Ergebnisse der Herbsttagung 2002 der Landessynode

 

20.-24. Oktober 2002 in Bad Herrenalb

Margit Fleckenstein zur Präsidentin wiedergewählt
Es war ein überwältigendes Ergebnis: 71 der 74 abgegebenen Stimmen fielen auf die bisherige und künftige Präsidentin der Landessynode Margit Fleckenstein, die damit für weitere sechs Jahre das höchste ehrenamtliche Amt der Landeskirche innehat.

Die Mannheimerin Fleckenstein gehört der Landessynode bereits seit zehn Jahren an. Seit fast zwanzig Jahren ist sie in leitenden Funktionen ehrenamtlich in der Kirche tätig, seit November 1997 ist sie auch im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Fleckenstein wuchs in Mannheim auf und ging dort zur Schule. Sie arbeitet seit über dreißig Jahren als freie Rechtsanwältin. Das hohe Wahlergebnis wertete Landesbischof Ulrich Fischer als Zeichen ihrer "hervorragenden Arbeit in den letzten sechs Jahren".

Ihr zur Seite steht wie in der letzten Amtsperiode die 60 Jahre alte Realschullehrerin Gerrit Schmidt-Dreher aus Steinen (Kirchenbezirk Schopfheim). Auf sie fielen 62 Stimmen. Die ebenfalls in hohem Maße ehrenamtlich engagierte Schmidt-Dreher ist seit zwölf Jahren in der Landessynode und steht seit kurzem als Vorsitzende der Bezirkssynode des Kirchenbezirkes Schopfheim vor. Neu im Präsidium ist der Konstanzer Schuldekan Volker Fritz (51), der mit 59 Stimmen auf den aus der Landessynode ausgeschiedenen Ettlinger Pfarrer Dr. Volker Pitzer folgt.

"Spendenflut" aus der Landeskirche
Mit 1,45 Millionen Euro beteiligt sich die Landeskirche an der von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beschlossenen Hilfe bei der Flutkatastrophe in den östlichen Bundesländern von insgesamt 30 Millionen Euro, mit denen vor allem die entstandenen Schäden an kirchlichen Gebäuden behoben werden sollen. Dem nach dem Umlageschlüssel errechneten Anteil der Landeskirche stimmte die Synode ohne Gegenstimme zu. Die Landeskirche wird die Summe aus ihren Rücklagen finanzieren.

Oberkirchenrat Johannes Stockmeier konnte ein sensationelles Ergebnis vermelden: Mit einem Gesamtspendenbetrag von knapp 810.000 Euro hat die Landeskirche in Baden das höchste Pro-Kopf-Spendenergebnis der Evangelischen Kirche in Deutschland erreicht. Insgesamt sind bei der Katastrophenhilfe des Diakonischen Werkes der EKD mehr als 50 Millionen Euro eingegangen, im Bereich des Diakonischen Werkes Württemberg 1,1 Millionen Euro.

Ein paar Beispiele verdeutlichten, wie hoch das Ausmaß der Schäden ist: allein im Diakonissenkrankenhaus in Dresden ist ein Gesamtschaden von 3.270.000 Euro entstanden, ein Kindergarten in Döbeln muss einen Schaden von 800.000 Euro ausgleichen. Das erste Nothilfeprogramm (Bereitstellung von Notunterkünften, Versorgung von Evakuierten etc.) ist bereits beendet, hier wurden 800.000 Euro aufgewendet. Für die Instandsetzung von Häusern und Wohnungen können an einzelne Haushalte 5.000 Euro ausgezahlt werden, bei völliger Zerstörung werden bis zu 50.000 Euro zugeteilt. Die Spenden werden vom Diakonischen Werk Sachsen verwaltet und ausgezahlt.

Er bedankte sich herzlich für diese hohe Spendenbereitschaft und das große Engagement. 4.470 Spendeneingänge waren zu verzeichnen, davon 484 Kirchengemeinden und rund 4.000 Einzelspender. Dass darunter 3.500 Erstspender seien, freue ihn besonders. Zahlreiche Firmen und diakonische Einrichtungen haben gespendet, aus der Elfenbeinküste ging eine Einzelspende in der Höhe von 20.000 Euro ein. Die Verwaltung der Spenden sei durch die manuelle Verbuchung sehr zeitaufwendig, doch fiele beim Diakonischen Werk in Baden kein Abzug von Verwaltungskosten an, damit gingen die Spenden in voller Höhe den Opfern zu.

Diskussion um Ordinationsverständnis nötig
Landesbischof Ulrich Fischer stellte der Synode seine jetzt erscheinende Schrift über das Ordinationsverständnis vor, die er "ohne den doppelten Boden der kollegialen Beratung" verfasst habe. Er geht darin auf das Bischofsamt ein und stellt weitere Überlegungen für die Bedeutung von Nichttheologen für das Predigtamt an. Fischer will damit zu einer Diskussion über das kirchliche Amt und das Verständnis des Priestertums aller Gläubigen anregen. Er hoffe, dass vor allem in den Pfarrkollegien seine Schrift besprochen würde und will gerne an den Diskussionen vor Ort teilnehmen.

Handreichung für Abendmahl mit Kindern
Ein 25 Jahre langer Prozess hat nun einen Abschluss gefunden. Auf der Herbsttagung 2001 hatte die Landessynode den Beschluss gefasst, Kinder zum Abendmahl frühzeitig heranzuführen und sie nicht erst mit 14 Jahren am Abendmahl teilnehmen zu lassen. Der Evangelische Oberkirchenrat hat eine Handreichung erstellt, wie Kinder darauf vorbereitet werden können und wie das gemeinsame Abendmahl gestaltet werden kann. Oberkirchenrat Michael Nüchtern hoffte, dass die Handreichung Lust mache auf eine kinderfreundliche Gemeinde, lebendige Gottesdienste und die "Schätze des Abendmahls für eine evangelische Spiritualität zu entdecken".

