Jerusalemer Tagebuch (04.06.05)

 

*) Nachtrag: Die israelische Organisation "Zochrot" erinnert an die Naqba

Dieser Tage hatte ich die Gelegenheit Eytan Bronstein, einen der Gründer der Organisation „Zochrot“ kennen zu lernen. „Zochrot“ ist im hebräischen die weibliche Form des Wortes „Erinnern“. Diese israelische Gruppe versucht tatsächlich, an die palästinensische Naqba zu erinnern, beispielsweise dadurch, dass sie am palästinensischen Gedenktag eine Demonstration in Tel Aviv abhielt.
Dort wurde ein Teil des Rathausplatzes abgesperrt und eine Landkarte Israels/Palästinas auf den Boden gezeichnet. Jeder Besucher bekam eine Karte mit einem arabischen Ortsnamen, den er auf der Karte anbringen konnte. Es handelte sich um die 531 arabischen Dörfer, die seit der Staatsgründung Israels verschwunden sind. Bis zu 900.000 Araber flohen damals aus ihren Dörfern oder wurden vertrieben, wie es die „neuen“ israelischen Historiker herausgearbeitet haben. Bis zu 200.000 blieben im Staat Israel und wurden zu „anwesenden Abwesenden“, da sie nicht in ihre Dörfer zurückkehren konnten oder durften.

„Zochrot“ ist nicht nur in Israel umstritten, sondern auch bei Palästinensern, die fürchten, dass die Israelis nach ihrem Land nun auch ihre Erinnerungen okkupieren.“

„Zochrot“ will die Erinnerung an diese Dörfer, ihre Menschen und ihre Geschichte aufrecht erhalten, durch Begehungen, Seminare und Anbringung der alten arabischen Ortsschilder und Straßennamen, die aber in der Regel von der nunmehr dort wohnenden israelischen Bevölkerung umgehend wieder entfernt werden.

„Zochrot“ ist nicht nur in Israel umstritten, zumal die Organisation das Rückkehrrecht für die bis zu 5,5 Millionen palästinensischen Flüchtlinge offen anspricht, sondern auch bei Palästinensern, die fürchten, dass die Israelis nach ihrem Land nun auch ihre Erinnerungen okkupieren.

„Frieden und Versöhnung sind ohne Klärung dieser Fragen nicht machbar. Und die israelische Demokratie bietet die Möglichkeit diese Fragen zu diskutieren.“

Doch Eytan Bronstein ist zuversichtlich: Israel, so meint er, hat die moralische Verpflichtung diese Themen anzusprechen. Frieden und Versöhnung sind ohne Klärung dieser Fragen nicht machbar. Und die israelische Demokratie bietet die Möglichkeit diese Fragen zu diskutieren. Zumindest begrenzt.


Weitere Informationen:

  • „Zochrot“ im Internet

  • Weiterführende Literatur der „neuen“ israelischen Historiker:
    Die Geburt Israels. Mythos und Wirklichkeit von Simcha Flapan, oder die Bücher von Benny Morris.

       

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