Martin Luther und die Reformation
"Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): »Der Gerechte wird aus Glauben leben.«" (Paulus, Römerbrief 1,16f.)
Als Christ und Doktor der Theologie las Luther den Römerbrief - und was er dort las wurde für ihn Grundlage seiner theologischen Gedanken, die die mittelalterliche Kirche in ihren Grundlagen erschüttern sollten. Kein zu erwebender Ablass, keine Bußtaten oder frommen Werke, keine Fürsprache durch Heilige oder Instanzen des Klerus schenkt den Menschen die Gewissheit der Gnade Gottes, sondern allein der Glaube.
"Wer den Protestantismus verstehen will, muss eine Ahnung von der Bedeutung Martin Luthers haben: Alle protestantischen Stimmen berufen sich auf den geistigen Aufbruch, der durch Martin Luther und die Reformation ausgelöst wurde. Martin Luther hat unsere Kultur in den Wurzeln geprägt. Bei ihm treffen wir auf unser eigenes Bewusstsein in der Kulturgeschichte. Das beschränkt sich nicht auf die "protestantischen Kreise", sondern ist eine Aufgabe, der sich katholische und evangelische Christen gemeinsam widmen müssen.
Was kann diese kulturprägende Gestalt Martin Luther also heute bedeuten, wo die abendländische Kultur auf der Suche nach ihren Wurzeln ist? Der Lutherfilm ist ein glänzender Anlass mit der Legende „Luther“ so umzugehen, dass man diesen Film zu einem Bildungsereignis und Event macht."
(Prof. Johanna Haberer, Univ. Erlangen)
Das vollständige Statement von Prof. Johanna Haberer
"Wer den Protestantismus verstehen will, muss eine Ahnung von der Bedeutung Martin Luthers haben: Alle protestantischen Stimmen berufen sich auf den geistigen Aufbruch, der durch Martin Luther und die Reformation ausgelöst wurde. Viele Entwicklungen sind in Gang gesetzt worden, die bis heute die europäische, die westliche Zivilisation tragen. Das gilt besonders für
- die Entwicklung der Nationalstaaten mit ihrer eigenen Sprache, die in Deutschland wesentlich durch Luthers Bibelübersetzung geprägt war.
- Die Berufung auf das an der heiligen Schrift geschärfte Gewissen und damit die Entwicklung zur Autonomie des Individuums („Ich stehe hier und kann nicht anders“ – und keine Instanz dieser Welt kann dem Einzelnen die Entscheidung des Gewissens abnehmen)
- Die respektvolle Trennung von staatlicher und kirchlicher Gewalt
- Bildung als Anspruch, den jeder Mensch erheben kann
- Die Erfahrung, dass Leistung nicht zum Heil führt
- Die Trennung von Person und Werk („Du bist immer noch mehr als die Summe aller deiner Taten und die Summe aller deiner Fehler“)
Martin Luther hat unsere Kultur in den Wurzeln geprägt. Bei ihm treffen wir auf unser eigenes Bewusstsein in der Kulturgeschichte. Das beschränkt sich nicht auf die "protestantischen Kreise", sondern ist eine Aufgabe, der sich katholische und evangelische Christen gemeinsam widmen müssen.
Was kann diese kulturprägende Gestalt Martin Luther also heute bedeuten, wo die abendländische Kultur auf der Suche nach ihren Wurzeln ist? Der Lutherfilm ist ein glänzender Anlass mit der Legende „Luther“ so umzugehen, dass man diesen Film zu einem Bildungsereignis und Event macht."
Martin Luther und der Beginn der Reformation - "Das Drehbuch zum Lutherfilm"
1505: Der junge Martin Luther wird von einem gewaltigen Unwetter überrascht und entgeht nur knapp dem Tode. Unter dem Eindruck dieses „vom Himmel gesandten Schrecken“ gibt er sein Studium der Rechte auf und zieht sich in ein Augustiner-Kloster zurück. Er fastet, betet und beichtet bis zur völligen Erschöpfung, auf der verzweifelten Suche nach einem gnädigen Gott, - einem Gott, den er lieben kann und der ihn liebt.
Um Luther von seinen Anfechtungen zu erlösen, schickt ihn sein Mentor, der General-Vikar des Ordens, Johann von Staupitz, zunächst nach Rom und später zum Theologiestudium nach Wittenberg. Durch seine Pfarrtätigkeit in der Gemeinde und durch intensives Bibelstudium versteht er schließlich die wahre Natur Gottes und findet geistigen Frieden.
