Fest der Erscheinung des Herrn - Epiphanias

 

Matthäus 2,1-12: Die Weisen aus dem Orient

Loslassen

Es ist das Evangelium zum Epiphaniastag (6. Januar), der nur noch in drei Bundesländern Feiertag ist. Die Betrachtung führt vor allem den Anfangsimpuls der alttestamentlichen Lesung weiter: „Mache dich auf!“ ( Jesaja 60,1). Sie lädt den Beter ein, zu Jesus Christus aufzubrechen. Am Anfang eines Kalenderjahres wird dieses Thema die Betrachtung beflügeln können. Zu Beginn der Geschichte steht ein Aufbruch. Die Sterndeuter und Weisen haben etwas Außergewöhnliches am Himmel entdeckt: einen neuen Stern. Um die Sterne zu sehen, muss man nach oben schauen, weg vom Alltäglichen, weg von allem, was uns gefangen nimmt und beschäftigt, hoch zu Größerem. Den Stern haben sie nicht nur registriert, er hat sie zum Aufbruch angespornt. Wir wollen so wie die Weisen uns Zeit nehmen, die Blickrichtung zu ändern, den Blick auf das Große und Bedeutungsvolle richten. Und aufbrechen auf einen noch unbekannten Weg.

 

Bild

Es ist eine Gruppe von Menschen, die aufbricht. Sie konnten gemeinsam das Gesehene und ihre Sehnsüchte besprechen, den Aufbruch entscheiden, ins Ungewisse losziehen. Man kann sich die lange Reise vorstellen: immer wieder mit dem Blick nach oben, wegsehen vom Nahen, Unmittelbaren, aufblicken zu etwas Höherem, Größerem. Sich unterwegs gegenseitig auf den Stern aufmerksam machen. Und immer wieder besprechen: welche Richtung? Auch die Zweifel: War es richtig? Sind wir noch auf dem rechten Weg? Sollen wir umkehren? Der Stern war ihnen Orientierung.
Und trotzdem gehen sie kurz vor dem Ziel dahin, wo es am wahrscheinlichsten ist, einen König zu finden: ins Königshaus zu Herodes. Das scheinbar Offensichtliche schiebt sich vor das, was Orientierung gab und gewiss machte. Hier verlassen sie sich nicht mehr auf den Stern, sondern auf ihren Verstand. Sie nehmen das Naheliegende, scheinbar Selbstverständliche an und merken, dass sie damit total falsch liegen. Sie müssen radikal umdenken: Herodes schickt sie nach Bethlehem, und dann ist ihnen auch der Stern wieder Orientierung. Am Ende ihrer Reise, am Ziel ihrer Sehnsucht angekommen, freuen sie sich „mit sehr großer Freude“. Und das, obwohl das Angetroffene im krassen Gegensatz steht zu dem, was man sich unter einem König vorstellt – auch hier ist wieder Offenheit für das ganz Andere gefragt. Aber sie scheinen etwas zu ahnen, zu wissen: Überwältigt von dem Kind geben sie Geschenke, huldigen dem König. Und dann kehren sie in ihr Land zurück, in ihre Kultur, an ihre Aufgaben – auf einem anderen Weg!

 

Erwägungen

Die Themen, die im Text vorkommen, sind: Aufbruch, Unterwegssein und Ankunft.
Aufbruch
Die Motivation für den Aufbruch der Weisen waren ihre Fragen und die Sehnsucht nach einem Friedenskönig. Welche Sehnsucht ist bei uns so stark, dass sie uns zu einem Aufbruch drängt? Die Sterndeuter haben dafür Gewohntes verlassen.
Unterwegssein
Der Stern hatte sie in Bewegung gebracht. Sie waren auf einer Suche, die Umwege und Fragen auf sich nimmt. Aber sie bleiben dran trotz der Beschwernisse auf dem Weg. Die Sehnsucht nach der Realität Gottes in unserer Zeit bringt in Bewegung. Kennen wir diese Situation des Unterwegsseins und des Suchens? Wo sind für uns Menschen, mit denen wir auf dem Weg sind?
Ankunft
Der Weg, der Umweg und das Nachfragen haben sich gelohnt. Der Himmel berührt die Erde, und Gott ist Mensch geworden. Im Stall ist er klein, unscheinbar und verletzlich. Alle festen, fertigen Bilder von einem König gelten hier nicht. Gottes Gegenwart im Stall ist eine Herausforderung, offen zu sein für das ganz Andere. Für sein Nahesein, da, wo wir es nicht vermuten, und anders, als wir es uns vorstellten. Ihn da, wo wir ihn sehen, vor Freude anbeten und Geschenke geben.

 

(statt einer) Konkretion

Wie die Weisen
prüfen und abwägen
beobachten und berechnen
wie die Weisen
neugierig sein
und auf der Spur bleiben
auswählen und verwerfen
wie die Weisen
forschen und Ausschau halten
lehren und lernen
wie die Weisen
suchen und aufspüren
und mit den Freunden
ein Ziel vor Augen haben
wie die Weisen
sicher sein und dem Stern folgen
nachfragen und auf Antwort warten
wie die Weisen
die Ratlosigkeit der Mächtigen ertragen
unterwegs sein und ankommen
wie die Weisen
Geschenke machen und anbeten
träumen und Gottes Weisung erfahren
wie die Weisen
hören und entscheiden
aufbrechen und unterwegs sein
wie die Weisen
sich nicht irre machen lassen
umkehren und den Weg ändern
wie die Weisen
den König suchen und das Kind finden
den Herrn suchen
und den Knecht finden
wie die Weisen
nach den Sternen greifen
und den Menschen finden
Kurt Wolff
(„Kein Kinderspiel“, Neukirchen-Vluyn 1980)


Gabi Hettler

entnommen mit freundlicher Genehmigung aus H. Friebolin/W. Kubik, KommenSehenBleiben Bd. 1, Aussaat/Koinonia 2. Auflage 2008. Copyright Evangelische Communität und Geschwisterschaft Koinonia; ISBN 978-3-7615-5266-1. Siehe auch www.koinonia-online.de

       

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