Jerusalemer Tagebuch (11.03.05)

 

Der deutsche Beitrag zum kulturellen Wandel in Palästina

Der Fotograf Paul Hommel
Der Fotograf Paul Hommel

Deutscher Zeppelin über Jerusalem
Deutscher Zeppelin über Jerusalem

Die deutsche Kolonie in Haifa
Die deutsche Kolonie in Haifa

... so heißt eine Ausstellung des Landeskirchlichen Archivs Stuttgart, die aus Anlass des 40-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik im Festsaal der Himmelfahrtkirche in Jerusalem gezeigt wird. Denn das deutsche Erbe im Land reicht wesentlich länger zurück:

Im Heiligen Land lebten am Vorabend des Ersten Weltkrieges über 3.000 Christen aus Deutschland. Als Missionare und Siedler leisteten sie einen bedeutenden Beitrag zur kulturellen Entwicklung des Landes, der heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Ziel der Ausstellung ist es, die tiefen und zum Teil auch bleibenden Spuren der deutschen Missions- und Siedlungstätigkeit darzustellen. Städteplanung und Landwirtschaft, Handwerk und beginnende Industrialisierung geraten ebenso in den Blick wie das aus der Missionstätigkeit entfaltete Engagement im Bereich der Bildung und Diakonie. Das Jerusalemer Tagebuch stellt in drei Teilen die wichtigsten Texte und Bilder der Ausstellung vor.


 

Deutsche im Heiligen Land


"Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts lag Palästina als Provinz des weit gespannten osmanischen Reiches am Rande des Interessenfeldes der europäischen Mächte. Nur die traditionellen Schutzmächte der lateinischen und der orthodoxen Christenheit, wie Frankreich und Russland, waren im Land präsent.
Erst während der Reformzeit von 1839 bis 1878 öffnete sich Palästina und es begann das "Jahrhundert der Mission". Zahlreiche amerikanische, englische und deutsche Missionsgesellschaften kamen ins Land.
Die ersten deutschen evangelischen Missionare wurden 1846 von der Pilgermission St. Chrischona bei Basel nach Palästina geschickt.

1851 gründete die Kaiserswerther Diakonissenanstalt zunächst ein Hospital, später eine Schule in Jerusalem. Diese Missionare und Diakonissen stammten zu einem großen Teil aus Württemberg. Ab 1868 kamen deutsche Siedler in das Land, von denen ein großer Teil der Tempelgesellschaft angehörte, die sich aus dem württembergischen Pietismus entwickelt hatte.

"Der Stuttgarter Fotograf Paul Hommel (1880-1957) bereiste seit 1927 mehrfach Palästina. Ihn interessierten nicht nur die heiligen Stätten des Landes, sondern auch die einheimische Bevölkerung, die zionistische Bewegung und insbesondere die deutschen Kolonien und Missionseinrichtungen, in deren Auftrag er Postkartenserien herstellte... Aus diesem Bildbestand stammen die hier gezeigten Aufnahmen."

Damit begann eine weitreichende und langfristig wirkende Aktivität vornehmlich württembergischer Missionare und Siedler. Diese waren mit ihrem aus der Missionstätigkeit entfalteten Engagement im Bereich von Bildung und Diakonie sowie Städteplanung, Landwirtschaft, Handwerk und beginnender Industrialisierung prägend für das Land. Nach 1918, während der britischen Mandatszeit, ging die Bedeutung der deutschen evangelischen Missionseinrichtungen und Siedlungen zurück. Spätestens mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde ihre Arbeit eingestellt.



 

Der Stuttgarter Fotograf Paul Hommel


Der Stuttgarter Fotograf Paul Hommel (1880-1957) bereiste seit 1927 mehrfach Palästina. Ihn interessierten nicht nur die heiligen Stätten des Landes, sondern auch die einheimische Bevölkerung, die zionistische Bewegung und insbesondere die deutschen Kolonien und Missionseinrichtungen, in deren Auftrag er Postkartenserien herstellte. Hommel machte Tausende Fotografien und nur durch Zufall überlebte ein Großteil dieses wertvollen Bildmaterials. Es gelangte über den Nachlass Hermann Schnellers, ein Enkel des Gründers des Syrischen Waisenhauses und letzter Direktor dieser Einrichtung in Jerusalem, in das Landeskirchliche Archiv Stuttgart. Aus diesem Bildbestand stammen die hier gezeigten Aufnahmen.

Diese Fotografien über die deutsche christliche Tätigkeit in Palästina entstanden in einer Zeit, in der sie sich bereits im Niedergang befand. Sie dokumentieren aber den Gebäudebestand, über den die Missionseinrichtungen und Siedlungen in ihrer Blütezeit um 1900 verfügt hatten.



 

Stadt und Land


Im Palästina des 19. Jahrhunderts gab es keine Städteplanung und die meisten Städte waren noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einer Bevölkerung zwischen 1.000 und 5.000 Einwohnern verhältnismäßig klein. Der größere Teil der einheimischen Bevölkerung lebte weiterhin auf dem Land oder zog als Beduinen durch das Land. Erst etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts sind durch den Bau von Wohnvierteln außerhalb der Stadtmauern der großen Städte Anfänge städtischer Raumplanung zu erkennen. Mit dem jüdischen Viertel Mischkenot Scha’ananim entstand 1860 eine der ersten geplanten Wohnsiedlungen außerhalb der Stadtmauern Jerusalems. Die erste Kolonie der württembergischen Templer entstand ab 1869/70 in Haifa, deren gesamte Siedlungsfläche nach modernen städtebaulichen Erfordernissen geplant wurde.

Die Gemeinde erhielt durch die Ansiedlung von Handwerks- und Industriebetrieben einen raschen Aufschwung. Weitere städtische Siedlungen der Templer entstanden in Jaffa und der Rephaim-Ebene bei Jerusalem.
Die Templer siedelten aber auch außerhalb der Städte. Sie errichteten die landwirtschaftlichen Kolonien Sarona, Wilhelma und Bethlehem-Galiläa. Auch die jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien (Moschavot), die ab 1882 entstanden, waren von weitreichendem Einfluss.“

(Fortsetzung am 17.03.05. (Teil 2) und 22.03.05 (Teil 3))

Das Jerusalemer Tagebuch bedankt sich für Text und Bilder bei den Autoren. Ausdrücklich hingewiesen sei auf den Katalog der Ausstellung:

Kultureller Wandel in Palästina im frühen 20. Jahrhundert: Eine Bilddokumentation. Zugleich ein Nachschlagewerk der deutschen Missionseinrichtungen und Siedlungen von ihrer Gründung bis zum Zweiten Weltkrieg, herausgegeben von: Jakob Eisler, Norbert Haag und Sabine Holtz, Epfendorf 2003
Gebundene Ausgabe - bibliotheca academica Verlag GmbH
ISBN: 3928471554

       

      Israel heute: Ein Mann bewegt eine Stadt

      Zäh und konsequent verfolgte Uri Amedi das Ziel der Integration in seinem Stadtviertel mit neuen Zuwanderern über dreißig Jahre lang. Und das Ergebnis ist ein "Bilderbuchstadtteil" mit neuer Lebensqualität: "Lev Ha´ir" - Ein neuer alter Stadtteil in Jerusalem