Ewigkeitssonntag
Matthäus 25,1-13: Gut vorbereitet sein
Loslassen
Das Bild der Hochzeit in dem Text gibt uns einen Anhaltspunkt: Für jede Hochzeit, zu der wir eingeladen sind, werden wir unser Haus verlassen und unseren Alltag zurücklassen. Wir gehen weg von Zuhause und bereiten uns vor für die Feier, indem wir uns schick machen, ein Geschenk kaufen oder Ähnliches. In der Erwartung von Fröhlichkeit und Gemeinschaft bei einer Feier lassen wir die Arbeit, den Stress, Sorgen, evtl. auch Langeweile zurück. So lasst uns nun aufbrechen zu einer neuen Begegnung mit unserem Gott und seinem Wort, zu einer neuen Hoch-Zeit für unsere Beziehung mit ihm.
Bild
Die Vorstellung einer jüdischen Hochzeit ist mir in Europa immer sehr fremd gewesen, hier in Äthiopien ist es wesentlich leichter, sich dies vorzustellen, da die äthiopischen Sitten den jüdischen ähneln. Der Bräutigam ist mit Freunden und Verwandten aus seinem oder seines Vaters Haus aufgebrochen, um die Braut aus ihrem Elternhaus abzuholen. Während der Bräutigam unterwegs ist, laufen in seinem Haus die Vorbereitungen auf Hochtouren, um alles für die große Einladung am Abend fertig zu stellen (bes. natürlich das Essen). So herrscht im Haus des Bräutigams und drum herum große Betriebsamkeit. Leute kommen und gehen, und vor allem warten alle. Es ist unüblich, eine Braut vor der Dunkelheit nach Hause zu führen (besonders auf dem Lande in Äthiopien).
Die zehn Jungfrauen oder junge Frauen gehen also zu seinem Haus und sind nicht mit dem Hochzeitszug zum Brauthaus mitgegangen. Da sie die Hochzeitskultur kennen und um die Verspätung eines Brautzuges wissen, nehmen sie alle Lampen mit. Die Frauen unterscheiden sich nur im Mitnehmen bzw. Nichtmitnehmen von zusätzlichem Öl für die Lampen. Ist dies auf eiligen Aufbruch oder Vergesslichkeit zurückzuführen? Anders als bei äthiopischen Hochzeiten scheinen die eingeladenen Gäste nicht im Haus des Bräutigams zu warten, sondern draußen vor der Tür. Das Warten bis Mitternacht kann man sich nicht lang genug vorstellen: Es wird dunkel, irgendwann sind alle Neuigkeiten ausgetauscht, alle Arbeiten im Hochzeitshaus sind erledigt, es bleibt nichts als Müdigkeit. Alle schlafen ein, was nur zu natürlich ist. Als ein Vorbote des Hochzeitszuges das Kommen des Bräutigams ankündigt, kommt nun dagegen große Aufregung und Hektik auf. Aufgrund der Tageszeit und der nicht vorhandenen Elektrizität ist Licht die wichtigste Frage. Da die Lampen der jungen Frauen sicherlich schon am Abend vor ihrem Einschlafen benutzt worden sind, ist nun die Frage des Nachschubs von Öl entscheidend: Wie schnell sind sie bereit, dem Bräutigam entgegen zu ziehen? Haben alle zehn jungen Frauen den Abend bisher gemeinsam verbracht, trennen sich nun ihre Wege. Die Klugen sind schnell fertig, begrüßen den Bräutigam und ziehen mit ihm ins Haus. Auffällig ist an ihnen, dass sie nicht abgeben, was doch sonst eine Tugend ist. Die Törichten müssen nun eine entscheidende Vorbereitung nachholen und erst zum Laden laufen (wo erstaunlicherweise noch um Mitternacht Öl zu kaufen ist). Bis ihre Lampen wieder brennen, ist es zu spät. Während bei einer äthiopischen Hochzeit bis tief in die Nacht ein reges Kommen und Gehen herrscht, wird hier die Tür verschlossen und trotz heftiger Bitten nicht mehr aufgemacht. Zu spät – ausgeschlossen.
