3. Sonntag in der Passionszeit (Okuli)

 

Lukas 9,57-62: Der Ernst der Nachfolge

Loslassen

Was für ein Bild von Gemeinde habe ich vor Augen? Was wünsche ich mir an Gruppen, die mir wichtig sind? Wie, denke ich, wird dieses Bild Wirklichkeit werden? Wo liegt etwas wie ein Berg vor mir? Bin ich angespannt, weil ich dies oder jenes noch erreichen muss? Habe ich Visionen, die mich faszinieren? Glaube ich, dass die Gemeinde, für die dieser Text am Sonntag gepredigt wird, auch gerne auf ein neues Bild von Gemeinde zugeht?


Bild

Die drei kleinen Szenen werden mit einem Gleichnis in V.62 beendet. Es ist ein einfaches landwirtschaftliches Geschehen, das uns vor Augen gemalt wird: der Pflug, der durch den Boden gezogen wird. Der Bauer wird nun auf der andern Seite des Feldes einen herausragenden Baum, einen Findling, ein Gebüsch anpeilen und dann losziehen. So wird die Furche gerade und parallel zur vorigen. Jeweils an jeder neuen Furche entsteht ein neuer Blick und eine neue Ausrichtung für die nächste Furche.
Ich möchte noch ein analoges Bild zur Betrachtung vorschlagen, für diejenigen, denen dieses landwirtschaftliche Bild zu fern ist: die Planung eines Festes oder eines schönen Zusammentreffen. Da gibt es viele kleine Dinge der Vorbereitung, die oft nicht einfach gelingen. Wenn wir dann das Fest als Ganzes wieder vor uns sehen, werden Schwierigkeiten im Hinblick auf das wichtige Ereignis gemeistert. Diesen Blick für das schöne Ziel nicht zu verlieren, ist nicht leicht, aber es lohnt sich wirklich. Organisation, Zubereitung von Speisen, Kleidung, Planungen des Miteinander, auch Inhaltliches wird von der Vorstellung, wie es sein soll, gestaltet.

 

Erwägungen zu den drei Szenen der Berufung

1. Mit Jesus in die Unruhe
Wer den Weg Jesus kennen und verstehen lernt, versteht auch mehr und mehr, warum Jesus sich entschied, sich ganz auf Gottes Willen einzulassen und nach Jerusalem zu ziehen. V.51 beschreibt, wie Jesus sich auf den Weg nach Jerusalem ausrichtet und damit in das Leid, in das, was Menschen ihm antun, hineingeht – aus Liebe. Damit endet die Zeit des lehrenden Rabbi, der heilt und Menschen sieht und Jünger gewinnt. Nun werden auch die Jünger, die mit ihm gehen, diesen Entschluss mittragen. Das ist eine Entscheidung, in die Unruhe hinein zu gehen, gegen die Geborgenheit, die selbst Tiere suchen. Immer wieder sind wir versucht, Ausgleich zu suchen zwischen den Ereignissen unseres Lebens. Wir sagen dann womöglich: „Beides hat seinen Platz – Böses und Gutes“, und meinen darin Frieden zu finden. Damit vermeiden wir aber die echte Spannung, die zwischen beidem liegt. Solche Lösungen bieten sich verführerisch und harmonisierend an, besonders in schweren Zeiten der Nachfolge. Aber das Böse ist überwunden in Jesu Entschluss, ins Leiden zu gehen. Dadurch entsteht nicht einfach Harmonie. Die Unruhe und Härte des Lebens bleiben. Das Schöne liegt in Jesu Person, die frei ist von sich selbst, und ganz für uns den Weg einschlägt, der nun folgen wird. Jesus braucht nicht zuerst für sich zu sorgen, um dann Entscheidungen zu treffen. Durch seine Nähe können die Jünger diesen Weg auch gehen. Sie verstehen also Jesu Worte zu dem, der ihm nachfolgen will.
2. Dem Leben ganz zugewandt, nicht den Aufgaben und Anforderungen
Wir suchen nach Leben, Leben in der Fülle. In der Liebe gibt es diese Erfahrung. Wie kommen Pflichten oder Sachzwänge, die uns beschäftigen, und die Liebe zusammen? Wir suchen beides hinzubekommen und merken, wie durch Pflichterfüllung und Alles-vollkommen-richtigmachen-Wollen die Liebe und das, was wir als wirklich lebendig an uns empfanden, auf der Strecke bleiben. Hier geht es zuerst einmal um die Entscheidung für eine Richtung. Später haben die Jünger auch für vieles gesorgt. Zuerst aber haben sie sich ganz dem lebendigen Gott mit ihrer Seele geöffnet. Sie haben seine Liebe ganz erleben dürfen und begonnen, das weiter zu geben.
3. Mit Jesus öffnet sich die Zukunft erneut
„Ich lasse, was hinter mir ist und strecke mich aus nach dem, was vorn ist.“ (Phil 3,13)Wirklich die schweren Tage hinter sich lassen, die schlechten Erfahrungen mit Menschen, nach dem Zerbrechen von Gemeinschaften und Ehen wieder ganz glauben, dass es einen Weg der Nachfolge und Gemeinschaft gibt – das könnte dieses Wort vom „nicht zurückblicken“ bedeuten. Das heißt nicht, wir vermeiden den Rückblick und lernen nicht aus Erfahrungen. Wir wollen uns aber wieder von etwas Schönem anziehen lassen, das von Gott her schon vorhanden ist. Diese Wende bedeutet Mut, die Reihe der Not und des Versagens nicht zu verlängern und Gottes Entschlossenheit zu einer neuen Wegstrecke und für eine neue Lebensgestalt in unserm Leben zu glauben.

 

Konkretion

Um einen neuen Ansatz für unsere Ziele und das Ziel des Lebens zu finden, brauchen wir Unterbrechungen. Wofür öffnet uns zum Beispiel der Sonntag wieder neu den Blick: Ist der Sonntag eine Unterbrechung der Arbeitspflicht – und schenkt uns Gelegenheit zu mehr Leben und Gemeinschaft als im Beruf oft möglich? Was gibt uns ein hinreißendes Bild von dem, was für uns und andere wirklich wichtig ist, den Mut, nicht erst alles abzusichern und zu besorgen, sondern Phantasie und Liebe in diese Wirklichkeit zu stecken? Erfahrungen, die wir gemacht haben, sollen nicht das letzte Wort haben. Das schon viel nicht geklappt hat und andere nicht mitmachten, soll das Bild unserer zukünftigen Kirche nicht bestimmen.


Nina Dürr

entnommen mit freundlicher Genehmigung aus H. Friebolin/W. Kubik, KommenSehenBleiben Bd. 1, Aussaat/Koinonia 2. Auflage 2008. Copyright Evangelische Communität und Geschwisterschaft Koinonia; ISBN 978-3-7615-5266-1. Siehe auch www.koinonia-online.de

       

      Vorschläge zur Gottesdienstgestaltung im Kirchenjahr,

      Predigtanregungen, Gebete, Buchvorschläge etc. finden Sie auf der Internetseite www.daskirchenjahr.de

       

      Das Kirchenjahr und die alten Kirchenbücher

      Hilfe und Erklärungen für die Suche in alten Kirchenbüchern und der dortigen Zählung der Kirchenjahresdaten bietet die Seite: http://wiki-de.genealogy.net/Kirchenjahr