Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe 2
Workshop "Kirchenräume wahrnehmen und gestalten" am 11. und 12. März 2005 in Durlach
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Bildmontage Zugang
Variante 1
Variante 2
Lichtdecken-Modell
Protokoll der Gruppe 2, Verfasser Karim Scharabi netzwerkarchitekten
Workshop ‚Kirchenräume wahrnehmen und gestalten’
Nach einer Begehung des Gemeindezentrums und seiner Freianlagen und der gemeinsamen Diskussion im großen und im kleinen Kreis wurden drei Bereiche als Gegenstände möglicher gestalterischer bzw. organisatorischer Eingriffe formuliert.
In der Reihenfolge der Wahrnehmung eines ankommenden Besuchers sind dies:
- Der Zugang zum Gemeindezentrum
– Ziel ist die Verbesserung der Auffindbarkeit des Eingangs
- Die Organisation des Foyers
– Ziel ist eine klarere Struktur dieses Bereiches
- Die Einrichtung und Gestaltung des großen Saals
– Ziel ist das Erzeugen einer Raumatmosphäre, die der sakralen Nutzung des Raumes besser gerecht wird, ohne seine vielfältige Nutzbarkeit stark einzuschränken.
Die diskutierten Lösungsansätze wurden in Grundrissen und einem Modell dargestellt. Dabei sind verschiedene Ansätze teilweise nicht widerspruchfrei miteinander kombinierbar – es wird keine Integrative Lösung erarbeitet, die alle Probleme löst, vielmehr werden verschiedene Ansätze ausgehend von einer unterschiedlichen Prioritätensetzung nebeneinandergestellt.
Zunächst sind in einem ersten Bestandsgrundriss kritisch oder nachteilig angesehene Aspekte notiert.
Kritisch beurteilt wird die schlechte Auffindbarkeit des Gebäudezugangs. Zwar steht der Glockenturm weithin sichtbar auf der Nordseite der Anlage, auch ragt zu dieser Seite hin eine ‚Leitwand’ aus dem Gebäude, der von der Nordseite her kommende Besucher findet hier jedoch nicht den Eingang und kann nur anhand der sich über den das Gebäude westseitig flankierenden Weg spannenden Betonbalken ahnen, dass sich dort der Eingang befinden wird. Der Eingangsvorplatz selbst ist von einer unwirtlichen Atmosphäre geprägt. Die dem Eingang gegenüber liegenden Dienstwohnungen erklären sich dem Besucher nicht und stehen auch in keinem Dialog mit der Eingangssituation.
Das Foyer dient als Verteiler zu den angrenzenden Bereichen, jedoch erscheinen zunächst die geometrischen Bezüge etwas unklar, eine Vielzahl räumlicher Achsen trifft in etwas zufälliger Weise aufeinander. Die Oberflächen von Wänden, Boden und Decke sind verhältnismäßig dunkel. Das Foyer scheint übermöbliert, zudem ohne erkennbaren Gedanken hinsichtlich der Gestalt der Einrichtung.
Im großen Veranstaltungs/-Gottesdienstraum finden sich an Wand- und Boden die gleichen Oberflächen wie in den umliegenden Räumen des Foyers und der Flure. Sie erscheinen ebenso profan und ohne Tiefe wie die Möblierung. Hinzu kommt, dass im Bereich des oberen umlaufenden Fensterbandes und der Decke eine Vielzahl von Details erkennbar wird, die geradezu typisch für Verwaltungsgebäude und dgl. sind und eine entsprechende Ausstrahlung haben (Aluminiumfensterrahmen, elementierte abgehängte Decke, Einbauleuchten, Lüftungsgitter etc.).
In zwei Grundrissvarianten werden Lösungsansätze zur Gebäudeorganisation angeboten, im Modell wird die Möglichkeit der Verbesserung der Raumatmosphäre im großen Saal studiert.
Grundriss Variante 1:
In einer ersten Variante wird von der grundsätzlichen Beibehaltung der Eingangssituation ausgegangen und nur der Foyerbereich beruhigt und erweitert. Die Eingangsfassade wird nach außen verschoben, sodass der Garderobenbereich offen angeschlossen werden kann und ein größerer Raum entsteht. Ebenso wird der Clubraumbereich zum Foyer hin geöffnet, sodass auch zu dieser Seite ein spürbarer Bezug zum Außenraum entsteht, bzw. von außen den von dieser Seite Ankommenden sich ein Blick ins Foyer öffnet.
