Gedenktag der Reformation

 

Matthäus 5,1-10 Unser neues Sein in Jesus

Siehe Bildtafel IV (im Buch...)

Bild:

Jesus sieht das Volk. Er geht auf einen Berg und spricht zu den Jüngern, die ihm gefolgt sind. Dann kommen immer mehr suchende Menschen hinzu. Er spricht Worte, die durch sein Dasein ganz lebendig und erfüllend sind: „Die Gottesherrschaft ist jetzt zu euch gekommen! In mir ist Gott der Vater ganz nah bei euch und erfüllt nun seine Verheißungen.“ Wir wollen mit den Jüngern bei Jesus sitzen.
Sie wissen von der Not im Volk und in ihren Familien und im eigenen Leben. Aber sie sind jetzt auch voll von Freude und Erwartung. Da hat Jesus sie angesteckt. Die Bergpredigt beginnt Jesus mit acht Seligpreisungen. Er spricht hier nicht von Tugenden oder vom Tun, sondern er spricht von unsrem neuen Sein in ihm. Das Bild zeigt die Michaelskirche in Fulda. Der runde Kirchenraum wird von acht Säulen getragen. Wir können uns vorstellen, dass jede dieser Säulen einer Seligpreisung entspricht. Die Säulen halten den Raum frei für Begegnungen mit Gott, für eine Gemeinschaft, für Einzelne. Hier ist Raum für das Heilige, für Jesu Gegenwart, wenn er zu uns sagt, das Himmelreich ist nahe. Wenn ich in diesen Raum komme, ist ein anderes Licht da, ich spüre etwas von Gottes Kraft. Es ist ein Trost und Frieden da, sie umfangen mein Herz. So ist es den Jüngern ergangen, wenn sie Jesus zuhörten. Die Zeit bleibt stehen. Durch seine Gegenwart sahen sie etwas von der ewigen Schönheit Gottes. So wie in diesem Kirchenraum soll für uns auch in den Seligpreisungen spürbar werden: Du bist jetzt in Jesu Augen heil und ganz. Du hast als Gottes Kind in der Gemeinschaft mit anderen Kindern Gottes ein neues Sein. Dieses neue Sein ist durch Jesu Gegenwart in deinem Leben geschenkt.

 

Erwägungen

 1. Zu den Versen 3.4.6 und 10: In der Tswana-Bibel steht für selig „glücklich“. Glück haben bedeutet beim Volk der Tswanas in Südafrika mehr Leben, Kraft und Reichtum. Aber hier spricht Jesus von großem Mangel, von Schmerzen. Es geht um elende und arme Menschen, die äußerlich und innerlich alles von Gott erwarten müssen. Hunger und Durst, das ist ganz starkes Verlangen. Jesus hat diesen Mangel und die Nöte bei den Menschen gesehen. Er sieht sie auch heute bei uns, bei den vielen, die jetzt an AIDS erkrankt sind, die körperlich lange daran leiden und zu oft auch ausgegrenzt und schuldbeladen sterben müssen. Er sieht, wie wir und die Menschen, mit denen wir leben, bedrängt sind. Jesus hat keine Angst vor dieser Not. In Jesu eigenem Leben waren dieser Mangel und die Not da. Obwohl er uns das Ende dieses Mangels und der Not selber bringt, war diese Erfüllung in seinem eigenen Erdenleben noch verhüllt. Jesus bringt hier durch seinen Zuspruch einen großen Trost in unser Leben. Gerade da, wo wir ratlos sind über unsere eigenen Grenzen und Schwächen, über Not, die in dieser Welt bleibt, da sind wir ganz und gar abhängig von Jesu Rettungstat. Und in diese Abhängigkeit einzustimmen und froh darin zu leben und zu wachsen, das macht uns „selig“, das ist zu unserem Wohl. Ziel dieser Erwägung ist es, zu sehen, wie unsere Sehnsucht nach Leben und die Sehnsucht aller Menschen hier in der Gegenwart Jesu ihr Ziel finden.
2. Zu den Versen 5 und 7 bis 9: Auch hier geht es primär nicht um unser Tun. Es geht zunächst um Gottes Tun, das wir an uns erleben und empfangen. Gott ist uns gegenüber unendlich barmherzig und sanftmütig, und er versöhnt uns immer wieder mit sich, mit uns selbst und mit unseren Geschwistern. Das menschliche Verhalten, das hier beschrieben wird, fließt aus einem Überfluss von Gottes Tun wieder zu ihm und weiter in die Welt. Auch dieses neue Verhalten ist ein von Jesus geschenktes Sein. Damit werden die Jünger (und wir) zu „Agents of change“. Wir sind ja Zeugen dafür, dass das Himmelreich wirklich ist in unsrer Vertrauensbeziehung zu Jesus Christus. Jesus spricht uns hier zu, dass wir schon etwas von seiner Art in diese Welt tragen. Das sind Verheißungen und Trostworte, die in ihrer Kraft und Gewissheit stärker sind als der Tod.

 

Konkretion

1. Wie richte ich mir mitten im Alltag und mitten in meinem Mangel Raum für die Begegnung mit dem Heiligen ein? Woran scheitert das? Was kann ich da ändern?
2. Welche Seligpreisung spricht mich besonders an? Warum? Wie kann ich ihren Zuspruch und ihre Herausforderung in mein Leben übersetzen? (Z. B. „Selig die Barmherzigen“: Ich möchte geben, ohne etwas zurück zu erwarten.)
3. Welche Seligpreisung stellt mir bestimmte Menschen vor Augen, mit denen ich im Gespräch bin (z. B. in der Kirchengemeinde oder im Beruf)? Warum? Was für einen Blick schenkt sie mir für das Leben dieses Menschen?

 

Dr. Angelika Krug

entnommen mit freundlicher Genehmigung aus H. Friebolin/W. Kubik, KommenSehenBleiben Bd. 1, Aussaat/Koinonia 2. Auflage 2008. Copyright Evangelische Communität und Geschwisterschaft Koinonia; ISBN 978-3-7615-5266-1. Siehe auch www.koinonia-online.de

       

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