch, um seiner Entfernung aus dem Amt durch ein Disziplinarurteil zuvorzukommen. Er wurde dann auf 1. Juli 1943 in den Ruhestand versetzt.

1944 wurde er zusammen mit anderen Heidelbergern zur Zwangsarbeit in Frankreich verpflichtet.

       

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