Erschrocken über Fremdenhass, Ausgrenzung und Unbußfertigkeit
Landesbischof Fischer predigte am Buß- und Bettag in der Freiburger Pauluskirche
Freiburg (19.11.08). „Wo Buße aufhört, dort ist es auch mit der Humanität zu Ende“. Dies sagte der badische Landesbischof Ulrich Fischer bei seiner Predigt zum Buß- und Bettag am Mittwoch in der Freiburger Pauluskirche. Der Bischof griff das Gedenken an die Novemberpogrome von 1938 auf und stellte die Frage, wie „angesichts einer gemeinsamen Schuld- und Tätergeschichte unseres deutschen Volkes“ heute wieder zu einer nationalen Identität zu finden sei.
Der Bußtag sei ein „Haltepunkt“ im Jahreslauf, der siebzig Jahre nach den Novemberpogromen zu einem genauen Erinnern auffordere, das nicht vorschnell die Perspektive von Tätern und Opfern unter einem pauschalen ‚Wir’ verunklare. Im Eingestehen „der Schuld unseres Volkes vor Gott“ könne auch der Weg zueinander gefunden werden. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 sei die „Bosheit“ als ein öffentliches Ereignis sichtbar gewesen, so Fischer. Da sei „die Saat gesät worden, die in den Vernichtungslagern von Auschwitz und Treblinka tödlich aufgehen sollte“. Gottes Ehre selbst sei auf den Scheiterhaufen des menschlichen Hasses geopfert worden.
In seinen Überlegungen zu dem biblischen Psalm 74, einem Klagepsalm der jüdischen Bibel, erklärte der Landesbischof, dass der „Weg echter Buße“ nur mit der Bitte um Gottes Erbarmen“ zu beschreiten sei. Noch heute gäbe es ein Erschrecken über die Entehrung von Gottes Namen, in jener biblischen Zeit und bei dem Geschehen vor 70 Jahren. Aktuell gäbe es ein Erschrecken über die „Unbußfertigkeit in unserem Land“. Immer wieder müssten Menschen, die in Deutschland Zuflucht und Heimat gefunden hätten, Gewalt leiden, während viele andere zuschauten. Die Angst vor Fremden sitze auch „bei uns“ tief. „Wir erschrecken über das Maß an Ausgrenzung in unserem Land“, sagte Fischer.
Der Bischof betete für die Opfer, die in der sogenannten Dritten Welt verhungern und verdursten, die durch die Gewalt unseres „unmäßigen Lebensstils“ ins Elend geführt werden. Er betete für die Menschen, die aus Afrika kommend im Mittelmeer ihr Leben verlieren, „weil wir Europa zu Festung ausgebaut haben“. Durch Buße müsse der Weg zu Gott und zu den Menschen im „gemeinsamen Haus der Erde“ gefunden werden. (gh)
Die Predigt von Landesbischof Ulrich Fischer im Wortlaut können Sie hier nachlesen:
