Fischer: Landeskirche lud Schuld in der nationalsozialistischen Herrschaft auf sich
Landesbischof bittet um Vergebung für erlittenes Unrecht
Karlsruhe (14.10.08). Aus Anlass einer Gedenkfeier für den ehemaligen Durlacher Pfarrer Kurt Lehmann in Karlsruhe bat Landesbischof Ulrich Fischer am Dienstag die Tochter des im Jahr 1935 zwangspensionierten Pfarrers jüdischer Herkunft um Vergebung für das erlittene Unrecht. Fischer erinnerte dabei an den offenen Umgang der Landeskirche mit ihrer eigenen Geschichte.
„Unsere Landeskirche hat in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft schwere Schuld auf sich geladen“, sagte Ulrich Fischer. Nur über den mühsamen Prozess der Erinnerung sei Vergebung möglich. Die Landeskirche habe sich in den zurückliegenden Jahren bemüht, die schuldhafte Geschichte der Landeskirche aufzuarbeiten. Dazu gehörten eine umfangreiche sechsbändige Dokumentation über die Kirchengeschichte in den Jahren 1933-45 mit zahlreichen Dokumenten und Lebensbildern, sowie der Besuch der noch lebenden französischen Männer, die in der Zeit des Zweiten Weltkrieges bei der Evangelischen Pflege Stiftung Schönau als Zwangsarbeiter verpflichtet waren.
Am 22. April 1999 hatte Fischer zusammen mit der Synodalpräsidentin Margit Fleckenstein und dem damaligen geschäftsleitenden Oberkirchenrat Beatus Fischer eine gemeinsame Erklärung abgegeben, dass die Landeskirche besonders Pfarrern jüdischer Herkunft und ihren Familien besonders Unrecht zugefügt habe.
Gleiches erfuhr auch der Durlacher Pfarrer Kurt Lehmann (1892-1963), der bereits 1933 in Konflikte mit der örtlichen NSDAP geriet, da er unter anderem das Fürbittengebet für den Führer verweigerte. Lehman erhielt Predigtverbot. Nachdem er eine Versetzung ablehnte, wurde Lehmann 1935 durch die badische Kirchenleitung zwangspensioniert. Nach 1945 kämpfte Lehmann vergeblich um seine Rehabilitierung, erst 1948 wurde er wieder unter die badischen Pfarrer aufgenommen. Bis 1959 wirkte Lehmann dann noch als Pfarrer in Mannheim.
Solche Biographien müssten das Bewusstsein für die Verantwortung der Kirchenleitung auch in heutiger Zeit schärfen, sagte der Landesbischof in seiner Erklärung, die er im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Evangelischen Erwachsenenbildung, der Stadtkirchengemeinde Durlach und dem Freundeskreis Pfinzgaumuseum Durlach anlässlich des 70. Jahrestages der Reichspogromnacht abgab.
