Seelsorge, Beratung und Hilfe
Seelsorge ist Hilfe zum Leben und zum Glauben.
Was die menschliche Seele ist, lässt sich nicht festschreiben. "Seele" hat etwas mit Person und Persönlichkeit, Gefühlen und Sehnsüchten, Bestrebungen und Entscheidungen, Phantasie und Denkvorstellungen zu tun und in alledem mit der Würde und Unverfügbarkeit menschlichen Lebens. Wenn die Seele in Not kommt, wird oft das ganze Leben schwer beeinträchtigt.
Welche Aufgaben haben Seelsorge und Beratung?
Evangelische Seelsorge und Beratung sind Angebote der individuellen Begleitung auf dem Lebensweg mit seinen Höhen und Tiefen, im Alltag und in besonderen Situationen. In Krisen und Konflikten, in Veränderungsprozessen und bei schwierigen Entscheidungen bieten sie psychologische und spirituelle Unterstützung an.
Evangelische Seelsorge und Beratung sehen den ganzen Menschen, seine sozialen und materiellen Lebensbedingungen, seine Gefühle und sein Denken, sein Verhalten und seine Wertvorstellungen, seine Suche nach Glück, nach Sinn, nach Gott.
Worin unterscheiden sich Seelsorge und Beratung?
Seelsorge und Beratungen können als zwei Brennpunkte einer Ellipse verstanden werden. Beratung möchte in konkreten Lebenslagen psychologische Hilfe zur Selbsthilfe geben. Seelsorge bemüht sich, Lebensfragen und Erfahrungen mit den befreienden und tröstlichen Sichtweisen des Evangeliums zu verbinden. In Kirche und Diakonie hat Beratung seelsorgerliche Anteile, und Seelsorge Anteile von Beratung. Seelsorge und Beratung wollen mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung dazu beitragen, dass Menschen eigene, verantwortliche Entscheidungen treffen können und eine zuversichtliche, konstruktive Lebenseinstellung gewinnen.
Wer kann Seelsorge und Beratung in Anspruch nehmen?
Evangelische Seelsorge und Beratung ist offen für alle Menschen unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einer Kirche oder Religionsgemeinschaft. Sie ist vom Respekt vor den persönlichen Überzeugungen und Glaubensvorstellungen rat- und seelsorgesuchender Menschen bestimmt.
Wo finde ich Seelsorge?
Die Seelsorge gehört zu den Kernaufgaben im Pfarramt. Pfarrerinnen und Pfarrer sind durch ihre Ordination an das Beichtgeheimnis gebunden. Das garantiert absolute Vertraulichkeit. Neben der Möglichkeit zur Seelsorge in den Ortsgemeinden gibt es ein differenziertes Angebot von Beratungsstellen und besonderen Seelsorgediensten, um den unterschiedlichen Lebenssituationen gerecht zu werden.
Zentrum für Seelsorge (ZfS) - Fortbildung und Supervision
Wenn Sie selbst in der Seelsorge tätig sind und sich hier fortbilden oder weiterqualifizieren wollen, dann wenden Sie sich an das Zentrum für Seelsorge. Hier erhalten Sie auch alle Informationen zu beruflicher Supervision.
Seelsorge - Was ist das?
Seelsorge ist Glaubens- und Lebenshilfe, also die Umsetzung des Evangeliums in den konkreten Alltagsfragen des Hilfesuchenden
Sie umfasst den ganzen Menschen in all seinen Lebensbezügen: in seiner Persönlichkeit, in seinem geistlichen Wachstum, in seinen sozialen Bezügen (z.B. Ehe und Familie), in seiner Gemeinde, in seinem Beruf, seinem gesellschaftlichen Engagement.
Seelsorge ist etwas zutiefst Menschliches und Unverzichtbares:
Es ist gut, jemanden zu haben, dem man sein Herz ausschütten kann, dem man sich zumuten darf. Egal, ob in einem zufälligen Gespräch zwischen Tür und Angel, oder in einem lang vorher geplantem Treffen, wo das ganze Leben vor Gott ausgepackt wird, wo Beichte geschieht, oder auch in einer langen, kontinuierlichen Begleitung.
Der Mensch braucht ein Du, ein Gegenüber
Indem Menschen miteinander sprechen und füreinander aufmerksam werden - helfen, stärken, herausfordern, raten, ermutigen -, erfahren sie etwas von der Menschenfreundlichkeit Gottes.
Seelsorge ist:
~ In Gesprächen zuhören
~ den/die andere Ernst nehmen
~ Verstehen - wollen
~ Begleitung in persönlichen Krisen (Anteilnahme, Mitleiden, Trösten, Rat geben, Ermutigung oder auch Ermahnung)
~ Gebetsbegleitung, ein fürsprechendes Gebet
~ praktische Hilfeleistung
~ Lebensberatung
~ die Beichte abnehmen
~ Aufarbeitung von Erlebnissen und Erfahrungen, manchmal fast Traumata
~ Hilfe in Lebens- und Glaubenskrisen
Wer kann Seelsorge ausüben?
Man braucht, um Seelsorge auszuüben, keine speziellen Fachkenntnisse und kein offizielles Amt. Seelsorgerinnen u. Seelsorger, das können sogenannte Laien sein, das können Pfarrer/Pfarrerinnen und Theologen/Theologinnen sein, das können Therapeuten/Therapeutinnen sein, oder Menschen mit speziellen Ausbildungen.
Seelsorge geschieht streng vertraulich
Wer Seelsorge ausübt, steht in unserem Land auch unter einem besonderen Schutz; nicht nur Pfarrer/Pfarrerinnen und Therapeuten/Therapeutinnen, sondern alle, die im Auftrag der Gemeinde Seelsorge üben. Sie haben ein Aussageverweigerungsrecht, d.h. sie können sich z.B. vor Gericht darauf berufen, dass sie etwas aufgrund der seelsorgerlichen Situation erfahren haben und müssen deshalb darüber nicht aussagen. Die Situation der Gemeinde ist sogar noch strenger. Hier besteht nicht nur ein Aussageverweigerungsrecht, sondern sogar eine Schweigepflicht. Wer seelsorgerlich etwas erfährt, muss darüber schweigen. Das gilt selbst im Fall einer möglichen Straftat. Das seelsorgerliche Vertrauen muss erhalten bleiben. Nur der Betroffene kann von dieser Schweigepflicht befreien.

