"So werden andere aufmerksam darauf, dass es nicht allen Kindern gut geht."

 

Großer Erfolg der ersten KinderVesperkirche Deutschlands in der Evangelischen Jugendkirche Mannheim

Flyer zur KinderVesperkirche

(09.12.08) Seit zwölf Jahren findet in der Mannheimer CityKirche Konkordien im Winter vier Wochen lang die Vesperkirche statt. Analog dazu gab es in der ersten Dezemberwoche nun zum ersten Mal - und einmalig in Deutschland - eine KinderVesperkirche, um auf die wachsende Zahl von über 8.000 Kindern aufmerksam zu machen, die in Baden-Württembergs zweitgrößter Stadt in Armut leben.

Jeden Tag besuchten weit über 100 Schulkinder die KinderVesperkirche in der evangelischen Jugendkirche. Dabei wurden ganze Schulklassen eingeladen, täglich etwa fünf bis sechs. "Dadurch vermeiden wir, dass sich Kinder als bedürftig outen", so Peter Hübinger, Direktor des Diakonischen Werks. "Besonders bei Kindern ist die versteckte Armut groß. Niemand möchte zu erkennen geben, dass das Geld daheim zu knapp ist".

Das Besondere an der KinderVesperkirche: Es gab nicht nur warme Mahlzeiten, Gespräche und Andachten, sondern auch Spiel und Spaß:
"Es ist toll zu erleben", so Stadtjugendpfarrer Bernd Brucksch, "mit welcher Selbstverständlichkeit sich die Kinder hier bewegen, von denen sehr viele zum ersten Mal in dieser Kirche sind."
Am Mittwoch zum Beispiel besuchten 140 Schulkinder die KinderVesperkirche. Allein von der Geschwister-Scholl-Hauptschule von der Vogelstang waren drei Klassen da. Nach dem Mittagessen füllte sich die Kreativwerkstatt rasch mit eifrigen Bastlern: Weihnachtssterne und Fensterbilder entstanden, selbstgemachte Kerzen und bunt beklebte Gläser.
In einer der Glasboxen musizierten SchülerInnen mit Ekkehard Stadler, Musikbeauftragter der Jugendkirche. Auf der gegenüberliegenden Seite konnten sie bei einem Fühl-Adventskalender erspüren, welche Gegenstände sich in den von 1 bis 24 durchnummerierten Socken befanden, die an einer Schnur aufgehängt waren.
Die Sakristei war in eine Märchenstube umgewandelt, in der die Kinder mucksmäuschenstill den vorgelesenen Geschichten lauschten.

Die SchülerInnen fühlten sich in der KinderVesperkirche sichtlich wohl, viele wollen wieder hierher kommen.
"Das ist schon gut, dass wir hier kostenlos essen können", ist von ihnen ebenso zu hören wie: "So werden andere aufmerksam darauf, dass es nicht allen Kindern gut geht."

 

"Sind Kinder in Gefahr, dann müssen die Christen für sie aktiv werden"

Nach einer Woche endete die KinderVesperkirche am Nikolaustag. An diesem Tag waren erstmals nicht Schulklassen eingeladen, sondern alle Interessierten.
Viele SchülerInnen, Familien, viele Mütter mit ihren Kindern kamen in die evangelische Jugendkirche auf dem Waldhof, und auch zahlreiche der ehrenamtlichen Helfer, die die KinderVesperkirche mit getragen hatten.

"Kinder sind der eigentliche Schatz der Kirche", sagte Stadtjugendpfarrer Bernd Brucksch in seiner Abschluss- und Nikolaus-Ansprache. "Sind Kinder in Gefahr, dann müssen die Christen für sie aktiv werden". Diese Erkenntnis des Bischofs Nikolaus sei auch in die KinderVesperkirche mit eingeflossen.

 

Großes Engagement

Finanziert wurde die KinderVesperkirche aus Spenden. Prominente Unterstützung erhielt die KinderVesperkirche u. a. durch die "Adler Mannheim", die nicht nur mit einem Scheck über 7.000,- einen wesentlichen finanziellen Grundstock für das Projekt geschaffen hatten, sondern sich auch vor Ort engagierten:
Udo Scholz, Stadionsprecher der ADLER MANNHEIM, der nahezu jeden Tag in der KinderVesperkirche war, erschien am Samstag mit Mitra und Bischofsstab als Nikolaus und auch fast die komplette ADLER-Mannschaft kam an diesem letzten Tag in die KinderVesperkirche, mischte sich unter die Gäste und gab Autogramme. Mit Nikolaustüten, die der Verein "Adler helfen Menschen" gefüllt hatten, gingen die rund 160 Gäste nach Hause.

Allen Mithelfern der KinderVesperkirche dankte Dekan Günter Eitenmüller für das große Engagement, das diesem in Deutschland bisher einmaligen Projekt zu einer so positiven Resonanz verholfen hatte.

Die KinderVesperkirche soll zukünftig einmal im Jahr stattfinden.

Mehr dazu bei der Evangelischen Kirche in Mannheim: www.ekma.de

Quelle: Ev. Kirche in Mannheim (Kirsten de Vos)