Erntedankfest

 

Lukas 12,13-21: Größere Scheunen

Loslassen

Das Thema des Erntedanktages ist nicht nur Dank für Arbeit und Auskommen, sondern vor allem für das Verhältnis von materiellem Reichtum bzw. dem Streben nach totaler Sicherheit und dem Reichtum bei Gott. Ähnlich wie die alttestamentliche Lesung des Erntedanktages (Jes 58,7-12) betont die Epistel (2.Kor 9,6-15), dass die Erfahrung von Reichtum bei Gott ein fröhliches und freigebiges Teilen materieller Güter einschließt. Das Verhältnis von materiellem Reichtum und Reichtum bei Gott ist spannungsvoll und verlangt nach Lösungen. Spannungen und Lösungsangebote kennzeichnen auch die Situation, auf die Jesus mit dem Gleichnis antwortet (Verse 13-15): Ein Mann appelliert an Jesus, er solle ein Machtwort zu seinen Gunsten in einer strittigen Erbangelegenheit sprechen. Wie Jesus wenden wir uns ab von den (in uns) streitenden Lösungsvorschlägen und öffnen Augen und Ohren für das, was Gott durch das vorgestellte Bild in uns positiv ansprechen will.

 

Bild

Das Gleichnis beschreibt einen Landbesitzer, der zu großem Reichtum gelangt ist. Das Glück ist ihm wohl gesonnen, und seine Felder bringen gute Ernten ein. Die unerwartet großen Erträge ermuntern ihn, Expansionspläne zu schmieden. Er beschließt, seine alten Scheunen abzureißen und größere zu errichten, um all die Güter fassen zu können. Er sieht vor seinem inneren Auge die neuen Scheunen mit den verschiedenen Getreidesorten und anderen wertvollen Ernteerträgen bereits entstehen. Er freut sich auf ein abgesichertes Leben, ohne Sorgen, voller Entspannung und Genuss. Doch noch bevor er seine Pläne verwirklichen kann, stirbt er unverhofft eines Nachts. An der Schwelle des Todes werden ihm die Augen geöffnet. Er erkennt, dass er im Leben auf falsche Sicherheiten gesetzt hat, die nun nicht tragen.

 

Erwägungen: „Größere Scheunen bauen“

Das Gleichnis stellt die Lebensausrichtung des Landbesitzers als Torheit und damit als Negativbeispiel dar. Der Bauer glaubt, sein Leben und seine Seele mit materiellen Gütern sichern und erfüllen zu können und verfehlt damit sein Leben. Wie ein Leben aussieht, das reich ist im Hinblick auf Gott, bleibt ihm verborgen. Was aber kann die Betrachtung dieses Negativbeispiels in uns bewirken? Kann es helfen, uns „Reichtum bei Gott“ besser vorzustellen? Wir können der schönen Erfahrung von Wachstum und Fülle nachspüren. Der Bauer erwirtschaftet weit mehr, als er erwarten konnte, und freut sich darüber. Die Scheunen können die vielen Güter nicht mehr fassen, sie sind zu klein geworden. Deshalb will er mehr Platz schaffen und neue, größere Scheunen bauen. Kann es das im geistlichen Leben auch geben: die Erfahrung von Gottes Reichtum im eigenen Leben, der mehr Platz braucht? Wie die Scheunen im Verhältnis zu den erwirtschafteten Gütern zu klein geworden sind, so kann auch unser Leben zu klein und zu eng werden. Dabei können wir uns fragen, was wir als geistliche Güter wahrnehmen, was uns geschenkt ist und unser Leben bereichert. Schöpfen wir aus dem großen Schatz geistlicher Güter, wie Lieder, Gespräche, tröstende Worte, und nehmen wir sie in unser Leben? Oder ist unser Lebensentwurf schon festgeschrieben, voll gestopft und abgegrenzt? Ist es an der Zeit, „neue, größere Scheunen“ zu errichten?

 

Konkretion

Wie würden wir das Reich-sein bei Gott beschreiben? Wo können wir diesem Reichtum in unserem Leben mehr Platz einräumen? Wo lockt und drängt es uns, alte Scheunen abzureißen und neue zu bauen? Wo wird dadurch das Geben wieder fröhlich und freigebig?

 

Ortrud Diemer


entnommen mit freundlicher Genehmigung aus H. Friebolin/W. Kubik, KommenSehenBleiben Bd. 1, Aussaat/Koinonia 2. Auflage 2008. Copyright Evangelische Communität und Geschwisterschaft Koinonia; ISBN 978-3-7615-5266-1. Siehe auch www.koinonia-online.de

       

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