Von der Organisationswerdung der Kirche

 

Bericht zur Lage von Landesbischof Dr. Ulrich Fischer

Frühjahrstagung der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden, Bad Herrenalb, 17. April 2008
Stark gekürzte Fassung (den kompletten Text finden Sie unterhalb des Textes als PDF-Dokument zum Download)

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Synodale,
wie wichtig es ist, an Schwellensituationen des Lebens innezuhalten, zurückzublicken und sich des künftigen Wegs zu vergewissern, wissen wir alle. Ohne ein solches zutiefst menschliches Bedürfnis gäbe es keine Gedenktage und Jubiläen und auch keine Rituale wie Kasualien oder Familienfeste. Was für uns Menschen im Privaten gilt, das gilt auch von menschlichen Gemeinschaften und Institutionen: Jahrestage, Ende von Legislaturperioden, Dienstwechsel - all solche Ereignisse sind Anlass, die zurück-gelegte Wegstrecke in den Blick zu nehmen und sich dessen zu vergewissern, was getragen hat und künftig hoffentlich tragen wird. Das gilt auch für eine Synode, die zur letzten Tagung einer Wahlperiode zusammenkommt. Allerdings schauen wir bei dieser Gelegenheit nicht nur zurück auf unser menschliches Tun. Wir halten nicht nur inne, um Wegmarkierungen für unser weiteres Planen zu setzen, sondern auch in Dankbarkeit gegen Gott, der uns bis hier begleitet hat, und im Vertrauen darauf, dass er unsere Herzen und Sinne künftig so regieren möge, dass Segensreiches erwachse aus unse-rem Tun - für seine Kirche, für die uns in der Kirche anvertrauten Menschen und für die Welt, in der diese Kirche als Salz der Erde wirkt. Insofern ist dieses Innehalten am Ende einer synodalen Wahlperiode am ehesten mit einer Kasualie zu vergleichen und mein Bericht zur Lage wie eine umfangreiche Kasualansprache zu verstehen. (...)

Ich will mich [vielmehr] auf eine bestimmte Fragestellung konzentrieren, die wie keine andere die synodale Arbeit der letzten Jahre geprägt hat und auch die Tagesordnung dieser letzten Synodaltagung bestimmt. Am Ende dieser Wahlperiode will ich mit Ihnen bedenken, was es für die kirchenleitende Arbeit bedeutet, dass wir mit unserem „Kirchenkompass“ ein neues Instrument entwickelt haben, das sich einerseits theologisch verantwortet und andererseits ökonomische Rahmenbedingungen ernst nimmt. Wie hat sich kirchenleitende Arbeit der Landessynode und des Landeskirchenrats, des Evangelischen Oberkirchenrats und des Landesbischofs durch den Kirchenkompass verändert und wie damit auch unser Verständnis von Kirche? (...)

Wenn wir bedenken, was sich in unserem kirchenleitenden Arbeiten mit dem Kirchenkompassprozess verändert hat, dann bedarf dieser Rückblick einerseits eines gründlichen theologischen Nachdenkens, andererseits einer Einordnung in größere kirchliche Zusammenhänge. Und so ergibt sich für meine Ausführungen ein Dreischritt, indem ich zunächst theologische Reflexionen anstelle, sodann einen Blick auf die EKD-weite Reformdiskussion werfe, um schließlich auf diesem Hintergrund die Arbeit unserer Kirchenleitung in den zurückliegenden Jahren zu betrachten.