"Spendenabzug für Unternehmen erhalten!"
Entrüstet zeigte sich das neue Präsidium der Landessynode über die Pläne der Bundesregierung, künftig Unternehmen und Aktiengesellschaften die steuerliche Berücksichtigung von Spenden zu streichen. Für einzelne Kirchengemeinden und Diakoniestationen, die bereits jetzt Teile ihrer Arbeit nur mit Unternehmensspenden finanzieren könnten, habe diese geplante Maßnahme fatale Auswirkungen. Vor zwei Jahren hatte die Landeskirche eine Stelle für Fundraising und Sponsoring eingerichtet, gerade um die Beziehung zur Wirtschaft zu stärken. "Bei den Unternehmen werden wir dann in diesen Bemühungen deutlich weniger Erfolg haben", befürchtete Oberkirchenrätin Barbara Bauer, die Finanzreferentin der Landeskirche. An die Adresse der Bundesregierung richtete daher das neue Präsidium den deutlichen Appell, den Unternehmen künftig die steuerliche Abzugsfähigkeit von Spenden für kirchliche, kulturelle und gemeinnützige Zwecke zu erhalten. An die Bundestagsabgeordneten der badischen Wahlkreise sollten Kirchenbezirke und Gemeinden eine Resolution schicken. Ein entsprechender Entwurf ist beim Evang. Oberkirchenrat abrufbar.

Noch kein Pfarrermangel in Sicht
In den nächsten Jahren wird es in der Landeskirche keinen Mangel an Pfarrerinnen und Pfarrern geben, versicherte Oberkirchenrat Dieter Oloff. Die Zahl der Lehrvikarinnen und Lehrvikare am Petersstift schwankte immer wieder, der zur Zeit kleine Kurs mit drei badischen Teilnehmern sei noch lange nicht bedenklich, denn schon im Kommenden steige die Zahl auf 12. Für die Übernahme in den Pfarrdienst gebe es auch in den nächsten Jahren mehr Bewerber als Stellen. "Aber langfristig werden wir es sicherlich nötig haben, junge Menschen für das Theologiestudium zu begeistern", sagte Oloff, "denn die Zahlen der Studierenden gehen zurück." Das bedeute auch für die Landeskirche auf lange Sicht, dass es Engpässe in der Besetzung von Pfarrstellen geben könne. Zusammen mit fünf anderen Landeskirchen werbe daher die Landeskirche in Schulen mit einer gerade erschienenen Broschüre für das Theologiestudium.

"Evangelisch in Baden" – Werbebroschüre vorgestellt
Mit einer neuen Broschüre können Gemeinden künftig besser auf sich aufmerksam machen. Anhand der Leitsätze sind in den drei Abschnitten "was wir glauben, wer wir sind, was wir wollen" klassische Texte wie Psalm 23, das Vaterunser und die zehn Gebote zu finden neben Abschnitten zu Taufe, Hochzeit und Konfirmation, ein paar Zahlen – also ein buntes Spektrum an Information, das sich vor allem an Kirchenferne richtet. In der Broschüre können Gemeinden ihre Adresse einstempeln.

Mehr Transparenz für Kirchenbezirke
Um die Arbeit der Landessynode auch in den Kirchenbezirken anzubinden, lud die Präsidentin Vorsitzende von Bezirkssynoden zur Tagung der Landessynode ein. Ziel ist es, die Arbeit der Landessynode in den Bezirken transparenter zu machen und dadurch gemeinsam anstehende Themen ins Blickfeld nehmen zu können. Bei den künftigen Tagungen werden jeweils wechselnd drei Bezirkssynodenvorsitzende teilnehmen.

Novelle des KVHG verabschiedet
Da von der Synode das kirchliche Stiftungsgesetz neu gefasst und am 22. Oktober eine landeskirchliche Schulstiftung gegründet wurde, war eine Novelle der haushaltsrechtlichen Bestimmungen des KVHG notwendig. Darin wurde beispielsweise der Vermögensbegriff präzisiert, für Schenkungen wurden die Ordnungen der EKD übernommen. Der genaue Gesetzeswortlaut erscheint im nächsten GVBl.

Synode befürwortet Projekt "Vernetzung in der Landeskirche"
Mit nur einer Nein-Stimme und sechs Enthaltungen stimmte die Landessynode dem Projekt "Vernetzung in der Landeskirche" zu. Damit ist der Weg frei für die flächendeckende Kommunikationsvernetzung der Pfarrämter, Dienste und Einrichtungen der Landeskirche. Die einmalig anfallenden Kosten von 2,8 Millionen € entnimmt die Landeskirche aus ihren Rücklagen. Bei Kosten in dieser Höhe keine leichte Entscheidung, aber vor allem für die anfallenden laufenden Betriebskosten in Höhe bis zu 600.000 € werden Einsparungen nötig sein. Hier solle vor allem im Bereich der Verwaltung geprüft werden, wo man künftig sparen könne. Erleichtert über die Zustimmung der Landessynode zeigte sich Projektleiter Manfred Schwan: "Jetzt können wir nach der langen Vorarbeit richtig durchstarten." Insgesamt wirkten bislang 97 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende der Landeskirche am Vernetzungsprojekt neben ihrer regulären Tätigkeit mit. Das sorgfältig geplante und vorbereitete Projekt verläuft in mehreren Phasen.

     

    Aktuelles

    Vom 25. bis 28. April 2012 findet die Frühjahrstagung der Landessynode statt.  Den vorläufigen Zeitplan und die aktuelle Berichterstattung finden Sie unter Tagungen und Termine.