Jerusalemer Tagebuch (15.04.05)
Gandhi in Jerusalem
Arabisches Filmplakat
Ben Kingsley
Im vergangenen August besuchte der Enkel Mahatma Gandhis, Arun Gandhi, Jerusalem und bei dieser Gelegenheit auch die evangelische Himmelfahrtkirche. Aus der Einladung zum Abendessen wurde damals nichts, denn Gandhi sagte es, ganz in der Tradition seines Großvaters, ab, um solidarisch am Hungerstreik palästinensischer Häftlinge gegen die israelischen Haftbedingungen teilzunehmen. Dieser Tage war Gandhi wieder in Jerusalem. Allerdings in Gestalt seines Filmdarstellers Ben Kingsley.
„Wir sollten einmal über gewaltfreien Widerstand als eine Möglichkeit, diesen Konflikt zu lösen nachdenken“, hatte Arun Gandhi bei seinem Besuch Arafat persönlich vorgeschlagen. Und in der Tat: was wäre geschehen, wenn statt Attentätern tausende weißgewandeter Zivilisten sich auf die Checkpoints zubewegt und solchermaßen der Weltöffentlichkeit ihre Lage vor Augen geführt hätten?
Einige Köpfe lies dieser Gedanke nicht los und heraus kam die erste arabische Version des Gandhi Filmes von Richard Attenborough aus dem Jahre 1982. Dass dies 23 Jahre dauerte und nur mit Hilfe der Stiftung von Jeff Skoll, dem Gründer des Internet-Auktionshauses ebay möglich war, lässt tief blicken.
Gandhi auf arabisch
Zur Uraufführung in Jerusalem kommen auch der Hauptdarsteller Ben Kingsley und Förderer Jeff Skoll, die sich vor allem darüber freuen, dass so viele junge Zuschauer gekommen sind, das gäbe Hoffnung auf eine friedliche Zukunft. Die jungen Zuschauer jubeln, ob über ihre friedliche Zukunft oder für den Schauspieler Ben Kingsley, sei einmal dahingestellt, dieser wehrt den Applaus jedenfalls bescheiden ab und meinte, er wolle seine Darstellung Gandhis für sich sprechen lassen.
"Im Rahmen des Gandhi Projektes geht die Arbeit weiter. Der Film, so der Initiator des Projektes, der palästinensische Filmmacher Hanna Elias, sei nur ein Mittel, um die Botschaft der Gewaltfreiheit in der Region Gehör zu verschaffen. Das Gandhi Projekt selbst will Frieden und Toleranz in der Region an Hand von Gandhis Prinzipien und Philosophie fördern."
Doch damit ist erst ein Anfang gemacht. Im Rahmen des Gandhi Projektes geht die Arbeit weiter. Der Film, so der Initiator des Projektes, der palästinensische Filmmacher Hanna Elias, sei nur ein Mittel, um die Botschaft der Gewaltfreiheit in der Region Gehör zu verschaffen. Das Gandhi Projekt selbst will Frieden und Toleranz in der Region an Hand von Gandhis Prinzipien und Philosophie fördern.
Gemeinsam mit Relief International-Schools Online und anderen Nichtregierungsorganisationen sollen Unterrichts- und Trainingsmaterialien erarbeitet werden.
Der Wandel, den Gandhi in Indien bewirkte, ermutigt dabei die Initiatoren, Gewaltlosigkeit als etwas aktives, das durchaus Ergebnisse zeitigt, darzustellen, im Unterschied zu dem Ruf der Tatenlosigkeit und des Leidens, den sie hierzulande genießt.
Zitate von Mahatma Gandhi (1869 - 1948)
zu Gewaltlosigkeit - Satyagraha
Ich lehne Gewalt ab, weil das Gute, das sie zu bewirken scheint, nicht lange anhält; dagegen ist das Schlechte, das sie bewirkt, von Dauer.
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Gewalt ist die Waffe des Schwachen; Gewaltlosigkeit die des Starken. |
Gewaltlosigkeit wird auf die Probe gestellt, wenn sie der Gewalt gegenübersteht. |
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Es gibt nur einen Weg, durch Gewaltlosigkeit Unabhängigkeit zu erreichen: Wenn wir sterben, leben wir, wenn wir töten, niemals. |
Ich kann mir einen schwerbewaffneten Mann vorstellen, der doch in seinem Herzen feige ist,...echte Gewaltlosigkeit ist unmöglich, wenn man nicht furchtlos ist. |
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Gewaltlosigkeit in ihrer dynamischen Form bedeutet bewusstes Leiden. Sie bedeutet nicht, sich demütig dem Willen des Übeltäters zu unterwerfen, sondern sie bedeutet, sich mit ganzer Seele mit dem Willen des Tyrannen zu messen. |
Ein Satyagrahi (ein Anhänger der Gewaltlosigkeit) hat von der Furcht Abschied genommen. Er wagt es, dem Gegner Vertrauen zu schenken. Auch wenn ihn der Gegner zwanzigmal enttäuscht, ist der Satyagrahi bereit, ihm das einundzwanzigste Mal zu vertrauen. |
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Mein Glaube an die Gewaltlosigkeit verpflichtet mich zu äußerster Entschlossenheit. Da bleibt kein Raum für Feigheit oder Schwäche. |
Bei dem Gewalttätigen besteht immer noch Hoffnung, dass er eines Tages zur Gewaltlosigkeit findet, beim Feigling nicht. |
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Die Welt beruht auf den Grundfelsen von Satya oder Wahrheit. Asatya, gleichbedeutend mit Unwahrheit, bedeutet auch "nicht vorhanden"; und Satya oder Wahrheit bedeutet "das, was ist". Wenn Unwahrheit nicht einmal vorhanden ist, kann auch ihr Sieg niemals sein. Und die Wahrheit kann als "das, was ist" niemals vernichtet werden. Das ist in aller Kürze die Lehre von Satyagraha. |
Die Demut eines Satyagraha kennt jedoch keine Grenzen. Er lässt sich nicht eine einzige Gelegenheit zu gütlichem Vergleich entgehen und kehrt sich nicht daran, ob irgendwer ihn etwa für feige hält ... Deshalb ist er höflich gegen jedermann und erzieht und gewinnt so die Weltmeinung für seine eigene Sache. |
Standhaftigkeit besteht darin, dass wir uns selbst willentlich etwas auferlegen mit dem Ergebnis, dass wir andere dazu bringen, unsere Sicht aus ihrem eigenen freien Willen anzunehmen.
Am 19. Mai soll der Film in der jordanischen Hauptstadt Amman gezeigt werden. Es gibt noch Tickets für Kurzentschlossene.
Weitere Zitate und Informationen unter http://www.gandhiproject.org/








