1. Sonntag in der Passionszeit (Invokavit)

 

Matthäus 4,1-11: Verzicht und Stärkung

Loslassen

 Mit dem Sonntag Invokavit beginnt die Fasten- oder Passionszeit. Der Weg in die Wüste bedeutet Loslassen und Entsagung. Loslassen bedeutet, sich mit Jesus aufmachen in die Stille und Leere der Wüste. Der Raum unserer Stille ist als eine solche Wüste vorstellbar. Die Fastenzeit in der Wüste ist eine Vorbereitung für Jesus. Die Zurüstung im Gebet, also die konzentrierte Hinwendung zu Gott, kann uns durch das Bild einer leeren kargen Wüste besonders hilfreich werden.

 

Bild

Das Bild der Wüste ist karg. Eine weite und stille Landschaft, in der kein Leben ist. Es ist am Tage sehr heiß und in der Nacht eisig kalt. Der Ort ist unwirtlich und wenig gastlich. Dennoch bleibt Jesus 40 Tage und Nächte im Gebet in der Wüste. Allein die Gemeinschaft mit Gott macht ein Bleiben an diesem ungastlichen Ort schön. Das Bleiben bedeutet aber auch Verzicht. Es ist nichts anderes zu tun als still zu werden und auf Gott zu lauschen. Das Bild des einsamen Beters in der Wüste ist still und regungslos. Innerlich ist es aber auch ein Kampf mit sichselbst. Zum einen ein Kampf gegen Hunger und Durst, zum anderen auch gegen all die Notwendigkeiten („Ich muss doch auch noch dies oder jenes tun“), in die wir verstrickt sind. Auch für Jesus ist diese Zeit ein Kampf, innerlich und auch körperlich. Die Stille ist auch ein bewusstes Ringen um die Hinwendung zu Gott. Dabei geht es aber nicht um Selbstüberwindung als Selbstzweck. Jesus wird vom Geist in die Wüste geführt! Der Weg in die Wüste ist eine bewusst bejahte Selbstbeschränkung, um Gott Raum zu geben. Aber dann packt ihn als erste Versuchung das elementare körperliche Bedürfnis des Hungers hart. Die zweite Versuchung ist eine missliche Lage, in die sich Jesus allerdings erst selbst gebracht hatte. In der dritten Versuchung bietet der Teufel Jesus einen Weg zum „Erfolg“ am gehorsamen Leiden vorbei, doch so, dass er dabei seine Gemeinschaft mit Gott verlöre.

 

Erwägungen

1. Verzicht
Gott ist erfahrbar, wenn wir ihn in unserem Leben wirken lassen. Das verträgt sich manchmal nicht mit anderen Dingen, welche unsere Umwelt an uns heranträgt. Dies ist aber keine Zwangsläufigkeit, sondern eine Folge unserer Entscheidung. „Ich kann nicht . . .“ ist viel öfter als wir meinen eigentlich ein „Ich will nicht!“. Fasten oder andere bewusst gewählte Formen der Konzentration können uns hier wesentliche Erfahrungsräume eröffnen. Bewusst etwas weglassen, um Wertvolleres zu gewinnen – Raum und Zeit für Gott in der „Wüste“. Die Erfahrung und Übung von Tagen in der „Wüste“ macht es möglich, den Versuchungen des Teufels zu widerstehen.

2. Stärkung
Die Stille Zeit ist oft ein solcher Raum, der aber gegen die Verlockungen und Scheinzwänge des Alltags verteidigt werden muss. Was uns dies ermöglicht, zeigt uns Jesus Reaktion auf die Versuchungen des Satans. Diese werden nun klar erkennbar. Die Konzentration der „Wüste“, die an Jesus betrachtet wird, gibt aber auch die Kraft, sich der Versuchungen zu erwehren. Der Verzicht ermöglicht Stärkung und Befreiung, weil wir merken können, dass wir nicht von Scheinzwängen abhängen, sondern von der Liebe und Zuwendung Gottes, die für uns täglich erfahrbar ist. Die Welt mag wieder beginnen zu toben, doch uns bleibt ein stilles Stück „Wüste“, das Gott mit seiner Gegenwart füllt.



Florian Wölk

entnommen mit freundlicher Genehmigung aus H. Friebolin/W. Kubik, KommenSehenBleiben Bd. 1, Aussaat/Koinonia 2. Auflage 2008. Copyright Evangelische Communität und Geschwisterschaft Koinonia; ISBN 978-3-7615-5266-1. Siehe auch www.koinonia-online.de


 

       

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