Aussiedler

 

"Miteinander den Weg in die Zukunft finden - Beten geht am besten in der Muttersprache"

Seit 1950 sind über fünf Millionen Aussiedlerinnen und Aussiedler einschließlich ihrer Familienangehörigen in die Bundesrepublik eingewandert. Sie bilden damit die größte Gruppe innerhalb der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Von 1991 bis 1995 zogen jährlich über 200.000 Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler nach Deutschland. Inzwischen kommen jährlich nur noch wenige tausend.
 
Die Spätaussiedlermigration wurzelt in der Geschichte der jungen Bundesrepublik. Noch 1950 - nach dem Ende der Flucht- und Vertreibungsmigration als Folge des Zweiten Weltkriegs - lebten rund vier Millionen Deutsche außerhalb der alten Reichsgrenzen von 1937 im Osten Europas, viele von ihnen in der Sowjetunion, Rumänien, Polen und der Tschechoslowakei. Das Grundgesetz der Bundesrepublik bezeichnet diese Menschen und ihre Nachkommen als "deutsche Volkszugehörige". Unter bestimmten Voraussetzungen sind sie berechtigt, als Aussiedler (seit einer Gesetzesänderung 1993 "Spätaussiedler") nach Deutschland einzureisen. Sie erhalten die deutsche Staatsbürgerschaft und können verschiedene Integrationshilfen in Anspruch zu nehmen.

Für viele Aussiedlerinnen und Aussiedler ergeben sich ganz ähnliche Sprach- und Integrationsprobleme wie für ausländische Zuwanderer. Bis in die 1990er-Jahre hatten die meisten Aussiedlerinnen und Aussiedler bei ihrer Einreise relativ gute Deutschkenntnisse und konnten großzügige staatliche Eingliederungshilfen wahrnehmen. Doch viele der jüngeren Einwanderer haben nur wenig Bindung zur deutschen Sprache und Kultur. Sie sind mit vielfältigen Integrationsproblemen und mangelnder Akzeptanz in der deutschen Gesellschaft konfrontiert. Dies trifft insbesondere auf die bei weitem größte Gruppe zu: Die Spätaussiedler aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, die im allgemeinen Sprachgebrauch auch oft "Russlanddeutsche" genannt werden. (Jan Schneider, Internetseite der Bundeszentrale für Politische Bildung)

Inzwischen leben mehr als 14 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in der Bundesrepublik. Integration verlangt Offenheit und Vertrautheit mit eigener und fremder Tradition. Es ist nicht allein Aufgabe der Politik, am gesellschaftlichen Ziel der Integration von Migranten zu arbeiten.

Jeder Einzelne kann in seinem persönlichen Umfeld daran mitwirken, Migrantinnen und Migranten gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Arbeitsmarkt, Bildung, Sprache, Kultur, soziale, politische und rechtliche Integration, in all diesen Bereichen sind die berechtigten Anliegen von Migranten besonders zu berücksichtigen.

Die Diakonie leistet in Migrationsfachdiensten und  Integrationsprojekten eine kontinuierliche und systematische Integrationsförderung, die häufig Modellcharakter hat. Alle Angebote sind bedarfsorientiert, bieten fachlich qualifizierte Beratung und Begleitung. Tagungen, Begegnungstage in Gemeinden oder z.B. die Wanderausstellung "Nach Hause kommen..." sind Angebote der Diakonie, sich mit dem Thema "Aussiedler - Spätaussiedler" zu beschäftigen, auf die Menschen mit Migrationshintergrung zu zugehen und an ihrer Integration mitzuwirken.

Die Dokumentation zur Tagung für Mitarbeiter/innen und Spätaussiedler/innen in Kirchengemeinden und Diakonie vom 10. bis 11. November 2006 in Esslingen/ Neckar, sowie Informationen zur Wanderausstellung "Nach Hause kommen..." und der anlässlich des Begegnungstages erschienene deutsch - russische Broschüre "Daran glauben wir" stehen unten zum Download bereit.

Berichte zum Begegnungstag "Aussiedler in Kirchengemeinden" am 19. März 2006 in Heilbronn finden Sie hier.
In den letzten 15 Jahren sind eine Fülle von Materialien für die Aussiedlerseelsorge entstanden, sozusagen aus der Praxis für die Praxis. Ein Heft erfreut sich nach wie vor größter Beliebtheit:  "Komm mit – ich zeig dir meine Kirche. Der evangelische Gottesdienst". Immer wieder musste das Heft nachgedruckt werden. Inzwischen ist auch die letzte Auflage bis auf eine Handvoll Hefte vergriffen. Die Zeit war reif für eine in Text und Design überarbeitete Ausgabe. Einen kleinen Einblick in die neue Ausgabe mit dem neuen Titel "Komm mit - wir feiern Gottesdienst." bekommen Sie unten.