Oberkirchenrat Michael Nüchtern verstorben

 

Theologe hat wesentliche Impulse für die kirchliche Arbeit gegeben

OKR Michael Nüchtern

(8.07.10) Nach schwerer Krankheit ist Oberkirchenrat Michael Nüchtern am 7. Juli 2010 im Alter von 60 Jahren verstorben. Er leitete das Referat Theologie, Gemeinde und Verkündigung. Aus gesundheitlichen Gründen gab er im September 2009 die Leitung ab. Bis zu seinem Tod war Nüchtern als Referent für Theologische Grundsatzfragen tätig. Für Landesbischof Ulrich Fischer ist der Tod Nüchterns ein „außerordentlich schwerer Verlust“. Nüchtern habe über Jahre hinweg die Landeskirche theologisch geprägt und den Dialog zwischen Kirche, Welt und Gesellschaft mit wesentlichen Impulsen vorangebracht.

„Die Evangelische Landeskirche in Baden sowie die Evangelische Kirche in Deutschland sind dankbar für das Wirken Michael Nüchterns, wir haben ihm viele Anregungen und wesentliche Impulse zu verdanken“, sagte Fischer. Michael Nüchtern hätten besonders die Schnittstellen zwischen Kirche und Welt am Herzen gelegen. Sein Buch „Kirche bei Gelegenheit“ habe mit Thesen zur kirchlichen Arbeit in einer zunehmend säkularisierten Welt eine ganze Theologengeneration geprägt, so Fischer. Nüchtern gehörte auch zu den Autoren des EKD-Reformpapiers „Kirche der Freiheit“. Er war einer der Motoren des Reformprozesses der Evangelischen Kirche in Deutschland. Im Bereich des Gottesdienstes und der Liturgie habe Nüchtern zeitgemäße Anregungen gegeben und die derzeitige Gottesdienstkultur in der badischen Kirche geprägt.

Nüchtern wurde 1949 in Gelnhausen als Sohn eines Pfarrers und späteren Oberkirchenrates geboren. In Frankfurt und Darmstadt besuchte er das altsprachliche Gymnasium. Sein Theologiestudium schloss er 1976 mit der Promotion ab. Er heiratete die Ärztin Elisabeth Nüchtern. Das Ehepaar Nüchtern hat zwei erwachsene Kinder. Nach dem Lehrvikariat in Hockenheim war Nüchtern als Pfarrvikar in Villingen und Bad Dürrheim tätig. Dort übernahm er auch bis 1979 eine Pfarrstelle. Anschließend wechselte er als Studienleiter an die Evangelische Akademie Baden, deren Leitung er später übernahm. 1995 berief ihn die Evangelische Kirche in Deutschland zum Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin.

1998 war er einer der Kandidaten für das Bischofsamt in der Evangelischen Landeskirche in Baden. Der Landeskirchenrat berief ihn im selben Jahr zum Leiter des Referates Theologie, Gemeinde und Verkündigung. 2005 habilitierte sich Nüchtern und wurde im April 2009 zum außerplanmäßigen Professor an der Theologischen Fakultät an der Universität Heidelberg berufen. Im September 2009 gab Nüchtern die Leitung seines Referates aus gesundheitlichen Gründen ab und arbeitete seither als Referent für Theologische Grundsatzfragen im Büro des Landesbischofs.  

Der Trauergottesdienst findet am Montag, dem 12. Juli 2010 um 11.30 in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe am Marktplatz statt.