Aus der Geschichte des Pilgerns
Pilgern, wallfahren, wandern...
Zu Beginn des 5. Jahrhunderts verwendete Augustinus den Begriff als Umschreibung für das auf Gott gerichtete Christenleben in der Welt.
Seit dem 11. Jahrhundert führte der verstärkte Besuch heiliger Stätten zu der Vorstellung, den Gnadenort als Sinnbild des himmlischen Jerusalems anzusehen und den Gang dorthin als peregrinatio zu bezeichnen. Zum zentralen Motiv für die Pilgerreise wurde die umfassende Versöhnung mit Gott durch die Fürsprache des betreffenden Heiligen.
Ein kirchliches Verabschiedungsritual mit feierlicher Segnung der Insignien Tasche und Stab machte den Menschen des Mittelalters zum Pilger. Für die Dauer ihrer Reise waren die Pilger Angehörige eines eigenen Standes, der sich aus einem temporären Verzicht auf die Welt und ihre materiellen Bindungen rechtfertigte. Bis zum Spätmittelalter entstand ihre charakteristische Kleidung mit breitkrempigem Hut, weitem Mantel und Skapulier, die neben den funktionalen Eigenschaften Erkennungszeichen und Standesmerkmal war.
Die zur Zeit berühmteste Pilgerstrecke ist der Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Nordspanien. Die Pilger richten sich auf der Route nach einer stilisierten Muschel, die ihnen den richtigen Weg weist. Als neue Kurzform für „Eilige“ bieten seit neuestem Einrichtungen das Tagespilgern an. Dabei bewegt sich der Pilger auf geistlichen Pfaden oder Veranstalter laden zu spirituellen Wanderungen ein.
Die Wallfahrt
(lat. peregrinatio religiosa, v. wallen - in eine bestimmte Richtung ziehen oder fahren und unterwegs sein)...ist seit dem 4. Jahrhundert und besonders im Mittelalter eine traditionelle Reise, um ein heiliges Gebot zu erfüllen oder zum Zweck des Besuches einer bestimmten Pilgerstätte mit religiöser Bedeutung. Hauptsächlich ist die Wallfahrt heute eine katholische Handlung. Sie wird auch als Pilgerreise, Pilgerfahrt, Betfahrt bezeichnet.
Im symbolischen Sinn ist die Pilgerfahrt sowohl eine Initiation als auch ein Akt der Ergebenheit. Sie hat eine hohe moralische Bedeutung und kann auf den alten Glauben, dass die übernatürlichen Mächte ihre Kraft an bestimmten Orten besonders stark entfalten, zurückgehen. Für Christen sind es die Schlüsselstationen im Leben Jesu Christi, der Gottesmutter Maria oder eines Heiligen.
Im Christentum des europäischen Mittelalters wurden solche "Wundertätigkeiten" vielen Orten zugeschrieben. Wallfahrten gab es auch bei den Juden, den antiken Griechen, Germanen und Römern, die aus religiösen Gründen ferne Tempel bereist hatten. Eine Wallfahrt war und ist immer auch ein soziales Ereignis. Sie führt zu Begegnungen und Austausch zwischen Gläubigen, und sie dient und diente auch der Finanzierung von religiösen Stätten.
Manchmal werden die beiden Begriffe Wallfahrt und Pilgern auch verschieden gebraucht: Eine Wallfahrt findet dann in einem engeren und eher traditionell-religiösen Rahmen statt. Sie wird oft von katholisch kirchlicher Seite für eine Gruppe von Gläubigen organisiert. Pilger sind nach diesem Sprachgefühl vereinzelter und freier unterwegs; auch wenn ihr Reiseziel traditionell-religiös ist, zum Beispiel Santiago de Compostela, kann die Religion völlig in den Hintergrund treten.
Was ist eigentlich Wandern?
Wandern ist "eigenständige gesellschaftliche Gangart, als verhältnismäßig junge kulturelle Betätigungsform angesichts der Jahrtausende, die der Mensch schon geht". Was war vor der „Erfindung" des Wanderns? Damals ging der Mensch! Er ging zur Kirche, zur Arbeit, zu Märkten oder aufs Feld. Als Reisender wollte er schnell ankommen, egal ob Pilger oder Handwerksgeselle. Die direkte Freude an der Bewegung oder besser Fortbewegung war dem Menschen noch fremd. Zu gefährlich und mühselig war das Leben und das Reisen auf den Straßen. So suchte man Wege durch die Natur und nicht zu ihr. Ein Wald oder ein Berg war mehr Hindernis als Bedürfnis. Mit Beginn der Aufklärung und ihrem Glauben an die Kraft der menschlichen Vernunft und der Empfindsamkeit als Gegenbewegung mit ihrem Gefühlserleben, änderte sich diese Einstellung und ließ Naturerfahrung und Naturerlebnis entstehen. Aus einem rein zweck-gebundenem Landschafts- und Naturbild entstand ein ästhetisch-emotionales. Aus Ödland wurde Landschaft. Im Zuge dieser Entwicklung entstand im Laufe des 18. Jahrhunderts der "romantische Mensch", idealerweise dargestellt in den Werken des Denkers Jean-Jaques Rousseau, der sich um 1750 vielleicht als erster überzeugter Fußwanderer die Schweiz erwanderte. Das Wandern als Auseinandersetzung mit der Landschaft und mit sich und seinen Gefühlen war geboren. Viele Gebildete begannen zu Wandern. Einer der berühmtesten Wanderer war Goethe der durch die Schweiz nach Italien wanderte um die Klassik zu finden. Das Wandern war bildungsbürgerliche Freizeitbeschäftigung geworden. Heutigentags machen 40 Millionen Deutsche nicht nur ab und an einen Sonntagsspaziergang, sondern unternehmen gerne größere Touren zu Fuß. Und zwar ganzjährig, bei Hitze und bei Schneetreiben.

