Den Advent intensiver erleben – Advent ist im Dezember

 

Eine Aktion der Kirchen in Baden-Württemberg

Jedes Jahr wird das Christkind ein paar Tage früher in die weihnachtlichen Schaufensterdekorationen eingeflogen. "Vom Himmel hoch" und "Freue Dich, o Christenheit" rieseln aus den Lautsprechern, während Ende Oktober schon fleißig das Geschenkpapier für den Heiligen Abend ausgesucht wird; man will ja in diesem Jahr nicht in Hektik kommen.

Mit Weihnachtsmuffelei hat es nichts zu tun, wenn die christlichen Kirchen gegen diese verfrühte Advents- und Weihnachtszeit die Aktion „Advent ist im Dezember“ setzen. Mit Plakaten, Broschüren und Aktionen wollen Sie vielmehr helfen, Advent und Weihnachten bewusst zu erleben und daraus nicht einen sechswöchigen oder noch längeren „Festbrei“ zu machen. Es geht darum, dem Advent seine Stille und die Vorfreude sowie der Weihnachtszeit ihre Freude und ihren überschwänglichen Glanz zu belassen. Beides intensiver zu erleben.

Der Sinn der Adventszeit

Vor rund 1600 Jahren ist die Adventszeit als eine Zeit der Vorbereitung entstanden. Nicht zuerst auf das große Fest, bei dem den Menschen feierlich zumute wird und sie gut essen. Diese Zeit sollte dazu genutzt werden, in den Gottesdiensten und zu Hause nüchtern Bilanz zu ziehen. Eine Art Training für vier Wochen, die eigene Lebenswirklichkeit mit den Augen einer großen Hoffnung neu wahrzunehmen. In der Tradition war die Adventszeit eine Bußzeit. Aber man muss nicht das Büßergewand über die Seele ziehen und sich an die Brust schlagen, in reuige Gedanken versinken und um Gnade flehen. Advent verträgt keine großen Gesten. Es ist eine Zeit der Einkehr und der Stille, der Vorfreude und der Erwartung, Zeit für gemütliche Runden in der Familie oder im Freundeskreis bei Kerzenschein und Gebäck, beim Hören adventlicher Musik und adventlicher Texte.
Die Adventszeit mit ihren besonderen Farben und Düften, mit Kerzen und Plätzchen verliert an Bedeutung und Sinn, wenn wir ihr keinen festen Rahmen mehr geben. Worauf sollen wir uns eigentlich noch freuen, wenn der Spekulatius schon seit  Wochen auf dem Tisch steht, alles immer gleich verfügbar und damit beliebig ist?

Lebkuchen und Pfeffernüsse – Gebäck mit Bedeutung

Lange ehe Kaufhäuser und Lebensmittelketten auf die Idee kamen, schon im September Lebkuchen und Pfeffernüsse auf die Wühltische zu legen startete früher die traditionelle Weihnachtsvorbereitung am Bartholomäustag, dem 24. August.  Da wurden Gänse und Karpfen ausgesucht, die für den Weihnachtsbraten gemästet werden sollten. Die Tiere waren dem heiligen Zweck bestimmt, man hegte und pflegte sie auf das Fest hin. Heute, bei der industriellen Produktion von Fleisch und Fisch, sicher unvorstellbar. Dennoch hat jedes an Weihnachten gebundene Lebensmittel einen symbolischen Wert. Das gilt auch für die Lebkuchen und die Pfeffernüsse. Das Wort "leb" stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet "Heil- und Arzneimittel". In den Klöstern hatte man immer besondere Kräutergärten eingerichtet, in denen Pflanzen kultiviert wurden, aus deren Blättern, Blüten oder Säften Medizin bereitet werden konnte. Die Heilkräuter und Heilsäfte wurden zu kleinem Gebäck verarbeitet. Zum Weihnachtsfest bereitete man aus besonders wohlschmeckenden Kräutern und Säften den sogenannten "Lebkuchen", der am Christfest von den Klöstern verteilt wurde: Ein Symbol dafür, dass die Welt an der Geburt des Herrn gesunden werde. Und die Pfeffernüsse? Damals war Pfeffer als orientalisches Gewürz sehr teuer – man sparte daran im Alltag. Aber zu Weihnachten durfte nicht gespart werden. Dann aß man eben Pfefferkuchen. Heute lächelt vielleicht mancher über die alten Symbole. Aber warum soll man dieses Gebäck, statt es bei einer Comedyshow im Oktober nebenher zu futtern, nicht mit Bewusstsein essen – im Licht des Adventskranzes und ohne Fernsehen?

Die Kirchen regen mit der Aktion dazu an, den Advent neu zu entdecken, ihn sinnvoll zu füllen, alte Traditionen neu aufleben zu lassen. Probieren Sie es aus, nehmen Sie sich Zeit und haben Sie auch den Mut, der vor-adventlichen Vermarktung zu  widerstehen. Es lohnt sich!

Marc Witzenbacher
Leiter der Abteilung Information und Öffentlichkeitsarbeit

       

      Den Advent intensiver erleben...

      Anregungen für eine gestaltete Advents- und Weihnachtszeit: www.advent-ist-im-dezember.de.

       

      advent-online.de

      Ökumenische Adventsimpulse per e-mail

       

      Vorschläge zur Gottesdienstgestaltung im Kirchenjahr,

      Predigtanregungen, Gebete, Buchvorschläge etc. finden Sie auf der Internetseite www.daskirchenjahr.de

       

      Das Kirchenjahr und die alten Kirchenbücher

      Hilfe und Erklärungen für die Suche in alten Kirchenbüchern und der dortigen Zählung der Kirchenjahresdaten bietet die Seite: http://wiki-de.genealogy.net/Kirchenjahr