Wenn Flucht auf Mauern stößt
Veranstaltung der „Interkulturellen Woche“ war gut besucht
Im Rahmen der „Interkulturellen Woche“ berichteten drei Experten im Ökumenischen Bildungszentrum sanctclara über die Situation von Flüchtlingen an Europas Außengrenzen: Rechtsanwalt Berthold Münch aus Heidelberg, Josef Follmann, Fachreferent des Caritasverbandes der Erzdiözese Freiburg e.V,. und Jürgen Blechinger, Referent für Migration und Flüchtlinge des Diakonischen Werks Baden und Jurist beim Evangelischen Oberkirchenrat Karlsruhe zeigten auf, dass für viele Menschen die Flucht an Mauern endet.
Eindrücklich zeichnet Josef Follmann die Fluchtwege aus Afrika in Richtung Europa nach und beschreibt das Schicksal von Menschen, die zum Teil über Jahre unterwegs sind. Unter schwersten Bedingungen reisen Flüchtlinge durch die Länder und Wüsten Afrikas, um endlich einen der Häfen zu erreichen, von dem aus sie sich erhoffen, nach Europa zu gelangen.
Umweltzerstörung, die Zerstörung der wirtschaftlichen Lebensgrundlagen, Kriege und politische Verfolgung sind Gründe, warum sich Menschen unter größter Lebensgefahr auf den Weg machen - in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sich und auch für die häufig zurückgebliebenen Familien. Mit eindrücklichen Bildern schildert Jürgen Blechinger die Fluchtwege der Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisengebieten Asiens.
Am Ende dieser langen Reise befinden sich die Flüchtlinge, die es schaffen, mit Schiffen und einfachen Booten über das Mittelmehr zu kommen, in Flüchtlingslagern auf Lesbos oder Malta. Schockierend sind die Fotos: Menschen sind zusammengepfercht in ehemaligen Garagen oder Flugzeughallen, in Zeltstädten mit erbärmlichen sanitären Bedingungen. Unter ihnen befinden sich auch viele Kinder.
Die Mittelmeerstaaten sind mit der Situation überfordert, nicht zuletzt wegen der Regelungen im europäischen Asylrecht, nach denen der Staat für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist, in dem die Flüchtlinge zuerst ankommen, berichtet Rechtsanwalt Berthold Münch. Staaten wie die Bundesrepublik Deutschland oder Frankreich können die Flüchtlinge kaum noch erreichen, um dort Asyl zu beantragen. Diejenigen, die es schaffen, z.B. bis nach Deutschland zu kommen, werden sogar in die europäischen Staaten zurücküberstellt, aus denen sie eingereist sind. Dort, z.B. in Griechenland, ist es den Flüchtlingen jedoch teilweise unmöglich, einen Asylantrag zu stellen oder ein faires Asylverfahren zu durchlaufen. Herr Münch hofft sehr darauf, dass in einem - in Kürze anstehenden - Bundesverfassungsgerichtsurteil die Zuständigkeit für die Durchführung von Asylverfahren auch in Deutschland bejaht wird. Damit würden Rücküberstellungen - z.B. nach Griechenland, wo keine ordentlichen Asylverfahren durchgeführt werden - verhindert.
Auf Malta wurden die Haftbedingungen und die Dauer der Abschiebehaft für die Flüchtlinge erhöht. Selbst Menschen, denen nach der Genfer Konvention ein Flüchtlingsstatus zuerkannt wurde, befinden sich in großen Lagern auf Malta ohne jegliche Perspektive auf ein menschenwürdiges Leben.
Der europäische Gerichtshof hat Malta und auch Griechenland wegen dieser Haftbedingungen und der menschenunwürdigen Unterbringung verurteilt, dennoch wird damit das Problem nicht gelöst. Notwendig ist eine faire Verteilung der Verantwortung für die Aufnahme der Flüchtlinge innerhalb des geeinten Europa. Gerade in Anbetracht der Situation auf Malta erscheint es äußerst peinlich, wenn die Bundesrepublik sich lediglich bereiterklärt, 100 Flüchtlinge aus Malta aufzunehmen und sich für Baden-Württemberg gerade einmal eine Anzahl von elf Flüchtlingen aus Malta ergibt, die in Baden-Württemberg aufgenommen wurden.
Flüchtlingsinitiativen aus Mannheim, die an der Veranstaltung teilgenommen haben, fordern auch auf kommunaler Ebene bessere Lebensbedingungen für Flüchtlinge und setzen sich für die Aufnahme von Flüchtlingen in unserer Stadt ein.
Die Veranstaltung, die vom Caritasverband und vom Diakonischen Werk Mannheim im Rahmen der Interkulturellen Wochen im Ökumenischen Bildungszentrum sanctclara organisiert wurde, erreichte eine hohe Zahl interessierter Besucher, unter ihnen viele Schülerinnen und Schüler, die sich im Rahmen von Projekten mit dem Flüchtlingsthema auseinandersetzen. Regina Hertlein, Vorstand des Caritasverbandes Mannheim e.V., die auch im Namen des Diakonischen Werks Mannheim als Mitveranstalter die Gäste begrüße, freute sich über das Interesse gerade der jungen Menschen an diesem so wichtigen Thema.
(Regine Nock-Azari, Migrationsberatung des Diakonischen Werks)
