Klimaschutzkonzept der Evangelischen Landeskirche in Baden

 

Klimaschutzräume

Wärmebild Kirche

Kirche kann das: -40 % CO2 bis 2020

Beim Bewahren der Schöpfung packt die Kirche an: Die Evangelische Landeskirche in Baden hat mit der Umsetzung ihres integrierten Klimaschutzkonzepts begonnen. Ehrgeiziges Ziel ist es, im Vergleich zum Jahr 2005 eine CO2-Einsparung von 25 Prozent bis 2015 und von mindestens 40 Prozent bis 2020 zu erreichen. Die Landeskirche setzt auf Gebäudesanierungen, Ökostrom und vor allem auf eine nachhaltige Veränderung des alltäglichen, klimarelevanten Verhaltens. Ein Prinzip dabei: Überzeugung statt Zwang. Die Teilnahme der Kirchengemeinden an dem Programm ist freiwillig.

Das Klimaschutzkonzept ist umfassend angelegt und bezieht alle rund 2.750 Gebäude der mehr als 700 Pfarrgemeinden und Einrichtungen der Landeskirche ebenso ein wie die Bereiche Mobilität, Bewirtschaftung und Beschaffung. Grundlage war eine genaue Verbrauchsanalyse aller Kirchengemeinden und Einrichtungen. Darüber hinaus flossen Erfahrungen mit Energiespar-Instrumenten ein, die in der Landeskirche bereits seit 2004 eingesetzt werden. So wurden ehrgeizige, aber realistische Ziele berechnet: In der Summe soll der jährliche CO2-Ausstoß bis 2015 um zunächst rund 10.000 Tonnen und in der zweiten Phase von 2015 - 2020 um weitere 8.000 Tonnen sinken. Damit sinkt der CO2-Ausstoß von 43.000 Tonnen 2005 auf rund 25.000 Tonnen 2020. Mit dieser Reduzierung von mindestens 40 Prozent setzt die Landeskirche die Empfehlungen des Weltklimarats IPCC um.

Das Konzept ruht auf drei Säulen: Umstellung auf regenerativen Strom, nutzerorientierte Instrumente (wie das Umweltmanagement Grüner Gockel, den Energiecheck Sparflamme und vielfältige Schulungsangebote) sowie energetische Gebäudesanierungen und umweltschonendes Bauen. Die seit 2004 aufgebauten Beratungsinstrumente der Landeskirche werden im Klimaschutzkonzept ausgebaut.

Ein kontinuierliches Daten- und Liegenschaftsmanagement erfasst und überprüft die Entwicklung des Strom- und Heizenergiebedarfs, der Mobilität sowie die Beschaffung und die Flächenutzung. Neben der verbindlichen Festlegung auf nachzuweisende Einsparziele zeichnet sich das Konzept vor allem darin aus, dass neben den klassischen Faktoren Strom, Heizung und Verkehr auch die Bewirtschaftung der kirchlichen Acker- und Waldflächen sowie das Beschaffungswesen in der Bilanzierung schritt weise berücksichtigt werden im Sinne eines ganzheitlichen, integrierten Klima- und Umweltschutzes. Die Landeskirche hat bewusst darauf verzichtet, die Teilnahme für die Kirchengemeinden verpflichtend zu machen. Stattdessen wird auf Freiwilligkeit gesetzt, denn nur echtes Engagement des Ehrenamts wird das Klimaschutzkonzept zum Erfolg führen. Dass das funktioniert, zeigen vor allem der Grüne Gockel und die Sparflamme. Das Büro für Umwelt und Energie (BUE) der Landeskirche hat deshalb die Aufgabe, mit professioneller Beratung und modernen Anreizverfahren die ehrenamtlichen Mitarbeitenden in den Gemeinden zu schulen und zu motivieren. Dabei kooperiert das BUE mit kommunalen und wissenschaftlichen Institutionen.

In der ersten Phase bis 2014 ist mit Kosten in Höhe von rund 46,5 Millionen Euro zu rechnen, wovon der allergrößte Teil (45 Millionen Euro) in energetische Sanierungen („Hardware“) investiert wird. Rund 1,5 Millionen Euro fließen in die nutzerorientierten Maßnahmen („Software“). Bei den erzielten CO2-Einsparungen drehen sich die Verhältnisse dann aber um: die „Software“ bewirkt 58 Prozent der Gesamtreduktion, die Umstellung auf Ökostrom trägt weitere 25 Prozent bei. Die Auswirkungen der teuren Gebäudesanierungen fließen dagegen mit nur 17 Prozent in die Bilanz ein. Das Klimaschutzkonzept erweist sich für die Gemeinden auch als wirtschaftlicher Gewinn: Weniger Energieverbrauch bedeutet weniger Einkaufskosten - bis 2014 sollen voraussichtlich 1,8 Millionen Euro jährlich eingespart werden. Für die zweite Phase sind ähnliche Kosten und Einsparungen zu erwarten. Der Charme des Konzepts liegt in seiner sehr effizienten Nutzung der Mittel, was es beispielhaft für andere öffentliche Träger machen könnte. Das Bundesumweltministerium würdigt die Qualität und Zielsetzung des Klimaschutzkonzepts im Rahmen seiner Klimainitiative und fördert mit einer Co-Finanzierung von eineinhalb Personalstellen (Laufzeit: drei Jahre) erstmalig eine Gliedkirche der EKD. Die Evangelische Stiftung Pflege Schönau (ESPS) finanziert eine Vollzeitstelle dauerhaft und sichert so die Kontinuität bis 2020.

Die Landeskirche sieht ihr Engagement auch vor dem Hintergrund des Zögerns der internationalen Staatengemeinschaft bei der Fortschreibung des auslaufenden Kyoto-Protokolls. Jedes verlorene Verhandlungsjahr lässt die angestrebte Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad weniger erreichbar werden. Leidtragende werden vor allem die Entwicklungsländer sein. Um Klimagerechtigkeit zu sichern, bedarf es daher mehr denn je des Handeln jedes Einzelnen und jeder Institution.

Presse & Archiv: Investition in den Klimaschutz


Das Klimaschutzkonzept als Lang- und Kurzversion sowie als Präsentation siehe Info-Box rechts.

 

Gefördert vom

 
                                         

aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

 
Landessynode beschließt kirchliches Umweltmanagement.