Als einem wichtigen Detail aus dem Text können wir uns noch der Lampe zuwenden: Stellen wir uns eine Öllampe vor (oder stellen sie vielleicht vor uns hin). Was für Bestandteile hat sie? Gefäß, Docht, Öl, evtl. ein kleines Rädchen, um die Flamme größer oder kleiner zu stellen. Wie funktioniert die Lampe? Durch Verbrennen von Öl, das Gefäß ist nur als Fassung nötig. Was ist die Wirkung der Lampe? Licht in der Dunkelheit.
Erwägungen: Vorbereitet leben
Dieses Gleichnis steht für das Kommen des Himmelreiches und den Zugang zu ihm, für die Wiederkunft Christi, so im Einleitungssatz (V.1) und in Kapitel 24,3.Wir alle leben unser Leben und mühen uns, den Alltag zu bewältigen, je nach Charakter und Lebenssituation mehr rennend und rasend oder auch schleichend. Werden wir nicht durch dramatische Ereignisse wie z. B. die des 11. Septembers 2001 erschüttert, vermute ich, dass für die meisten von uns das Thema „Christi Wiederkunft“ nicht an erster Stelle in unserem Leben steht. Gerade aus diesem Grund ist Christi Wiederkunft im Kirchenjahr zu bestimmten Zeiten Thema, damit wir uns bewusst damit beschäftigen, so wie jetzt am Ende des Kirchenjahres und in der Adventszeit. Wenn Christus nun jetzt käme (entweder weil ich sterben muss oder weil die Welt ihrem Ende entgegenginge): Wie würde Jesus mich vorfinden? Dass er mich schlafend vorfände, ist nach diesem Gleichnis nicht der Hauptanstoß. Die Frage ist: Bin ich vorbereitet? Ist meine Beziehung zu Jesus so lebendig und erfüllt, dass ich ständig mit seiner Gegenwart und seinem Kommen rechne? Für den Fall, dass er mich schlafend und unvorbereitet antrifft, bleibt zu fragen, warum dies so ist. Ich habe doch einmal bewusst in meinem Leben eine Beziehung mit Gott angefangen und wusste mich als sein Kind. Wo hat sich diese lebendige Beziehung zu ihm in eine Beziehung mit „leerem Tank“ verwandelt? Nachfüllen in letzter Minute, also eine Last-minute-Aktion, sonst angepriesen und preiswert, ist im geistlichen Leben nicht möglich. Die verschlossene Tür macht den Ernst und die Schwere der Situation mehr als deutlich. Eine Beziehung zu Gott kann ich im entscheidenden Moment nicht ausborgen oder verleihen, die muss jede/r selbst haben bzw. leben.
Konkretion
Was heißt Vorbereitet-sein übertragen auf geistliches Leben?Was ist geistliche Wachsamkeit und wie erhalte ich sie mir?
1. Wenn ich mein eigenes Leben betrachte: Was muss ich tun, um mein eigenes Vorbereitet-sein zu erhalten? Wie sieht das Nachfüllen meiner „Glaubenslampe“ aus? Wo erlebe ich dies?
2. Die allermeisten von uns arbeiten in einer Gemeinde als MitarbeiterIn: Wenn ich mir die Menschen aus meiner Gruppe vor Augen führe, wie sieht es mit ihrem Vorbereitet-sein und ihren Glaubenslampen aus? Im letzten Moment können wir nicht teilen und abgeben. Wie können wir darauf hinwirken, dass alle vorbereitet warten?
Ursel Behrends
entnommen mit freundlicher Genehmigung aus H. Friebolin/W. Kubik, KommenSehenBleiben Bd. 1, Aussaat/Koinonia 2. Auflage 2008. Copyright Evangelische Communität und Geschwisterschaft Koinonia; ISBN 978-3-7615-5266-1. Siehe auch www.koinonia-online.de