I. Die Organisationswerdung der Kirche braucht gute Theologie: Theologische Reflexionen
(...) Ein Blick in die Kirchengeschichte lehrt uns, dass am Anfang der Kirche zwei „große B“ standen: die Begegnung und die Bewegung. Aus der Begegnung des Auferstandenen mit seinen Jüngern entstand die Kirche als eine Bewegung, als Glaubensbewegung. Bewegung aber kann nicht Bewegung bleiben. Sie drängt auf Verstetigung, auf Beständigkeit. So wird aus der Glaubensbewegung eine Institution. Im Neuen Testament ist dieser Prozess der Institutionswerdung ablesbar, und schon bald sind es drei andere „große B“, die die Institution Kirche kennzeichnen: Bibel, Bekenntnis und Bischof. Eine Institution nun steht immer in Differenz zu ihren Anfängen, in Spannung zur ursprünglichen Bewegung. Darum war es das Verdienst der Reformation, dass sie die Institutionalisierung der Kirche daran prüfte, wie weit sie der Begegnung mit Gott diente oder diese Begegnung gerade verhinderte. Deshalb definierte die Reformation als die beiden entscheidenden Kennzeichen der Kirche, als die grundlegenden notae ecclesiae, die reine Predigt des Evangeliums und die einsetzungsgemäße Feier der Sakramente. Denn diese beiden vor allem ermöglichen den Menschen die Begegnung mit Gott. Alle weiteren Kennzeichen einer Institution haben für die Reformation keine Kirchen begründende Bedeutung. Mit der Begrenzung auf die beiden notae ecclesiae der Verkündigung und der Sakramentsverwaltung eignet dem Protestantismus eine Dynamik zwischen Bewegung und Institutionalisierung. So ist das Leiden an der Institution typisch für Evangelische: Da die Begegnung mit Gott einziges Kriterium echten Kircheseins ist, leiden viele Evangelische daran, dass sie in ihrer Kirche statt auf Bewegung zumeist auf Institution treffen. Heimlich oder offenkundig wünschen sich Evangelische eine Kirche in Bewegung, wie in ihren Anfängen, aber sie müssen mit der Institution Kirche leben.
Im 19. Jahrhundert entstand als neue Sozialform die Organisation, zunächst im Wirt-schaftsbereich, dann aber auch in der Kirche, und zwar in den Hilfsvereinen der Diakonie und in den Werken der Mission. Organisationen im modernen Sinn zeichnen sich dadurch aus, dass sie (1.) ein klares Programm haben, sich (2.) ein eindeutiges Ziel geben und (3.) zur Erreichung dieses Ziels materielle und personelle Ressourcen definieren und einsetzen. Dazu brauchen sie schnelle Entscheidungsfindung und eindeutige Steuerungsmöglichkeiten, damit auch schlanke Leitungsstrukturen. Dieser Schub an Organisationslogik hat nun in den letzten Jahren auch die Kirche als Institution erreicht: Nachdem die Kirchensteuermittel in den 90er Jahren erstmals nachließen und Stellenpläne nachhaltig gekürzt werden mussten, geriet die Kirche als Institution erkennbar an die Grenzen ihrer Steuerungsfähigkeit. Und so haben die Gliedkirchen der EKD - gewiss in unterschiedlichem Tempo und in unterschiedlicher Qualität - begonnen, mit Hilfe der Organisationslogik die eigenen Ressourcen besser zu nutzen. Damit hat der Wandel der Institution Kirche hin zur Organisation begonnen. Was wir also derzeit erleben, ist ein Prozess der Organisationswerdung der Kirche. (...)

Und für das Organisationswerden von Kirche bedarf es guter Theologie. Wichtig ist, dass sich Kirche der - meist aus dem Bereich der Ökonomie stammenden - Organisationslogik nicht besinnungs- und bedingungslos ausliefert. Kirche muss theologisch auskunftsfähig sein über ihre Entscheidungen, d.h. kirchliches Leitungshandeln kann sich nicht allein an Effizienz und Effektivität orientieren. (..) Deshalb sind biblisch fundierte Leitbilder so wichtig für unseren Kirchenkompassprozess. Hier ist im Hören auf die Botschaft der Bibel die Auftragsperspektive beschrieben, die für alle weiteren kirchlichen Leitungsentscheidungen grundlegend ist.

Selbst wenn wir die Kirche als Institution wegen ihrer hohen Verlässlichkeit schätzen gelernt haben, so dürfte spätestens seit dem Impulspapier der EKD und dem Zukunftskongress von Wittenberg klar geworden sein, dass Kirche eben auch als lernende Organisation gestaltet werden muss. Ganz anschaulich und zutreffend wählt Hauschildt an dieser Stelle das Bild eines Hybridmotors, der sich nicht auf eine Kraft alleine verlässt; Kirche muss als Hybrid aus Institution und Organisation verstanden werden, in dem nicht die Veränderung der Begründung bedarf, sondern die Beharrung auf dem status quo. Das ist der eigentliche „Paradigmenwechsel“, das, was uns wirklich zum Umdenken und zum Aufbrechen aus gewohnten Denkweisen herausfordert: Es muss nicht begründet werden, wenn etwas verändert werden soll, sondern im Gegenteil wenn alles beim Alten bleibt. (...)

Kirche muss ihren Organisationscharakter ausbauen, nicht als Alternative, sondern als sachgerechte Ergänzung zu ihrem Institutionscharakter. Um es mit Eberhard Hauschildt zu sagen: „Wir brauchen nicht entweder Theologie oder Zahlen, sondern Theologie und Zahlen, durch Zahlen informierte Theologie und theologisch gewichtete Zahlen.“ (...)