95 Thesen
Zur ersten Auseinandersetzung zwischen Luther und der Kirche kommt es, als Papst Leo X. beschließt, den Neubau des Petersdoms in Rom durch Ablassbriefe zu finanzieren. Der Kauf dieser Ablassbriefe garantiert gottesfürchtigen Christen die Vergebung ihrer Sünden und einen sicheren Platz im Himmel. Luther ruft zur akademischen Disputation über diese zweifelhaften Praktiken auf. In 95 Thesen, die er an die Kirchentür zu Wittenberg nagelt, fordert er Rom auf, den Ablasshandel zu unterbinden.
"Denn was sagt die Schrift? »Abraham hat Gott geglaubt und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden.« (1.Mose 15,6) Dem aber, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnade zugerechnet, sondern aus Pflicht. Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit." (Paulus, Römerbrief 4,3-5)
Rom verlangt den Widerruf der Thesen, doch Luther bleibt standhaft. Von Papst Leo X. exkommuniziert, muss sich Luther auf dem Reichstag zu Worms vor Kaiser Karl V., dem mächtigsten Herrscher der Welt, verantworten. Doch auch hier ist Luther nur bereit zu widerrufen, falls man ihm anhand der Bibel nachweist, dass er im Unrecht ist. Luther wird zum Ketzer erklärt. Von nun an ist er vogelfrei.
"Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus". (Paulus, Römerbrief 5,1)
Schutzhaft auf der Wartburg
Während seiner Rückreise nach Wittenberg lässt Friedrich der Weise ihn in Schutzhaft nehmen und auf die Wartburg entführen. Hier übersetzt Luther das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche, damit auch einfache Menschen das Wort Gottes lesen und verstehen können.
Richtige Lehren und falsche Schlüsse: blutige Bauernaufstände
Luthers Lehren finden immer mehr Anhänger. Doch der Preis dafür ist hoch: Sein spiritueller Kampf schlägt in Aufruhr um. In Wittenberg zerstören die Bauern mit Karlstadt, Luthers ehemaligem Professor, an der Spitze Heiligenbilder und setzen die Kirche in Flammen. Als Junker Jörg verkleidet kehrt Luther in die Stadt zurück und beendet das schändliche Treiben.
Doch außerhalb von Sachsen kommen die Bauernaufstände nicht zur Ruhe. Von Luther zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung ermutigt, geben die deutschen Landesherren eine entschlossene Antwort: Hunderttausend Bauern werden niedergemetzelt. Als er mit eigenen Augen sehen muss, was seine Lehren angerichtet haben, fällt Luther in tiefe Verzweiflung.
Katharina von Bora
In dieser wohl dunkelsten Stunde seines Lebens begegnet er Katharina von Bora, die mit acht ihrer Ordensschwestern aus dem Kloster Nimbschen nach Wittenberg geflohen ist. Bei der beherzten, so viel jüngeren "Käthe" findet er Trost und Beistand. Sie überzeugt ihn, mit ihr in den Stand der Ehe zu treten. In ihrer Hochzeitsnacht werden sie dramatisch an die Todesgefahr erinnert, in der all jene schweben, die sich gegen Kirche und Staat auflehnen.
"Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist." (Paulus, Römerbrief 3,22-24)
Luther erreicht die Nachricht, dass Kaiser Karl V. die deutschen Landesherren nach Augsburg berufen hat, um sie dort zur Abkehr von seinen Lehren zu zwingen. Katharina fleht Luther an, nicht nach Augsburg zu reisen, da ihm außerhalb Sachsens der sichere Tod droht. Doch Luther will und kann nicht aufgeben. Während eines geheimen Treffens in Coburg beschwört er die Landesherren, ihrem Glauben treu zu bleiben: Geben sie sich geschlagen, ist seine Reformation zum Scheitern verurteilt.
"Protestanten"
Während Luther und Katharina in Wittenberg auf Nachrichten aus Augsburg warten, bieten die Landesherren Kaiser Karl V. auf dem Reichstag mutig die Stirn: Bevor sie ihren Glauben und Gottes Wort verleugnen oder Luthers Lehren abschwören, lassen sie sich eher den Kopf abschlagen.
Melanchthon überreicht dem Kaiser das Glaubensbekenntnis der Protestanten, das zum ersten Mal öffentlich verlesen wird.
Von nun an ist die Reformation nicht mehr aufzuhalten...
"Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn." (Paulus, Römerbrief 8,38f.)
