Konfetti und Asche – Vom Sinn der Fastnacht
Gedanken zur Fastenzeit
Von Köln bis Konstanz, vom Breisgau bis Berlin – in den letzten Tagen versanken ganze Menschengruppen und Regionen in den Taumel von „Festtags“stimmung. Witzig und frech, erschreckend und düster erschienen die Masken und Kostüme, hinter denen sich so manche Tradition, so manches Brauchtum verborgen hat. Doch nicht nur das – getragen wurden diese Verkleidungen von denjenigen, die den Winter austreiben wollten, die dem Alltag entfliehen oder den eigenen Witz jedermann zeigen wollten.
„Fastnacht“ – die Nacht am Beginn der zweiten großen Fastenzeit. Gilt die adventliche Fastenzeit als Vorbereitung auf die Ankunft Christi, so sieht die christliche Tradition die nun beginnende Fastenzeit im Lichte der kommenden Passionszeit Jesu. Doch vor dem Passions-Fasten setzt die Tradition noch mal richtig Spaß und Ausgelassenheit frei. Bereits im 16. Jahrhundert wollte man die Zeit vor dem Aschermittwoch nutzen, um nochmals ausgiebig feiern zu können. Allein schon aus ganz praktischen Gründen: Es wurde alles Verderbliche aufgegessen, was man in der Fastenzeit nicht essen durfte.
Regelbruch einst und jetzt
Die Fastnachtszeit galt schon seit langer Zeit im Jahreslauf als die letzte Möglichkeit, vor der Zeit des Fastens, der Zeit der Besinnung und des Einkehrens, nochmals die gültigen Regeln zu durchbrechen, sich auf Tanzbällen zu vergnügen, mit Masken eine Wunschwelt zu erleben oder auf Umzügen die feiernden Narren zu erfreuen.
Doch das ist nicht alles. Kostüme, Masken und Schminke sind heute bei der Straßenfastnacht nur noch selten im Einsatz. Spielzeugpistolen, schwarze Gewänder und möglichst gruselige Geräusche gehören heute gerade bei den jugendlichen Narren zum Repertoire. „Halloween 2“ an Fasching. Und in einem gewissen Sinne ist Grusel durchaus angebracht: Denn nicht selten erlebt man Alkoholvergiftungen, Gewaltdelikte und Szenen, die eher einer entgleisten Partynacht ähneln. Ganz nach dem gerne gepflegten Motto: „Besaufen bis der Arzt kommt!“
Ausgelassenheit und Vorbereitung
Bereits im Mittelalter wollte man an Fastnacht “anders“ sein, dem Alltag entwischen, sich vielleicht kurz hinter den Masken verstecken, die einem die Sorgen vor den Augen nehmen. Doch stand nicht auch eine ganz besondere Bedeutung dahinter?
Immerhin war ja auch gedacht, dass man sich in der Fastnachtszeit bereits auf die bevorstehende Passion vorbereitet. Dieser Gedanke scheint heute oft vergessen. Der Gedanke, das Leben zu genießen unter dem Bedacht, dass es nicht nur die Zeit des ausgiebigen Feierns und des Freimutes gibt. Zur Fastnacht gehört vor allem der Dank dafür, dass man auch so großzügig und ausgelassen leben darf.
Und so geben sich viele Narrenzünfte die Mühe, die Tradition zu pflegen, die Tage möglichst nach dem Vorbild ihrer Vorfahren zu gestalten und dieses auch an die Jugend weiterzugeben – und Ihnen so die Freude an dieser wahren Fastnacht nahe zu bringen.
Ebenso gibt es angesichts der von Jahr zu Jahr wachsenden vielgestaltigen Exzesse in der Fastnachtszeit einen Umschwung im Denken vieler Narren, die sich ihren Willen und ihre Freude an sinngemäßer Narretei nicht verderben lassen wollen. Vielerorts sieht man in diesen Tagen bereits den „Aufstand der anständigen Brauchtumspfleger“. Karneval ist mehr als nur eine Loveparade in der kalten Jahreszeit.
Fastnacht – Fastenzeit - Passionszeit
Selbst wenn es gerne aus dem Blick gerät: Auch heute steht die Fastnacht bzw. der Aschermittwoch als Beginn der Fastenzeit in Verbindung mit dem Tod Jesu Christi. Ein Zeichen Gottes, dass wir dankbar sein können und dass wir diese Dankbarkeit feiern können, bevor Jesus für uns den Weg ans Kreuz geht.
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Wenn ich vor meiner Zeit des Innehaltens und des Denkens an die Leiden vor knapp 2000 Jahren denke, so fällt es mir doch sicher einfacher, mit Bedacht und Einhalt eine Fastnacht zu feiern, die nicht nur mir, sondern auch allen meinen Mitmenschen gefallen kann.
Denn dass wir uns freuen, das verbietet uns niemand. Feiern und fröhlich sein, das gehört zu unserem Leben dazu. An Fastnacht haben wir die Möglichkeit, Andere mit in den Bann zu ziehen. Wenn wir dabei (zurück-)denken, dann macht das alles nicht nur Spaß, sondern auch sehr viel Sinn…
von unserem Gastautor Dennis Riehle, Konstanz
