2. Sonntag vor der Passionszeit (Sexagesimae)

 

Lukas 8,4-8 (-15): Gottes Großzügigkeit

Loslassen

Das Thema des Sonntags „sechzig Tage vor Ostern“ ist die Kraft des Wortes Gottes: Es kehrt nicht leer zurück (alttestamentliche Lesung, Jesaja 55,6-12). Vor der Betrachtung ist hilfreich, von einer gängigen Frage im geistlichen Leben, ja in der kirchlichen Arbeit generell Abschied zu nehmen: Lohnt es sich? Lohnen Bitte und Fürbitte? Lohnt ein wiederholter Besuch mit Gespräch? Lohnt der Einsatz für einen kümmerlichen Gemeindekreis? Ich weiß jetzt schon: Dabei kommt doch nichts heraus! Wir lassen gewichtige „Vor-Urteile“ dieser Art los und halten uns erwartungsvoll an die Botschaft des Evangeliums: Gott streut sein Wort nicht kleinlich, sondern großzügig auf den Acker der Welt.

 

Bild

Im Orient ist es üblich, dass man erst sät, dann pflügt und danach schließlich schaut, wo es gute Ernte gab, wo es steinig oder dornig blieb oder wo es zertreten wurde. Wir sehen einen Sämann über seinen Acker schreiten. Er wirft das Saatgut in hohem Bogen um sich. Es ist sein Saatgut, vielleicht das letzte und beste. Im Wegwerfen auf einen erstmal recht undefinierbaren Acker riskiert der Landwirt einiges! In sein Saatgut gibt er sich letztlich selbst hinein. Wenn wir den Sämann betrachtend begleiten, wie er in hohem Bogen um sich wirft, so wollen wir seine Großzügigkeit nachempfinden. Er ist felsenfest gewiss, dass seine Großzügigkeit sich lohnen wird. Noch weiß er nicht, wie und wo, aber er lässt sich durch nichts in seiner Zuversicht beirren. Er weiß: Der Same, der von außen in die Erde kommt, ist sehr gut, und auf bereitem Boden wird es sehr viel Frucht geben.

 

Erwägung

Wir begreifen die starke Spannung zwischen Enttäuschung und Zuversicht: So vieles geht immer wieder verloren an gutem Willen und Einsatz für andere! Lesen wir, vielleicht regelmäßig, ein Evangelium durch, so schleicht sich der Eindruck ein: Misserfolg ist bei Jesus offenbar das Normale. Es ist gerade beim Älterwerden in der missionarischen Arbeit der Kirche eine Gefahr, sich zu viel zu fragen, ob es sich lohnt. Ist das vielleicht die Seelenfaulheit des „Schalksknechtes“ in Mt 25,14-30: Es wird ja doch schief gehen!? Wir stellen uns deshalb die positiven Überraschungen vor Augen: Menschen, die sich Gott und seiner Gemeinde zugewendet haben, wo wir’s nicht (mehr) erwarteten. Jemand, der uns viel mehr Liebe schenkte als wir ihm. Doch ist da die Versuchung nicht verständlich, wiederum vorab zu sortieren, bei wem es sich lohnt und bei wem sicher nicht? Aber „die Welt“ ist nur ein Acker (Mt 13,38), nicht zwei. Gott ist verschwenderisch, sowohl in der Ausbreitung seines Wortes, ohne auf das Echo zu schielen, als auch im Einfahren einer übergroßen Ernte.


Konkretion

Wir legen die Frage, was wohl „herauskommt“, lieber gleich in Gottes Hand. Wir merken aber auch, dass diese unbekümmerte Zuversicht sich nicht aus dem eigenen „Urvertrauen“ oder Optimismus speisen kann. Ohne dies könnten unsere Communitätsgeschwister in Südafrika nicht schon über zwanzig Jahre ihre Zuversicht behalten haben. Geistliche Begleitung besteht in einer (oft gegenseitigen) Ermutigung, den „Acker der Welt“ mit dem zuversichtlichen Blick Gottes zu sehen. Es geht nicht ohne einen je größeren Glauben an die Großzügigkeit Gottes. Je größer unser kindliches Vertrauen in Gott ist, desto mehr geben wir seiner Fähigkeit Raum, Wunder zu wirken. Denn dieser Blick aufs „gute Land“ stellt sich nicht einfach so ein. Unscheinbare Anfänge wollen durchgehalten werden.


Dr. Wolfgang Kubik

entnommen mit freundlicher Genehmigung aus H. Friebolin/W. Kubik, KommenSehenBleiben Bd. 1, Aussaat/Koinonia 2. Auflage 2008. Copyright Evangelische Communität und Geschwisterschaft Koinonia; ISBN 978-3-7615-5266-1. Siehe auch www.koinonia-online.de

       

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