Weihnachten
Die wahre Sonne
Die Geschichte des Christentums kann mit vielen seltsamen Entwicklungen aufwarten. Eine der erstaunlichsten ist, wie es kam, dass ein Fest, das lange im Schatten der wirklich großen christlichen Feste lag, zum heute populärsten Fest der Christenheit geworden ist: Weihnachten.
Jahrzehnte lang hatten die frühen Christen wenig Interesse an der Geburt ihres Erlösers – viel höher schätzte man den Tag der Auferstehung, dann den Tag der Kreuzigung und den Tag der Gründung der Kirche, die man am Pfingstfest feierte. Bis heute ist das Entstehen des Weihnachtsfestes nicht ganz geklärt.
Die wahre Sonne
Die frühesten Zeugnisse eines feierlichen Begehens des Geburtstermins Jesu stammen aus den östlichen Kirchen des Römischen Reiches. Dort feierte die Kirche in den ersten drei Jahrhunderten am 6. Januar „Weihnachten“. Allmählich aber begann sich in theologischen Schriften immer stärker der 25. Dezember als Festtagsdatum durchzusetzen. Das Datum ging von Rom aus, dort feierte man den Tag, bis zur christlichen Eroberung des Datums nach einem Erlass des Kaisers Aurelian, als „Fest der Sonne“. Dass ein römischer Bischof Mitte des vierten Jahrhunderts den 25. Dezember als Tag der Geburt Christi festlegte, sollte der Welt deutlich machen, dass „die wahre Sonne“, Christus, an die Stelle des Sonnengottes getreten war. Eine zweite Deutung des Termins ist eine rein theologische Konstruktion.
Die Zeugung Jesu soll am 25. März, dem Fest der Verkündigung seiner Geburt, geschehen sein. Das ist zugleich die Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr, traditionell als der erste Schöpfungstag der Welt und der erste Tag der Menschheit nach biblischem Verständnis.
Neun Monate später wird Jesus geboren – der Tag der Erlösung der Menschheit. Das Weihnachtsfest breitete sich rasch über das gesamte Gebiet der römischen Reiche aus, bereits um 400 wurde der 25. Dezember bis auf wenige Ausnahmen in den Gemeinden als Tag der Geburt Christi gefeiert. Kaiser Justin II. ordnete um 570 das Weihnachtsfest für den 25. Dezember für allgemein verbindlich an. Ein Datum, das bis heute gilt.
Ralph Ludwig, Theologe und Journalist
(mit freundlicher Genehmigung der Redaktion "Standpunkte", das evangelische Magazin für Baden mit chrismon plus, erschien monatlich bis Ende 2008)
Lesen Sie dazu auch:
- Wolfgang Max: Was hat Weihnachten mit dem Baum zu tun? (19.12.2011)
- Weihnachten ist keine Idylle - Landesbischof Ulrich Fischer erinnert zu Weihnachten an das Schicksal Jesu als Flüchtling (24.12.2010)
- Musical statt „Stille Nacht”? Wie wünschen Sie sich Ihren Weihnachtsgottesdienst? (22.12.2010)
- Dr. Matthias Kreplin: Geburt im Stall - Was Weihnachten bedeutet (21.12.2010)
- Landesbischof Fischer: Weihnachtsbotschaft umsetzen in eigenes Tun (25.12.09)
- Ulrich Fischer: Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein‘ neuen Schein (23.12.08)
- Landesbischof Ulrich Fischer und Synodalpräsidentin Margit Fleckenstein über die weihnachtliche Schenktradition
- U. Fischer: Ich steh an deiner Krippen hier (24.12.06)
- U. Fischer, R. Zollitsch: Grenzenloser Himmel (24.12.2005)
- U. Fischer: Das Kreuz über der Krippe (24.12.2004)
- Anleitung zum "Betrachtenden Gebet" zu Weihnachten
Buchtipp
Ralph Ludwig, Christentum – Alles, was man wissen muss
Kompakt und verständlich geschriebenes Elementarwissen zum Christentum und ein schnell erfassbares, schematisch aufgebautes Layout machen diesen Band zu einem neuartigen „Wissensvermittler“.
Inhaltlich fundiert, aber leicht les- und verstehbar, erreicht dieser Band eine Zielgruppe, die sich vom Schüler bis zum allgemein Interessierten erstreckt. Aber auch diejenigen, die schon ein gutes Vorwissen mitbringen, können auf einen Blick noch einmal Wesentliches auffrischen. Jedes Stichwort wird mit Hilfe einer Kurzerklärung und einer ausführlicheren Erläuterung behandelt.
Kreuz-Verlag, 192 Seiten, 16,95 Euro
