Interkulturelle Woche und Tag des Flüchtlings 2011

 

„Zusammenhalten – Zukunft gewinnen“ lautet auch im Jahr 2011 das Motto der Interkulturellen Woche, zu der die Kirchen bundesweit vom 25. September bis 1. Oktober aufrufen.

Grußwort der Kirchen zur Interkulturellen Woche 2011

Begegnung - Teilhabe -Integration
ZUSAMMENHALTEN - ZUKUNFT GEWINNEN


Die Apostelgeschichte berichtet vom Aufenthalt des Völkerapostels Paulus in der Metropole Athen. Bevor er vom Glauben an Jesus Christus spricht, erkundet Paulus die Stadt und ihre Heiligtümer. Dabei stößt er auf einen Altar mit der Aufschrift »Einem unbekannten Gott« (Apg 17,23). An dieses Wort der Offenheit für die noch nicht erkannte göttliche Wirklichkeit knüpft Paulus in seiner Predigt an. Er verkündet den Gott Jesu Christi als den Schöpfergott, als Vater, der alle Menschen über ihre ver-schiedene Herkunft und Tradition hinweg verbindet. Paulus betont nicht das Trennende, sondern das Gemeinsame und Verbindende. Er spricht von »uns« und von »wir«. Und er fährt fort: »Keinem von uns ist Gott fern. Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir« (Apg 17,27).

Damit ist die entscheidende christliche Grundhaltung für das gelingende Zusammenleben von Menschen verschiedener Nationalität, Religion und kultureller Prägung formuliert. Über alle Differenzen hinweg steht die in Gott gründende Gleichheit und Verbundenheit im Vordergrund.

Das christliche Welt- und Menschenbild widerspricht damit allen Theorien, die unversöhnliche Gegensätze zwischen den Kulturen konstruieren. Es bildet ein Fundament, das es »allen Menschen guten Willens« ermöglicht, untereinander zusammenzuhalten und so eine Zukunft in Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität zu gewinnen. Insbesondere verbietet es jegliche Einteilung der Menschheit in Gruppen oder Rassen, denen unterschiedliche und kaum veränderliche Eigenschaften zugesprochen werden. Eine solche Aufspaltung rüttelt am Fundament unserer Gesellschaft. Letztlich richtet sie sich gegen die Würde des Menschen.

Vor diesem Hintergrund lautet das Motto der Interkulturellen Woche auch im Jahr 2011: Zusammenhalten - Zukunft gewinnen«. Einige aktuelle Aspekte der Integrationsdebatte seien exemplarisch angesprochen:

  • Kinder sind unsere Zukunft. Bildungszugänge für alle Kinder sind deshalb ein zentraler Aspekt des Integrationsgeschehens. Dazu bedarf es sowohl des Engagements der Eltern als auch entsprechender Rahmenbedingungen und ausreichender finanzieller Mittel für Schulen, Kindertagesstätten und andere Bildungseinrichtungen. Auch die religiöse Bildung hat eine besondere Bedeutung für gelingende Integration. Denn sie hilft, sprach-, auskunfts- und dialogfähig zu werden.
  • Noch immer ringt die Politik um eine langfristig tragfähige Bleiberechtsregelung für Menschen, die schon lange in unserem Land leben, aber keinen gesicherten Aufenthaltsstatus haben. Die Kirchen begrüßen die Bestrebungen im politischen Raum, hier aufgewachsene, gut integrierte Kinder und Jugendliche vor der Perspektivlosigkeit zu bewahren. Eine großzügige Bleiberechtsregelung für sie ist ein Signal, das in die Zukunft weist. Doch sollten auch die Nöte ihrer Eltern sowie der Alten, Kranken und gut integrierten Alleinstehenden nicht vergessen werden. Auch für sie muss eine Lösung gefunden werden.
  • Ein Hoffnungszeichen für viele Menschen ist die von der Bundesregierung zugesagte Neuberechnung der Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, die schon seit vielen Jahren auf dem gleichem Niveau verharren. Die Kirchen fordern schon seit seiner Einführung im Jahr 1993 die Abschaffung dieses Gesetzes, das Asylbewerber bei der existentiellen Grundsicherung massiv benachteiligt. Deshalb findet es die ausdrückliche Zustimmung der Kirchen, wenn auch das Sachleistungsprinzip bei den Aufwendungen für Asylbewerber grundsätzlich in Frage gestellt wird.
  • Nach wie vor sind große Anstrengungen erforderlich, um das Miteinander von Einheimischen und Zuwanderern zu stärken. Persönliche Begegnungen helfen, Vorurteile abzubauen. Und das Kennenlernen ist der erste Schritt zum Verständnis für die Situation des jeweils Anderen. Seit Jahren ist deshalb der Dialog von Christen, Muslimen und Gläubigen anderer Religionen ein Schwerpunkt der Interkulturellen Woche. Wir laden dazu ein, die vielfältigen Kontaktmöglichkeiten verstärkt wahrzunehmen.
  • Im zurückliegenden Jahr wurde vielerorts eine »Nacht der offenen Gotteshäuser« gestaltet. Dies war für zahlreiche Menschen eine willkommene Gelegenheit, sich den religiösen Fragen neu zu stellen und sich auf interreligiöse und interkulturelle Begegnungen einzulassen. Wir ermutigen, solche Schritte an vielen Orten zu gehen.


