In der Krippe berühren sich Himmel und Erde

 

Landesbischof Fischer: Weihnachten setzt in Bewegung

Karlsruhe (25.12.08). „Die Weihnachtsbotschaft von der Menschwerdung des himmlischen Gottes gilt gerade jenen, die sich in dieser Welt benachteiligt und an den Rand gedrängt fühlen“, sagte der badische Landesbischof Ulrich Fischer am ersten Weihnachtsfeiertag in der Karlsruher Stadtkirche. Gottes Kraft sei in den Schwachen mächtig, deswegen sei Weihnachten eine Trostbotschaft für die Schwachen und eine Aufforderung an die Starken, den Schwachen zu helfen.

„Die Welt gerät an Weihnachten aus den Fugen“, erläuterte der Bischof die Tatsache, dass der himmlische Gott nicht in einem Palast, sondern in einer Krippe zur Welt komme. „Nicht menschliche Hoheit und Macht sind gefragt, sondern Bedürftigkeit, die um ihr Angewiesensein auf die heilsame Gnade Gottes weiß“, so Fischer. Die Orte, an denen sich Himmel und Erde berührten, seien daher nicht die Machtzentren der Welt, sondern „alle jene Orte, an denen Menschen sich ihrer Bedürftigkeit bewusst werden und sich dem Himmel Gottes öffnen“. Viele scheinbar unangreifbare Machtzentren seien in den letzten Wochen zusammengestürzt und hätten sich als Scheinwelten entpuppt, sagte der Bischof im Blick auf die Finanzkrise. „Gott aber kommt nicht hinein in eine Scheinwelt, sondern an einen unscheinbaren Ort zu unscheinbaren Menschen.“ Gott begebe sich nicht in die Zentren der Macht, seien dies nun die militärischen oder die wirtschaftlichen, er begibt sich an die tiefsten Orte, um Menschen an diesen Orten zu ermächtigen“, so der Bischof weiter. Wie die Hirten  zur Krippe setze Weihnachten die Menschen in Bewegung „hin zu Menschen, die bedürftig sind, in Bewegung hin zu den Orten, in die hinein Gott selbst sich erniedrigt hat“.

Der Chor der Engel „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden“ mache deutlich, dass das Lob Gottes und der Wunsch nach irdischem Frieden zwei Seiten derselben Medaille seien: „Nur wer für den Frieden auf Erden eintritt, hat das Recht jubelnd das Ehre sei Gott in der Höhe anzustimmen“, so Fischer.

Im Zentrum der Predigt des Landesbischofs stand die zweite Kantate des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach, das der Bach-Chor Karlsruhe unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Christian Markus Raiser im Gottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertag in der Karlsruhe Stadtkirche aufführte.


Die Predigt im Wortlaut können Sie nachlesen unter Landeskirche & Gemeinden > Landesbischof & Prälat/in > Predigten und Texte