II. Die Organisationswerdung der Kirche geschieht nicht nur in Baden: Der Reformprozess der EKD
Bevor ich auf die Situation in unserer Landeskirche zu sprechen komme, will ich - anknüpfend an meinen letztjährigen Bericht zur Lage - kurz skizzieren, wie unter dem Aspekt der Organisationswerdung von Kirche der Reformprozess in der EKD vorangekommen ist. Ich will aufzeigen, wie es gelungen ist, (1.) die vorrangig zu bearbeitenden Themen zu identifizieren und die Zuständigkeit für deren Bearbeitung zu klären, (2.) die personellen Ressourcen für die Fortführung des Prozesses festzulegen und die notwendigen Maßnahmen für eine wirksame Steuerung zu ergreifen sowie (3.) ein Zeitfenster für den Abschluss erster Reformvorhaben zu definieren. Mit alledem folgt die EKD in dem von ihr initiierten Reformprozess einer Logik der Organisation. (...)

Zum anderen entstand ein „Schaufenster der Reformen in den Gliedkirchen“. So ist ein erster Schritt getan, die in den Landeskirchen vorhandenen Reformthemen so zu kommunizieren, dass es zu gegenseitiger Unterstützung kommen kann. Mit der Bekanntmachung gliedkirchlicher Botschafter- und Kundschafterthemen ist die Verabredung von Kooperationen ermöglicht und erleichtert. Nun ist es an den Landeskirchen, in eigenen Zuständigkeiten oder in Kooperation mit anderen Gliedkirchen Themen des Reformprozesses weiter voranzubringen.
Damit ist auch geklärt, für welche Themenstellungen im Reformprozess die Zuständigkeit ausschließlich bei den Gliedkirchen liegt und für welche eine spezifische EKD-Zuständigkeit besteht. So gelang es, sich auf drei Themenstellungen zu verständigen, die seitens der EKD weiter bearbeitet werden sollen, da sie nur in der Gemeinschaft aller Gliedkirchen vorangebracht werden können:

A. Qualitätsentwicklung (speziell in Gottesdienst und Kasualien): Hier besteht in allen Gliedkirchen ein Reformbedarf. (...)
B. Missionarischer Aufbruch in Gemeinde und Region: Unter diesem Thema sollen die Chancen der Beheimatung in Parochien und Regionen verbessert werden. Der Bezug zu unserem zweiten Leitbild ist evident.
C. Leitung und Führung auf allen kirchlichen Ebenen: Mit der Identifizierung dieses Themas trägt die EKD der Organisationswerdung von Kirche selbst Rechnung, denn - wie schon gesagt - ohne Führungs- und Leitungskompetenz bei kirchlich Verantwor-tung Tragenden gibt es keine Organisationsentwicklung. (...)

Inzwischen ist auch geklärt, mit welchen personellen Ressourcen und Kompetenzen die EKD den Reformprozess weiter lenkt. In Absprache aller kirchenleitenden Gremien auf EKD-Ebene wurde eine Steuerungsgruppe eingesetzt, der Mitglieder des Rates, der Kirchenkonferenz und der Synode angehören. Sie hat die Aufgabe, den weiteren Fortgang des Reformprozesses wirksam zu steuern. Ferner wurde im Kirchenamt der EKD ein Projektbüro eingerichtet,(...)

Schließlich wird für den Reformprozess ein Zeitfenster vorgegeben, das durch zwei große Maßnahmen eingerahmt wird. Zum einen wird die für den 24. bis 26. September 2009 in Kassel geplante „Zukunftswerkstatt für Multiplikatoren“ ein Meilenstein sein. (...)

III. Die Organisationswerdung der Kirche badisch verstanden: Der Paradigmenwechsel kirchenleitenden Handelns in der Evangelischen Landeskirche in Baden

1. Gestaltungsspielräume schaffen
Zunächst einmal haben wir bezüglich einer Kernkompetenz der Landessynode neue Wege beschritten, nämlich hinsichtlich ihrer Haushaltshoheit. In der Vergangenheit bildete der von der Synode verabschiedete Haushalt unserer Landeskirche die langfristig eingegangenen Verpflichtungen ab, die sich vor allem in Stellenplänen und daraus resultierenden Personalkosten darstellten. Mit den Konsolidierungsmaßnahmen der letzten Jahre haben wir diese dauerhaften Verpflichtungen nachhaltig reduziert - das war oft schmerzhaft. Die Folgen sind vielerorts noch deutlich spürbar und es sind -gerade auch in unseren Gemeinden und Kirchenbezirken - die Ehrenamtlichen, die nicht nur maßgeblich an Umstrukturierungen mitwirken, sondern auch vieles auffangen, was den Einsparungen zum Opfer fiel. Dennoch waren diese Einsparungen unbedingt notwendig, wie allein schon ein Blick auf die demographische Entwicklung beweist. Und wir haben mit dieser Haushaltskonsolidierung zugleich Gestaltungsspielräume geschaffen, die wir nun kurz- und mittelfristig nutzen, ohne uns langfristig zu binden. Mit diesem Paradigmenwechsel leisten wir einen wesentlichen Beitrag zu einer wirksamen Generationengerechtigkeit, denn den nach uns Kommenden werden nicht Lasten auferlegt, die sie nicht tragen können. Mit dem Einstieg in eine mehr projekt-orientierte Haushaltsplanung schaffen wir Spielräume der Haushaltsgestaltung, denn Projekte binden künftige Generationen nicht. Natürlich muss eine kluge Balance zwischen langfristigen Bindungen und der Finanzierung eher kurzfristiger Projekte gefunden werden. (...)

2. Ziele formulieren
Gestaltungsräume müssen inhaltlich qualifiziert ausgefüllt werden. Darum haben wir aufgrund der Leitbilder strategische Ziele (Schwerpunktziele) formuliert. (...)
Diese Zielformulierungen waren kein Glasperlenspiel, sondern sie dienen der Profilierung kirchlicher Arbeit vor Ort. Sie dienen dazu, dass „Zahlen theologisch gewichtet“ bzw. die zur Verfügung stehenden Mittel theologisch verantwortet ausgegeben werden. Dabei hat die Landessynode den Mut gefunden, sich aus vielen verfolgenswerten Zielen auf einige wenige zu verständigen, die mit besonderem Nachdruck angegangen werden sollen.(...)

Mit dieser Planungsarbeit, welche die Überprüfbarkeit der Zielerreichung ebenso einschließt wie die Rechenschaft über die notwendigen Ressourcen, folgen wir einer Organisationslogik, die uns auskunftsfähiger macht über die Schwerpunktsetzung kirchlicher Arbeit und ihre theologische wie ökonomische Begründung.(...)

3. Projekte entwickeln
Wie die Ihnen vorgelegten Kirchenkompassprojekte im Sinne der dargestellten Organisationslogik Spielräume für die kirchliche Arbeit vor Ort schaffen bzw. erweitern sollen, will ich Ihnen nun abschließend verdeutlichen. Dabei setze ich die strategischen Ziele der Landessynode in Beziehung zu den Kirchenkompassprojekten, über deren Durchführung und Finanzierung Sie während dieser Tagung der Landessynode zu entscheiden haben.

A. Die Evangelische Landeskirche in Baden ermutigt dazu, gern und überzeugend vom Glauben zu sprechen.
Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir im Evangelischen Oberkirchenrat eine Reihe von Maßnahmen entwickelt, die der Förderung eines kirchlichen Berufsverständnisses und der Professionalisierung der Mitarbeiterschaft dienen, der Stärkung der Kompetenz derer, die im Verkündigungsdienst stehen, sowie der Qualitätssteigerung gottesdienstlichen Handelns. (...)

B. Zur Vertiefung des Wissens über den christlichen Glauben richtet die Evangelische Landeskirche in Baden ihr Bildungsangebot neu aus.
(...) Ferner liegt Ihnen das Projekt „Gründung und Weiterentwicklung von zwei Evangelischen Schulen“ vor. Unbestritten sind in einer Zeit, die von Wertewandel und nachlassender Bildungskraft der Kirchengemeinden geprägt ist, evangelische Schulen zentrale Orte kirchlicher Sozialisation. In zwei neuen Schulen ein evangelisches Bildungsverständnis exemplarisch zu realisieren, wäre ein wirksamer Beitrag zur Neuausrichtung des Bildungsangebots unserer Landeskirche.

C. Die Evangelische Landeskirche in Baden richtet ihr Augenmerk besonders auf Menschen in seelischer und materieller Not. In der diakonischen Arbeit wird der gemeinsame christliche Auftrag der Gemeinden und der diakonischen Einrichtungen deutlich erkennbar.
(...) Vielmehr richten wir hier unser Augenmerk vorrangig darauf, Kirchengemeinden und -bezirke zu unterstützen, die sich konkreter gesellschaftlicher Probleme annehmen. Auf dieser Linie liegen auch die beiden vorgelegten Projekte: Sie haben ihren gemeinsamen Bezugspunkt in der Qualifizierung und Unterstützung seelsorger-licher bzw. diakonischer Arbeit vor Ort. (...)

D. In der Evangelischen Landeskirche in Baden arbeiten Ehrenamtliche und Hauptamtliche vertrauensvoll zusammen. Sie tun dies zielgerichtet, wertschätzend und effektiv. Sie kennen ihre gemeinsame Verantwortung und ihre jeweiligen Zuständigkeiten. Konflikte werden als Chance begriffen.
Der Förderung des Miteinanders von Ehren- und Hauptamtlichen dienen zahlreiche Maßnahmen, die im Evangelischen Oberkirchenrat im Rahmen des Kirchenkompassprozesses entwickelt wurden. Alle Referate werden in den kommenden Jahren in der Förderung des Ehrenamts besondere Schwerpunkte setzen. Das vorgelegte Projekt „Gemeinde leiten und entwickeln mit dem Kirchenkompass“ zielt auf eine veränderte Leitungskultur auf Bezirks- und Gemeindeebene. Nach evangelischem Kirchenverständnis wird die Übernahme von Leitungsverantwortung immer im Miteinander von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen wahrgenommen, beruht also auf der reformatorischen Auffassung vom Priestertum aller Getauften.(...)

E. Die Evangelische Landeskirche in Baden sucht den lebendigen Dialog mit Menschen anderer Kulturen und Religionen.
Zu diesem Ziel wird der Evangelische Oberkirchenrat in seiner alltäglichen Arbeit nur indirekt Beiträge leisten können. Umso wichtiger ist es, dass wir dieses Ziel durch zwei vorgelegte basisnahe Projekte umzusetzen versuchen: Beide Projekte verbindet dieselbe Zielsetzung, nämlich der Erwerb interkultureller Kompetenz bei Haupt- und Ehrenamtlichen. (...)

F. Durch ihre Verkündigung und in ihren verschiedenen Arbeitsfeldern nimmt die Evangelische Landeskirche in Baden Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen wahr und bringt ihnen die christliche Botschaft einladend nahe.
(...) Wohl aber ersehen Sie aus der Ihnen vorliegenden Übersicht, auf welch vielfältige Weise im Evangelischen Oberkirchenrat Maßnahmen ergriffen werden, um die Qualität gottesdienstlicher Angebote für Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zu steigern. Unter anderem haben wir zeitlich befristet im Umfang eines halben Deputats einen Dienstauftrag für planmäßiges „Gottesdienst-Coaching“ erteilt, also für eine Art gottesdienstlicher Qualitätsverbesserung durch Gottesdienstbesuch mit qualifiziertem Feedback zum liturgischen Verhalten. (...)

Sechs strategische Ziele. Viele Ideen, sie zu erreichen. Sie zu entwickeln, hat in den zurückliegenden Monaten viel Kraft gekostet, aber auch viel Freude bereitet und Motivation ausgelöst. Und es hat jetzt schon zu einer Veränderung der Arbeitskultur im Evangelischen Oberkirchenrat geführt. Es ist hoffentlich deutlich geworden, dass die vorgelegten Kirchenkompassprojekte nicht losgelöst betrachtet werden dürfen von all den Maßnahmen, die im Evangelischen Oberkirchenrat angedacht oder bereits in Angriff genommen wurden. Und sie dürfen nicht losgelöst betrachtet werden von dem Prozess, den der Kirchenkompass mit voranbringt, dem Prozess der Organisationswerdung der badischen Landeskirche. Was das hierfür notwendige gemeinsame kirchenleitende Handeln der vier Leitungsorgane unserer Kirche angeht, so üben wir noch. Ich denke aber, dass die acht vom Evangelischen Oberkirchenrat vorgelegten Kirchenkompassprojekte dem Rechnung tragen, was die Landessynode mit der Formulierung strategischer Ziele vorgegeben hat. Die Landessynode hat sich mit diesen sechs Schwerpunktzielen so langfristig bedeutende Ziele gesetzt, dass sie in keinem Fall mit nur einem einzelnen Projekt oder einer Einzelmaßnahme zu erreichen sind. Jedes der vorgeschlagenen Vorhaben versteht sich daher als ein Schritt auf dem Weg zur Umsetzung dieser großen Schwerpunktziele, auf dem wir noch einige Jahre unterwegs sein werden. Alle diese Projekte und Maßnahmen wollen einen wirksamen Beitrag zur Verstärkung und Profilierung der kirchlichen Arbeit vor Ort leisten. So wollen wir mit Ihnen zusammen in unserer Kirche an dem arbeiten, was eine Organisation auszeichnet: klares Programm, eindeutige Ziele und Einsatz materieller und personeller Ressourcen zur Erreichung dieser Ziele. (...)