Bankenkrise: Wirtschaft braucht ethische Maßstäbe

 

Unternehmen sollen gerechte Teilhabe und Transparenz zum Leitbild machen

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Finanzkrise im Spiegel der Presse

Bad Herrenalb (24.10.08). Eine rein an persönlichem Gewinn orientierte Wirtschaft prangert der badische Landesbischof Ulrich Fischer an. Auf einer Tagung zu „Unternehmerischem Handeln in evangelischer Perspektive“ in der Evangelischen Akademie Baden forderte Fischer am Freitag zudem eine hohe Transparenz der Finanzmärkte und Unternehmen.

Die Bankenkrise, Steuerhinterziehung von Spitzenmanagern und deren teilweise unverantwortlichen Gehälter seien Beispiele verantwortungslosen wirtschaftlichen Handelns. Gegenüber der Wirtschaftselite in unserem Land sei das Vertrauen gesunken, so Fischer. „Wenn Menschen in höchsten Gehaltsklassen nie genug bekommen können und dann auch noch meinen, auf unlautere Weise Steuern sparen zu dürfen, dann handelt es sich um einen Bruch des Rechts und Diebstahl an der Gemeinschaft“, stellte Fischer klar.

Unternehmen müssten vertrauensbildende Maßnahmen ergreifen. Dazu gehöre es, ein Leitbild der Ökonomie des Genug und der gerechten Teilhabe umzusetzen. Fischer forderte Vermögende dazu auf, den Staat nicht unter Druck zu setzen, um Steuersenkungen für Vermögende zu erreichen. Fischer forderte eine dem Gemeinwohl zugute kommende Vermögenssteuer und stellte sich hinter die Initiativen „Vermögende für Vermögenssteuer“ sowie „Solidarischer Lohn“.

Zu einer verantwortungsbewussten Wirtschaft gehöre auch ein hohes Maß an Transparenz. „Der Bankencrash der letzten Monate hat gezeigt, wie dringend notwendig es ist, ethische Maßstäbe für das Verhalten an der Börse zu entwickeln und ihre Einhaltung zu kontrollieren“, sagte der Landesbischof. Bezüge von Managern müssten durchsichtig sein und ihr Wachstum gedeckelt werden. „Es ist nicht zu rechtfertigen, dass Einkünfte von Spitzenmanagern sprunghaft nach oben steigen, während die Arbeitnehmereinkünfte unter Verweis auf Kostengründe sehr oft nicht einmal mit dem Kaufkraftverlust Schritt halten“, beklagte Fischer.

Gleichzeitig lobte Fischer, dass zahlreiche mittelständische Unternehmen eine hohe gesellschaftliche Verantwortung wahrnähmen. „Vielerorts ist der Mittelstand das Rückgrat einer Region nicht nur in wirtschaftlicher Perspektive, sondern genauso im Bereich der Kultur, des Sports, in Bildung und Wissenschaft, im schonenden Umgang mit Ressourcen.“ Wirtschaftliches Handeln müsse auch von den Großunternehmen wieder als kulturelles Handeln begriffen werden. „Die Effizienz der Wirtschaft muss sich mit einer klaren Werteorientierung verbinden.“

  • Den Vortrag im Wortlaut finden Sie unter Landeskirche & Gemeinden > Landesbischof & Prälat/in > Predigten und Texte: Freiheit in Verantwortung