Internetseelsorge

 

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10 Jahre Netseelsorge

Am 14.Oktober 2007 fand in der Lukas-Kirche in Weinheim ein Festgottesdienst zum 10-jährigen Jubiläum der Internet-Seelsorge der Evangelischen Landeskirche in Baden statt. Zum ersten Mal wurde diese Arbeit im 'stillen Kämmerlein vor dem Monitor' vorgestellt.

Ein Beispiel von vielen
„Mein Leben ist eine einzige Katastrophe. Früher war immer alles perfekt – Beruf, Freunde, meine Partnerschaft. Bis ich erfuhr, dass mein Freund mich betrog…Innerlich fraß mich Wut auf.“ Vier Jahre lang hat „Vera“ gewartet, bis sie ihre Geschichte erzählen kann. Sie hat sich an die Seelsorge im Internet der Evangelischen Landeskirche in Baden gewendet und berichtet per E-Mail über ihre Lebenskrise, die immer noch anhält. Nach Nervenzusammenbruch, Angstzuständen und massiver Gewichtszunahme lernte sie zwar ihren jetzigen Ehemann kennen, doch ihr Zustand änderte sich nicht. Arbeitslosigkeit verschlimmerte ihre Sorgen. „Auch Gott half mir nicht!“ klagt sie. Die selbständige Theologin Ursula Burkert aus dem Lebenshilfe-Team antwortet ihr verständnisvoll: “Es ist gut, dass Sie sich Ihre Sorgen von der Seele geschrieben haben. Die Untreue Ihres ehemaligen Freundes hat Sie in eine tiefe Krise gestürzt… Doch Ihr jetziger Mann hat Ihnen sozusagen das Leben gerettet.“
„Vera“ ist damit nicht zufrieden, sie will mehr, vielleicht Mitleid, vielleicht konkrete Ratschläge. „Ich bin wütend auf Gott! Warum ich? …Mein Mann kann mir nicht helfen.“
Ursula Burkert antwortet: “Es  tut mir leid, dass ich Ihnen keinen konkreten Rat geben kann, aber vielleicht doch Gedanken und Anregungen, ihr Leben unter einem neuen Aspekt zu sehen… Wie ist die Beziehung zu Ihrem Mann – jenseits aller Belastungen?“

Sechs Wochen dauert die E-Mail-Korrespondenz mit „Vera“, die dann eine Gruppentherapie für Frauen aufsucht. Mit Hilfe der Postleitzahl wurde die Gruppe gefunden, denn „Vera“ bleibt anonym wie die anderen rund 50 Hilfesuchenden im Jahr. Ihre E-Mails sind vertraulich, die Hilfe ist kostenlos.

Durch Fragen werden Beziehungen gestiftet
„Die Seelsorge ist immer kreativ und immer modern gewesen“, sagte Oberkirchenrat Dr. Michael Nüchtern im Jubiläumsgottesdienst in der Lukas-Kirche. Immer richte sich die Lebenshilfe an den Begegnungen Jesu mit den Menschen seiner Zeit aus, an der seelsorglichen Betreuung, wie sie in der Wunderheilung des Gelähmten zum Ausdruck kommt. „Willst Du gesund werden? Mit dieser Frage beginnt Jesus die Heilung. Dass einer nach dem anderen fragt, sich um ihn kümmert, sich für ihn interessiert, ist etwas Neues… Durch Fragen werden Beziehungen gestiftet. Und neue Beziehungen verändern die Lage – das ist die vielfältige Grunderfahrung der Seelsorge.“

Durch Fragen den Problemen auf den Grund gehen und die Stärken des Ratsuchenden erforschen, das kann die Ängste auf ein beherrschbares Maß zurechtrücken und ihm den Weg zu einer selbst bestimmten Zukunft öffnen. Dies erfahren auch die Internet-Seelsorger immer wieder.

Eine "virtuelle Dienststelle"
Der Chef dieser „virtuellen Dienststelle“ der Evangelischen Landeskirche in Baden ist Kirchenrat Wolfgang Burkhardt. Auch er freut sich über die Anerkennung der Arbeit im Internet. Und er fürchtet sie gleichzeitig, weil die öffentliche Wertschätzung auch  mehr E-Mails nach sich ziehen könnte. Es fehlen nämlich noch Mitarbeiter: “Wir suchen einen neuen Opa!“, sagt er, einen Nachfolger, der Ängste von Großeltern um ihre Enkel nachvollziehen kann.

Die Netseelsorge stellt sich vor
Im folgenden Video stellen sich die BeraterInnen der netseelsorge vor und informieren über ihre Arbeit: