Herbsttagung 2009 der Landessynode

 

18.-22. Oktober in Bad Herrenalb

Eröffnungsgottesdienst

Eröffnungsgottesdienst

Auf der Herbsttagung 2009 beschlossen die 72 Synodalen den Doppelhaushalt der Jahre 2010 und 2011, verabschiedeten einen Bildungsgesamtplan, brachten drei Projekte für die Arbeit mit Jugendlichen auf den Weg und verstärkten mit einer weiteren Investition den Beitrag der Landeskirche zum Klimaschutz. Zudem informierte sich die Synode über die Aktivitäten der Landeskirche im Melanchthonjahr 2010.

Vorschau auf die Synodentagung mit Zeitplan:

     

    Sonntag, 18. Oktober

     

    Eröffnungsgottesdienst, Festakt anlässlich des 30jährigen Bestehens der Arbeitsrechtlichen Kommission

    Landesbischof Ulrich Fischer

    Landesbischof Ulrich Fischer
    im Eröffnungsgottesdienst



    ARK-Jubiläum

    Gregor Thüsing, der Vorsitzende der ARK
    Wolfgang Lenßen, Synodalpräsidentin Margit
    Fleckestein, OKR Gerhard Vicktor

    Eröffnungsgottesdienst

    Wenn sich die Landessynodalen in diesen Tagen mit dem Haushalt der nächsten beiden Jahre beschäftigen, dann sei dies kein bloßes ökonomisches Handeln bekräftigte die Präsidentin der Landessynode, Justizrätin Margit Fleckenstein, im Eröffnungsgottesdiest.
    „Das Vermögen der Kirche dient der Verkündigung“, so Fleckenstein. Der Auftrag der Kirche und ihre Organisation dürften nicht auseinander dividiert werden.

    30 Jahre ARK

    Dass geistlicher Auftrag und weltliche Ordnung nicht voneinander getrennt werden dürften, unterstrich auch Landesbischof Ulrich Fischer in seiner Predigt. „Die mühsam errungene Freiheit der Kirche besteht gerade darin, dass sie einerseits die geistliche Freiheit in der Verkündigung des Evangeliums lebt, andrerseits aber gerade auch in der Gestaltung ihres Arbeitsrechts, also in einer höchst irdischen Angelegenheit, die Freiheit bewahrt“, so der Bischof. Die Botschaft und die Ordnung einer Kirche seien stets aufeinander bezogen. Dafür sei auch die Arbeitsrechtliche Kommission ein Symbol.

    Die ARK vereinbart die Rahmenbedingungen für die kirchlichen und diakonischen Beschäftigten und hat dadurch eine ähnliche Funktion wie Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften gemeinsam (so genannter Dritter Weg).

    Gregor Thüsing, Arbeitsrechtler an der Universität Bonn, sah in seinem Festvortrag den Dritten Weg für die mehr als 1,4 Millionen Arbeitnehmer der Kirchen in Deutschland als stabil und zukunftsträchtig an. 
    „Die Kirchen beschäftigen diese Menschen, um ihren Heilsauftrag in dieser Welt zu verwirklichen“, so Thüsing. „Der Lackmustest, den jede Regelung des kirchlichen Arbeitsrechtes zu bestehen hat, ist damit die Antwort auf die Frage, ob es dem Schutz dieser kirchlichen Dienstgemeinschaft dient, ob es hilft, den Geist christlicher Nächstenliebe und Verkündigung nicht nur in der Tätigkeit selbst, sondern auch ihrer arbeitsrechtlicher Ordnung wahrnehmbar werden zu lassen“, sagte Thüsing. Das selbst geregelte kirchliche Arbeitsrecht sei verfassungsrechtlich geschützt. Das kirchliche Arbeitsrecht sei ein bewährter Weg, den es weiterzugehen gelte.

    Ausführlicher Bericht und die Predigt von Landesbischof Ulrich Fischer im Wortlaut:

       

      Montag, 19. Oktober

       

      1. Plenarsitzung: Doppelhaushalt 2010/2011, Berichte

      Barbara Bauer

      Finanzreferentin Barbara Bauer
      führte in den Doppelhaushalt ein



      Martin Schneider

      Pfarrer Martin Schneider erläuterte das
      Programm des Melanchthonsjahres 2010

      1. Plenarsitzung: Doppelhaushalt

      Trotz der Wirtschaftskrise kann die Evangelische Landeskirche in Baden den rund 330 Millionen Euro jährlich umfassenden Haushalt für die beiden nächsten Jahre ohne Kürzungen verabschieden.

      In den beiden nächsten Jahren rechnet die Finanzreferentin der Landeskirche, Oberkirchenrätin Barbara Bauer, mit einem Rückgang der Kirchensteuern um 13 Prozent auf 224 Millionen Euro im Jahr. Doch sei dieses Finanzvolumen dennoch beachtlich. Immerhin sei lediglich die Hälfte der 1,3 Millionen Kirchenmitglieder im erwerbsfähigen Alter. Und wiederum nur etwa 75 Prozent zahlten tatsächlich Kirchensteuern, pro Kopf 474 Euro im Jahr, erläuterte die Finanzreferentin. „Dafür können wir allen, die ihren Beitrag erbracht haben, nur hoch dankbar sein“, sagte Bauer unter Beifall der Synode.

      Perspektivisch müsse sich die Landeskirche auf eine weiter sinkende Finanzkraft einstellen. Strukturell müsse geprüft werden, welche Aufgaben besser zentral und welche dezentral verwirklicht werden könnten. „Schließlich müssen wir Investitionen ermöglichen, die nachhaltige Wirkungen in die Zukunft unserer kirchlichen Arbeit entfalten“, so Bauer.

      Melanchthonjahr 2010

      Am Vormittag wurde im Haus der Kirche eine Wanderausstellung über die europäische Bedeutung des Reformators Philipp Melanchthons eröffnet. Der Studienleiter an der Europäischen Melanchthonakademie, Pfarrer Martin Schneider, erläuterte das Programm des Melanchthonjahres 2010, das im Rahmen der Reformationsdekade der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) begangen wird.

      Bericht über die Vollversammlung der Konferenz europäischer Kirchen

      Über die Vollversammlung der Konferenz europäischer Kirchen (KEK) in Lyon im Juli dieses Jahres berichteten Pfarrerin Monika Lehmann-Etzelmüller und Dekan Günter Ihle. Die beiden badischen Delegierten kritisierten deutlich die derzeitige Struktur und den Zustand der europäischen kirchlichen Organisation. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) habe ein Konzept zur strukturellen Verbesserung und Effizienz der KEK vorgelegt, über das nun beraten werde.

      Ausführlicher Bericht:

         

        Dienstag, 20. Oktober

         

        Ausschusssitzungen, Vortrag zu Philipp Melanchthon

        Konrad Fischer

        Konrad Fischer referierte über
        "Frömmigkeit, Bildung und
        Religionsverantwortung im Werk
        Philipp Melanchthons"

        „Im Werk Philipp Melanchthons verbinden sich aufs engste persönliche Frömmigkeit und der Öffentlichkeitsanspruch des Evangeliums“, sagte der ehemalige Studienleiter der Melanchthonakademie Bretten, Pfarrer Konrad Fischer in einem Vortrag vor der Landessynode.

        Frömmigkeit sei das Erkennen des Wirkens Gottes in den Menschen, „wie der Heilige Geist den Gemütsregungen eine Stoßrichtung gibt“, zitierte Fischer den Reformator. Grundlage aller Frömmigkeit sei die Vergebung der Sünden durch Jesus Christus. Melanchthon habe selbst viel über der Bibel meditiert und dazu auch seine Studenten angehalten. Im persönlichen Leben zeige sich die Frömmigkeit als Trost und Zuversicht, die selbst in schwierigen Lebenslagen neue Horizonte eröffneten. Und zur Frömmigkeit gehörten nach Melanchthon ebenso die Lehre und die theologische Wissenschaft.

        In diesen Horizont lasse sich auch das Bildungsverständnis von Philipp Melanchthon einordnen. „Melanchthon versteht beides als Ziele des Lebens, auf die alles andere hinzuordnen ist“, erläuterte Fischer. Daher sei Melanchthons Bemühen um eine neue Schulordnung aus seiner Frömmigkeit heraus entstanden. Bildungsbereitschaft und Bildungsvollzug seien zentrale Lebensäußerungen der Frömmigkeit. 

        Ausführlicher Bericht und der Vortrag im Wortlaut:

         

         

        Mittwoch, 21. Oktober

         

        Ausschusssitzungen, 2. Plenarsitzung

        Weitere Investition in den Klimaschutz

        In den vergangenen fünf Jahren haben 80 Kirchengemeinden das Umweltmanagement Grüner Gockel eingeführt. Der CO2-Ausstoß konnte in diesen Gemeinden um 26 Prozent verringert werden. Eine Bilanz in 15 Gemeinden hat ergeben, dass dort in letzten beiden Jahren 17 Prozent Heizenergie und fünf Prozent Strom eingespart werden konnten.
        Diese positive Bilanz sieht die Landessynode aber nur als ein Zwischenergebnis an. Das Klimaschutzkonzept der Landeskirche, mit dem insgesamt bis zum Jahr 2020 die CO2-Emissionen um rund 45 Prozent reduziert werden sollen, beläuft sich auf Kosten von insgesamt 45 Millionen Euro. Um die Finanzierung des Konzeptes endgültig zu sichern, hat die Landessynode weitere 1,45 Millionen Euro dafür bereitgestellt.

        Neuer Kirchenbezirk Markgräflerland

        Der neue Kirchenbezirk „Markgräflerland“ in Südbaden mit insgesamt 82.000 Evangelischen wird gebildet aus den bisherigen Kirchenbezirken Lörrach und Schopfheim. Durch die Landessynode wurde die Fusion nun besiegelt.

        Bildungsgesamtplan

        Nach der zweiten Lesung wurde der Bildungsgesamtplan der Evangelischen Landeskirche in Baden durch die Landessynode verabschiedet.
        „Damit unsere Landeskirche in den nächsten Jahren in Sachen Bildung kompetent handeln kann, muss sie wissen, was sie angesichts der Herausforderungen unserer Zeit in Sachen Bildung tun will und kann“, sagte Bildungsreferent Professor Christoph Schneider-Harpprecht. Der Bildungsgesamtplan lege eine Konzeption evangelischer Bildung vor und umfasse strategische Planungen und Ziele für die kommenden Jahre, so Schneider-Harpprecht.

        Pensionseinstieg für Pfarrer

        Als erste Landeskirche in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat die badische Landeskirche die Pensionsgrenze für Pfarrerinnen und Pfarrer auf 67 Jahre angehoben.
        In den letzten Jahren erfolgt der Einstieg junger Menschen in das Berufsleben als Pfarrer oft erst spät. „Viele würden nach den bisherigen Regelungen den Höchstsatz für das Ruhegehalt gar nicht mehr erreichen“, erläuterte der Personalreferent der Landeskirche, Oberkirchenrat Gerhard Vicktor, die Absicht der Veränderung des Pfarrdienstgesetzes. Um eine bessere Versorgung zu erreichen, hat die Landessynode nun die Pensionsgrenze der Pfarrer angehoben.

        Ausführliche Berichte:

           

          Donnerstag, 22. Oktober

           

          3. Plenarsitzung, Einführung von OKR Dr. Kreplin

          Die Landessynode hat den Doppelhaushalt für die Jahre 2010 und 2011 im Umfang von rund 330 Millionen Euro beschlossen. Die Aufstellung des Haushaltes sei nicht leicht gewesen. „Die Finanz- und Wirtschaftsentwicklung hat sich im letzten Jahr so dramatisch verschlechtert, dass immer wieder neue Schätzungen für das Kirchensteueraufkommen vorzunehmen und die Ergebnisse in die Planung einzuarbeiten waren“, sagte Ekke-Heiko Steinberg (Baden-Baden), Vorsitzender des Finanzausschusses. Trotzdem könne der Haushalt durch verantwortbare Entnahmen aus den Rücklagen wie geplant umgesetzt werden. Lediglich schon geplante Mittel für außerordentliche Vorhaben und Projekte in Höhe von fünf Millionen Euro werden gesperrt.

          Projekte mit Jugendlichen

          Für drei Projekte mit Jugendlichen hat die Landessynode Mittel in Höhe von 1,1 Millionen Euro bewilligt. Das Projekt „Kooperation Jugendarbeit und Schule“ soll sich den veränderten Bedingungen an Schulen annehmen. „Jugendarbeit muss auf die Orte zugehen, an denen Jugendliche als Schüler die meiste Zeit verbringen“, sagte Pfarrer Michael Dahlinger (Hockenheim), Mitglied des Bildungs- und Diakonieausschusses in seinem Bericht über die Beratungen.
          Unter dem Titel „Jugendkirchen in Kirchenbezirken“ soll ein weiteres Projekt jugendnahe geistliche und jugendkulturelle Angebote entwickeln. „Jugendkirchen sind derzeit in Deutschland ein konfessionsübergreifend bedeutendes Thema“, so Landesjugendpfarrer Thomas Schalla
          Statistisch gesehen sind im Umfeld jeder badischen Kirchengemeinde etwa 153 Erwachsene in psychiatrischer Behandlung. Für die Not der Familienangehörigen – insbesondere für die Kinder Betroffener – gebe es kaum Hilfsangebote, berichtete Professorin Renate Kirchhoff (Freiburg), Mitglied des Bildungs- und Diakonieausschusses. Das Projekt „Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit psychisch erkrankten Familienangehörigen“ wende sich jenen „vergessenen Kindern“ zu. Als Projekt mit Modellcharakter sollen an fünf Orten mit unterschiedlichen regionalen Bedingungen spezifische Vorortprojekte durchgeführt werden..

          Ökumene in Baden lässt sich nicht erschüttern

          „Die guten ökumenischen Beziehungen in Baden können auch Irritationen nicht erschüttern“, sagte Domkapitular Klaus Stadel, Ökumenereferent der Erzdiözese Freiburg vor der Synode. Er dankte Landesbischof Ulrich Fischer und der Landessynode für die klare Stellungnahme gegen ein Papier aus dem Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das in den letzten Wochen für Irritationen gesorgt hatte. „Auf dem eingeschlagenen Weg gehen wir unbeirrt weiter, weil der Geist Gottes uns die Kraft gibt, über Stolpersteinen hinwegzugehen“, so Stadel.

          Einführung von Matthias Kreplin als Leiter von Referat 3

          Zum Abschluss der Synodentagung wurde in einem Gottesdienst in der Stadtkirche in Karlsruhe-Durlach Oberkirchenrat Matthias Kreplin in sein Amt eingeführt. Er leitet künftig das Referat „Verkündigung, Gemeinde und Gesellschaft“. Sein Vorgänger, Oberkirchenrat Michael Nüchtern, musste dieses Amt aus gesundheitlichen Gründen abgeben und ist nun Theologischer Referent für Grundsatzfragen..

          Ausführliche Berichte:

             

            Protokoll der Herbsttagung

             

             

            Aktuelles

            Vom 23. bis 27. Oktober 2011 findet die Herbsttagung der Landessynode statt.  Die aktuelle Berichterstattung finden Sie unter Tagungen und Termine.