Schloss Beugen: Einkehr - Tagung - Feierlaune
Ein Wochenende auf der Schlossanlage bei Rheinfelden kann vieles sein - außer langweilig
Schloss Beugen - Torhaus
mit Durchfahrt zum Innenhof
Ekiba intern-Redakteurin Judith Knöbel-Methner besuchte das Schloss Beugen und berichtet von ihren Eindrücken und Gesprächen mit Bewohnern und Mitarbeitenden vor Ort:
»Es ist, als würde man eine andere Welt betreten:
Kommt man durch das Torhaus von Schloss Beuggen bei Rheinfelden, eröffnet sich einem der Blick auf eine weitläufige Schlossanlage, deren Gebäude aus acht verschiedenen Jahrhunderten stammen. Im Halbkreis gruppieren sie sich malerisch um die Schlosskirche und den direkt am Rhein gelegenen imposanten Hauptbau.
Das ehemalige Haus des Deutschen Ritterordens ist seit 1983 „die“ Tagungs- und Begegnungsstätte im Süden der badischen Landeskirche. Daneben haben dort heute auch diverse Einrichtungen wie die Erwachsenenbildung Hochrhein-Markgräflerland, die Kommunität Beuggen und das Haus der Kirchenmusik ihren Sitz.
Seit drei Jahren ist das Ehepaar Silke und Andreas Obenauer für die inhaltliche Arbeit der Tagungsstätte verantwortlich. „Unsere drei Schwerpunkte sind Fortbildungen in Gottesdienst- und in Gemeindearbeit und spirituelle Angebote“, erklärt Silke Obenauer. Bevor das Pfarrehepaar nach Beuggen kam, machte der häufige Wechsel in der Studienleitung die Entwicklung eines Angebots-Profils schwierig, „was uns aber auch die Chance gab, hier etwas ganz Neues zu entwickeln“. Das teils unkonventionelle Konzept der Fortbildungen
– etwa das Liturgietraining mit einer professionellen Schauspielerin und Sprecherzieherin – kommt bei den haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden der Landeskirche gut an. Die spirituellen Wochenenden stehen dagegen auch bei der breiten Öffentlichkeit hoch im Kurs.
Geistlich – aber nicht vergeistigt
Je konkreter der Nutzen der Angebote dabei ist, desto regeren Zulauf hat die Tagungsstätte. „Hinzu kommt, dass wir mit den vielen unterschiedlichen Räumlichkeiten hier ganz andere Formen der Fortbildung anbieten können als das in einem einzelnen Gemeindehaus möglich wäre“, erklärt An dreas Obenauer. Sehr gut komme auch die Vernetzung verschiedener Bereiche beim selben Thema an – etwa
von Kirchenmusik und Prädikantenarbeit, was in anderen Tagungs häusern ebenfalls nur schwer möglich ist.
Die eher kirchenfernen Beuggen-Besucher schätzten an den niederschwelligen spirituellen Angeboten, dass sie ihnen bei der Suche nach einer Richtschnur behilflich seien, ganz besonders an den klassischen Lebensübergängen, hat Silke Obenauer beobachtet. Ein Highlight im Programm der Tagungsstätte sind zum Beispiel die regelmäßigen Orientierungswochenenden für Abiturienten, zu denen inzwischen
Jugendliche aus ganz Baden kommen.
Beuggen stillt viele Sehnsüchte
Wie groß die spirituelle Sehnsucht heutzutage bei vielen Menschen ist, stellt auch der Leiter der Evang. Erwachsenenbildung Hochrhein-Markgräflerland, Jörg Hinderer, immer wieder fest. Erwachsenenbildung und Tagungsstätte zeichnen gemeinsam für rund 95 Prozent des Veranstaltungsprogrammsin Beuggen verantwortlich. Die Kooperation zwischen beiden funktioniert praktisch auf Zuruf, und der Mehrwert für die Besucher ist immens: „Die Synergieeffekte von Großveranstaltungen auf dem Schlossgelände, bei denen viele Partner mitwirken und ihre Kräfte bündeln können, sind enorm.“ Zuletzt hat der von Studienleitung, Erwachsenenbildung, Kommunität und der Fachstelle Geistliches Leben veranstaltete Impulstag Spiritualität Mitte Mai 55 teilnehmende Multiplikatoren aus der gesamten Landeskirche nach Beuggen geführt.
Die Erwachsenenbildung bietet auch über die Tagungsstätte hinaus Fortbildungen sowie theologische, diakonische und kulturelle Veranstaltungen an. Zu den Angeboten gehören die regelmäßigen Pilgerwanderungen auf Franziskus’ Spuren nach Assisi und auf dem Jakobsweg in Spanien, die Jörg Hinderer leitet. Die Mischung aus Abenteuer und Beten lockt Lebens- und Glaubenshungrige sogar über Baden hinaus an. „Oft melden sich die Teilnehmenden noch nach Jahren bei mir und berichten von ihren schönen und wertvollen Erfahrungen“,so Hinderer.
Äußere und innere Vielfalt
In das breite Angebotsprofil der Tagungsstätte eingebunden ist auch die Kommunität. Jörg Hinderer ist eines der Gründungsmitglieder.
Vor sechs Jahren hat die christliche Lebensgemeinschaft die historische Schütte neben der Schlosskirche übernommen. „Inzwischen sind wir acht Erwachsene sowie vier weitere, die sich gerade in der Probezeit befinden, und sieben Kinder.“ Das älteste Mitglied ist 72 Jahre alt, das jüngste gerade fünf Monate. Die Wohnraumaufteilung in der Schütte ist so, wie in jedem „normalen“ Mehrfamilienhaus –
von den individuell gestalteten Wohnungstürschildern bis zu den sandigen Gummistiefeln der Kinder im Treppenhaus. Im zweiten Gebäude der Kommunität befinden sich die Gemeinschaftsräume, wo für alle gekocht wird und die Gruppe sich zum Essen, Beten, Spielen und Feiern trifft.
Die Kommunität ist auch an der Öffentlichkeitsarbeit von Schloss Beuggen beteiligt. „An unseren Morgen- und Abendgebeten
in der Schlosskirche nehmen regelmäßig Tagungsgäste und auch Menschen aus der Umgebung teil“, berichet Jörg Hinderer. Außerdem organisiert die Gemeinschaft Einkehrtage, geistlich-liturgische Feiern und lädt jeden Sommer zum Open-Air-Kino ein. „In einer Kommunität zu leben, kostet Zeit“, so Hinderer. Aber was man dafür bekommt, wiegt das voll auf: „Unser christliches Leben wird durch diese Gemeinschaft vertieft“, so die Empfindung des Pfarrers. „Und dieses Geschenk können wir täglich miteinander teilen.“
Die Geschenke, die Besucher in Schloss Beuggen erwarten, sehen für jeden anders aus. Mitarbeitende der Landeskirche erhalten moderne Impulse für ihre haupt- oder ehrenamtlichen Aufgaben; Hochzeitspaaren geben Garten, Schloss und Kirche eine märchenhafte Kulisse für den schönsten Tag; Wochenendurlauber finden Entspannung, Ruhe und Kultur – und Kuchen im modernen Café, Wein aus dem urigen Schlosskeller oder opulente Menüs im Festsaal geben jeweils en passenden kulinarischen Rahmen zum Wohlfühlen. Ohne
Frage – Schloss Beuggen ist mehr als nur einen einzigen Besuch wert. Viel mehr.