Dagegen wird der Flur zwischen kleinem und großem Raum hin gläsern abgeschlossen, sodass eine eindeutige Trennung zwischen Foyer und Saalbereich entsteht, die sich auch in einem Wechsel im Bodenbelag manifestieren sollte. Die Zugänge von außen ins Foyer und vom Foyer in den Saal werden in eine Achse gelegt. In die gleiche Richtung wird der Saal möbliert bzw. ausgerichtet. Die Podestfläche im Saal wird entfernt.
Für die oberen Wandflächen (Bereich Fensterband) wird ab Höhe des bestehenden umlaufenden Absatzes (Heizung) eine zweite innere transluzente Glasebene vorgeschlagen, die den direkten Blick auf die Fenster kaschiert und im Zwischenraum zur Außenfassade die Einrichtung von Kunstlicht ermöglicht, dass das Tageslicht gegebenenfalls (auch unmerklich) ergänzen oder ersetzen kann. Nach Entfernen der bestehenden Unterdecke könnte auch unter der Decke – an die seitlichen Lichtbänder anschließend – eine transluzente Glasebene eingerichtet werden, hinter der verschiedene Leuchtensysteme Platz finden können. Auf diese Weise wird eine differenzierte inszenierende Beleuchtung des Saales möglich ohne dass die Lichtquellen dem Besucher offenbar werden. Es entsteht durch Lichtdecke und Lichtband ein oberer Raumabschluss, der als ‚selbstleuchtende Fläche’ wahrgenommen wird und prinzipiell mit den traditionellen Fensterflächen eines Kirchenraumes verwandt ist.
Grundriss Variante 2:
In einer zweiten Variante wird die Zugangssituation grundlegend verändert: Der Eingang zum Foyer wird auf die Nordseite neben den Glockenturm gelegt, sodass der bisherige Clubraum entfällt. Um zum Saal zu gelangen wird nun eine 90-Gradwendung erforderlich. Die veränderte Geometrie des Foyers, dass nun unter Einbezug des westseitigen Außenbereiches ein ausgesprochen langes Querformat erhält, unterstützt diese Wendung. Die südliche Foyerwand wird zur Garderobe hin geschlossen, damit die Richtung der Ankommenden nicht in einem offenen Garderobenraum endet, sondern dort eine Leitwand entsteht. Das Foyer spannt sich nun zwischen dem Saal und dem vormaligen Eingangsvorplatz, der nun durch eine Staffel gläserner Türen zum Foyer geöffnet werden kann, und als Garten gestaltet zum Außenfoyer wird. So erhält dieser Bereich eine hohe Qualität und wird in Bezug zum Gemeindezentrum gestellt. Auch Passanten laufen durch diesen Bereich - somit wird die öffentliche Wahrnehmung der Veranstaltungen im Gemeindezentrum erhöht.
Die Ausrichtung des Saales bleibt in dieser Variante unverändert, jedoch wird das Podest des Altarbereichs um zwei Stufen abgesenkt.
Diese Ausrichtung ermöglicht es, dem Altarraum eine ‚neue Tiefe’ zu geben: Vor der südlichen Saalwand wird die Einrichtung einer Projektionsebene vorgeschlagen, die vom geöffneten Rückraum des gegenwärtig für Abstellzwecke genutzten Nebenraumes her inszenierend bespielt werden kann. Während die drei weiteren Wände des Saales im wesentlichen unverändert blieben, erhält die Wand hinter dem Altar eine uneindeutige Tiefe, die dem Raum sowohl eine Richtung wie auch ein Geheimnis gibt. Für die Behandlung von Lichtband und Decke gilt das in Variante 1 Beschriebene.
Modell:
Im Modell wird versucht, die beabsichtigte Wirkung von selbstleuchtenden, detailarmen Flächen im Sinne einer immateriellen Atmosphäre nachvollziehbar zu machen.
Soweit die Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse unserer Arbeitsgruppe.
Mit herzlichem Dank für die Einladung zum Workshop und freundlichen Grüßen,
K. Scharabi







