In Krankheit

 

Wie wird es werden?

Großer Gott,
meine Gedanken kreisen immer wieder um die Frage: "Wie wird es werden?"
Wie kann ich mit dieser Krankheit leben, die zwar nicht tödlich ist, die mein Leben aber auf den Kopf stellt, die ein "normales" Weiterleben behindert?
Wie werde ich damit leben können, in Zukunft auf so Vieles und zunehmend auf immer mehr verzichten zu müssen?
Wie wird das sein, wenn ich mich irgendwann nicht mehr selbst versorgen kann, wenn ich die Kontrolle über meinen Körper oder meine Gedanken verliere, wenn ich nicht weiß, wann der nächste Krankheitsschub kommt?
Wie wird es sich leben, wenn die Medikamente nicht mehr helfen und die Ärztin ratlos schaut?
Wie werden meine Familie und meine Freunde damit leben können?

Großer Gott,
meine Krankheit überfordert mich!
Ich glaube nicht, dass ich das schaffen werde!
Und ich habe Angst um die, die mich lieben!

Ich habe keine Ahnung, wie es werden wird -
und ich habe im Moment auch keine Hoffnung.
Darum komme ich zu Dir, auch wenn ich nicht verstehe, wieso Du mich nicht davor bewahrt hast.
Ich komme zu Dir, um Dich zu bitten,
dass Du mit mir und meinen Lieben durch diese Krankheit gehst,
dass Du Tag um Tag bei uns bist und Kraft zum Annehmen, zum Ertragen und Erleiden gibst,
dass Du Zeiten zum Ausruhen und zum unbeschwerten Lachen schenkst,
dass Du Mut gibst, mit dieser Diagnose leben zu lernen
und das Leben dennoch zu genießen.
Amen


     

    Vor einem Arztbesuch

    Lieber himmlischer Vater,
    nachher habe ich einen Termin beim Arzt.
    Meine Nervosität steigt und das flaue Gefühl im Magen nimmt zu.
    Ich habe Angst, dass die Untersuchungen schmerzhaft werden,
    Angst, dass die Ergebnisse mir den Boden unter den Füßen wegziehen könnten,
    Angst, dass der Arzt/die Ärztin meine Bedürftigkeit und Furcht nicht erkennt,
    Angst vor der Zeit im Wartezimmer, in der ich meine Gedanken kaum noch ordnen kann.

    Mit meinen vielen Ängsten komme ich zu Dir und bitte Dich,
    dass Du mich nicht alleine lässt,
    dass Du bei mir bist bei den Untersuchungen und ich Deine Nähe spüren kann,
    dass Du dem Arzt/der Ärztin offene Augen für mich gibst,
    die richtige Diagnose und eine hilfreiche Therapie meiner Beschwerden,
    dass Du schenkst, dass alles harmlos ist und ich wieder gesund werde,
    dass Du mich festhälst, falls ich doch schwer krank bin und mir Heilung zuteil werden lässt.

    Ich danke Dir, dass ich mit diesen Ängsten zu Dir kommen kann!
    Amen

         

        Nach einer schweren Krankheit mit Lebensgefahr

        Herr,
        eine lange Zeit der Krankheit liegt hinter mir,
        lange Zeit habe ich überhaupt nicht mit Dir geredet,
        lange war ich nur auf mich konzentriert.
        Nur ich und meine Krankheit waren die einzigen Themen, um die meine Gedanken kreisten.

        Bitte verzeih’, dass ich mich erst jetzt melde; ich konnte nicht anders;
        Du weißt, mir fehlten einfach die Worte.
        Ich weiß, Du warst in den vergangenen Monaten immer bei mir, obwohl ich mich nicht an Dich wenden konnte.
        Eine Freundin sagte, Du würdest das verstehen.
        Ich hoffe es auch und trotzdem: Verzeih’ mir bitte meine Sprachlosigkeit.

        Nun habe ich endlich wieder das Gefühl, sagen zu können:
        „Es geht mir jeden Tag ein kleines Stück besser.“
        Danke, dass ich jetzt auch ab und an das Gefühl der Freude empfinden kann –
        auch darüber, dass ich jetzt zusätzlich zu meinem „eigentlichen“ Geburtstag noch einen weiteren Geburtstag feiern kann.
        Hab’ Dank für dieses großartige Geschenk!

        Freunde sagen mir, ich sähe besser aus.
        DANKE!
        Amen

        (B. T.)

             

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