Im Verlauf der diesjährigen Interkulturellen Woche können zwei besondere Jubiläen begangen werden:

  • Vor 40 Jahren fand in Augsburg das »Erste Ökumenische Pfingsttreffen« statt, bei dem im Arbeitskreis »Ausländische Arbeitnehmer« die Idee zur jährlichen bundesweiten Interkulturellen Woche aufkam. Inzwischen hat sich daraus eine allseits anerkannte kirchliche und gesellschaftliche Initiative entwickelt, die wichtige Impulse in die öffentliche Diskussion über Migration und Integration einbringt.
  • Zum 25. Mal wird in diesem Jahr im Rahmen der Interkulturellen Woche der bundesweite »Tag des Flüchtlings« begangen. Immer wieder neu bietet er einen Anstoß, sich auf die menschlich oft bedrückende Lage derer einzulassen, die ihre Heimat verlassen müssen.

Wir danken allen in Kirche, Gesellschaft und Politik, die sich - teilweise seit vielen Jahren - für die Rechte und die Würde der Migranten und Flüchtlinge einsetzen. Manches konnte erreicht werden, um den Zusammenhalt von Einheimischen und Zuwanderern in unserer Gesellschaft zu stärken. In diesen Bemühungen dürfen wir nicht nachlassen. So laden wir Sie alle zur Interkulturellen Woche 2011 ein. In den Gottesdiensten dürfen wir uns vom Herrn den Weg weisen lassen. In Veranstaltungen, Begegnungen und Aktionen vielfältiger Art werden die großen Fragen von Migration und Integration aufgegriffen. Zusammenhalt, der sich auch aus der Kraft des Glaubens speist, gibt unserem Land eine gute Zukunftsperspektive.

Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Präses Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland
Metropolit Augoustinos Griechisch-Orthodoxer Metropolit von Deutschland

Unsere herzliche Bitte an Sie: Bitte informieren Sie uns möglichst vor den Veranstaltungen - am besten schon im August - über Ihre Aktivitäten. Auf unserer Homepage www.ekiba.de/referat-5 wollen wir die Veranstaltungen in Baden präsentieren. Es können auch Veranstaltungen sein, die dieses Jahr zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden. Bitte schicken Sie uns das Material für die Veröffentlichung per Mail in Dateiform  zu.

Wir werden auch von der Landeskirche wieder einige Materialhefte bestellen. Gegen Kostenerstattung können Sie auch Materialien direkt bei uns abrufen.

Weitere Informationen unter http://www.interkulturellewoche.de/ und zum Tag des Flüchtlings unter http://www.proasyl.de/.

Veranstaltungen in Baden zur Interkulturellen Woche 2011 finden Sie im unseren Veranstaltungskalender

Am Sonntag, den 25.09.2011 wird in den evangelischen Kirchengemeinden in Baden die landeskirchliche Kollekte für die kirchliche Arbeit mit Spätaussiedlern, Ausländern und Flüchtlingen erbeten. Es bietet sich an, Gottesdienste auch thematisch zum Thema Flucht und Migration zu gestalten.