Sonntag vor der Passionszeit (Estomihi)

 

Mk 8,31-38: Leidensankündigung

Einstimmung

Im Evangelium ist uns eine Rede Jesu überliefert, in der er sein bevorstehendes Leiden ankündigt und in das Thema Nachfolge einführt. Diese Rede schließt an das eindrückliche Bekenntnis des Petrus an, dass Jesus der Messias ist (Mk 8,29). Petrus spricht dieses Bekenntnis in der Mitte des Evangeliums an dem Ort, der am weitesten von Jerusalem entfernt ist – in Caesarea Philippi. Es ist hilfreich, sich auf einer Landkarte die geographischen Verhältnisse des Weges Jesu bewusst zu machen: Galiläa, Caesarea Philippi, Judäa und Jerusalem. Die geistliche Einsicht allerdings, dass Jesus der Christus ist, muss sich bei den Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem erst noch festigen und bewahrheiten. Jesus bereitet in seiner Rede die Jünger darauf vor, wie der Messias Gottes Willen erfüllen wird. Er kündigt hier zum ersten Mal im Markusevangelium an, dass ihm Leiden, Sterben und Auferstehen bevorstehen. Diese Mitteilung löst eine erhebliche Spannung zwischen Jesus und Petrus aus, weil Petrus sich der Belehrung Jesu widersetzt.

 

Bild

Irgendwo in den bewaldeten Regionen Syriens oder der benachbarten Golan-Höhen ist Jesus mit seinen Jüngern unterwegs. Sie wandern durch Dörfer, die nicht vom jüdischen Glauben geprägt sind. In Caesarea Philippi haben sie die Hauptstadt des Herodes Philipp besucht, wo sich auch das berühmte Heiligtum des Hirtengottes der griechisch-hellenistischen Welt befindet: das Paneion, nach dem die Pan-Flöte benannt ist. Dort in der Fremde, fernab von jüdischer Volkskultur, ist Petrus das Messiasgeheimnis aufgegangen.
Jesus, der Reiseleiter (Hirte!), dem sie folgen, ist der Christus.
Vermutlich ist Petrus zunehmend verwundert über seine zwar ausgesprochene, aber noch nicht in ihren Konsequenzen bedachte Äußerung über Jesus. Jesus weiß um den Erklärungsbedarf, der für Petrus und die begleitenden Jünger besteht. Wenn Jesus vom Menschensohn spricht, geht es ums Ganze, um eine universale Gestalt. Darum ist der eingeschlagene Weg außerhalb von Judäa, Samaria und Galiläa genau der angemessene Ort, um den Jüngern zu weiterer Erkenntnis zu verhelfen. Das Gespräch muss Petrus überraschen, wenn Jesus selbst ganz freimütig über sich spricht. Hat er nicht kurz vorher Petrus den Mund verboten, als der sein Bekenntnis über Jesus aussprach? Petrus tritt als Wortführer auf und wird entsprechend in Pflicht genommen. Wie schon kurze Zeit vorher (Mk 8,30) bedroht Jesus ihn wieder (Mk 8,33). Jesus weist Petrus zurecht, weil er dessen Missbilligung nicht ertragen kann. Petrus will das abwehren, was in Jesu Leben notwendig geschehen muss. So darf man sich das Ringen im Gespräch Jesu mit Petrus und den anderen Jüngern sehr engagiert vorstellen,wobei es bis an den Rand des Erträglichen geht: Weiche hinter mich, Satan! Der Rahmen des weiteren Gesprächs weitet sich, wenn Jesus sich dem Volk zuwendet, das er in die Geheimnisse der Nachfolge einführt. Dabei ermöglicht er denen, die aus Syrien und Phönizien mit Jesus auf dem Weg sind, noch einmal zu überlegen, ob sie nicht angesichts des Jesus bevorstehenden Leidens wieder umkehren wollen. Nachfolge im Sinne Jesu ist eine Lebensentscheidung, nicht nur ein Gedankenspiel. Es ist hilfreich, sich die verschiedenen Gruppen vor Augen zu halten und zu betrachten, wie Jesu Worte jeweils auf sie wirken.

 

Erwägungen

Wortspiele in der Diskussion Jesu mit den Jüngern sind voller Assoziationen auf weitere Zusammenhänge: 1. Jesus spricht frei und offen von seiner Auferstehung, vgl. Mk 8,31-32. Als Jesus tatsächlich auferstanden ist und die Jünger davon reden könnten, verschlägt es ihnen die Sprache, vgl. Mk 16,6-8.Wie kann die von Jesus angekündigte Auferweckung zum Leben heute neu zur Sprache kommen? Braucht es dazu die bewusste Nachfolge dessen, der sein „Leben erhalten will“?
2. Das Synhedrium in Jerusalem wird Jesus verwerfen und damit zum Leiden Jesu beitragen. Jesu Jünger sollen sich demgegenüber darauf einstellen, dass sie in der Nachfolge Leiden ertragen werden, um nicht von Gott verworfen zu werden. Welche Lebenshingabe wird heute von der Gesellschaft verworfen? Welche Beispiele gibt es dafür, dass Menschen ihr Leben retten, wenn sie sich ihrer Nachfolge, ihres Glaubens nicht schämen?

 

Konkretion

Worin will ich mich in der Nachfolge Jesu in der Passionszeit üben? Dass Jesus selbst leiden musste, war von Gott so für ihn bestimmt. Es soll uns nicht Anlass zu zermürbenden Gedanken bieten. Denn das Leben Jesu wurde in seiner Auferstehung für alle Menschen erhalten. Welche eigenwilligen Gedanken kann ich getrost verwerfen, um Jesus weiterhin nachzufolgen? Es kommt tatsächlich öfter vor, dass in fremder Umgebung geistliche Themen neu zu uns sprechen. Das habe ich selbst bei einem mehrjährigen Aufenthalt in Äthiopien erfahren, wo Worte Jesu mich sehr existentiell bewegt und sich mir tief eingeprägt haben. Deshalb ist mir die Frage wichtig: Welche guten Gedanken, die ich außerhalb meiner Heimat fassen konnte, sind mir auf dem Weg in die vertraute Umgebung wieder verloren gegangen?


Dr. Burkhard Peter

entnommen mit freundlicher Genehmigung aus H. Friebolin/W. Kubik, KommenSehenBleiben Bd. 1, Aussaat/Koinonia 2. Auflage 2008. Copyright Evangelische Communität und Geschwisterschaft Koinonia; ISBN 978-3-7615-5266-1. Siehe auch www.koinonia-online.de

 

       

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