Gemeindefinanzen

 

Sparen? Die Kirchensteuereinnahmen steigen doch wieder?

Klingelbeutel mit Geld und Bibel
Zunächst einmal die gute Nachricht. Tatsächlich sind wieder steigende Kirchensteuereinnahmen zu verzeichnen, nachdem in den vergangenen Jahren eine stark rückläufige Entwicklung zu verkraften war und beispielsweise im Bausektor die Bauprogramme stark gekürzt werden mussten.

Die steigenden Kirchensteuereinnahmen sind allerdings fast ausschließlich der guten konjunkturellen Entwicklung in den letzten beiden Jahren zu verdanken.

"In der Tat wäre es theoretisch möglich, die Mehreinnahmen vollständig auszukehren und viele Konsolidierungskonzepte vorläufig auszusetzen."

Viele Kirchengemeinden sind aktuell gezwungen, schmerzliche Einsparungsprozesse zu durchlaufen. Eine Haushaltskonsolidierung ist in fast allen Fällen nur möglich, wenn auf der Ausgabeseite Reduzierungen vorgenommen werden. Dies betrifft insbesondere die Zahl der Personalstellen und der Gebäude.

War die Notwendigkeit zum Sparen in der Phase der sinkenden Kirchensteuer und damit korrespondierend sinkender Steuerzuweisungen an die Kirchengemeinden noch einsichtig, so stellen sich viele derzeit die Frage, ob der Sparzwang auch bei steigenden Kirchensteuereinnahmen aufrecht erhalten werden muss.
In der Tat wäre es theoretisch möglich, die Mehreinnahmen vollständig auszukehren und viele Konsolidierungskonzepte vorläufig auszusetzen.

Entscheidend ist die mittel- bis langfristige Entwicklung
Die entscheidende Frage dabei ist, ob dies einen langfristig sinnvollen Schritt darstellt. Die Antwort auf diese Frage hängt deshalb von den mittelfristigen bis langfristigen Prognosen der kirchlichen Finanzentwicklung ab. Danach kann es zwar sein, dass sich weiterhin konjunkturelle Aufschwungphasen mit Phasen des konjunkturellen Abschwungs abwechseln, mit den jeweiligen durchaus gewichtigen  Folgen für die Kirchensteuerentwicklung. Entscheidender als dieses zu erwartende Auf und Ab wird aber die mittel- bis langfristige Entwicklung der Kirchenmitgliedszahlen sein.

Diese wird weniger durch die meist überbewerteten Aus- und Eintrittszahlen beeinflusst. Diese entwickeln sich im Moment sehr erfreulich und waren in den letzten zwanzig Jahren noch nie so günstig wie im Moment. Dennoch wird sich die Mitgliederzahl aufgrund der demographischen Entwicklung in den nächsten 20 Jahren dramatisch nach unten entwickeln.
Bislang war dieser bereits seit längerem stattfindende Schrumpfungsprozess noch kaschiert durch starke Zuwanderungszahlen von Aussiedlern, jedoch ist diese Entwicklung aktuell zum Stillstand gekommen. Die demographischen Auswirkungen werden daher bereits sehr schnell in den nächsten Jahren spürbar sein.

Konsolidierungsprozesse weiterverfolgen
Dies ist der Grund, weshalb die begonnen Konsolidierungsprozesse konsequent weiterzuverfolgen sind. Insbesondere die Zahl der zu unterhaltenden Gebäude und Gebäudeflächen wird bei einer Entwicklung der Mitgliederzahlen von derzeit knapp 1,3 Mio auf prognostizierte 1 Mio Mitglieder anzupassen sein.

Die Evangelische Landeskirche hat aus diesem Grunde bereits jetzt Beschlüsse gefasst, nach denen die die aktuellen Mehreinnahmen gezielt dafür eingesetzt werden, diese große Herausforderung zu meistern. Es ist nämlich nicht damit getan, die Zahl der Gebäude einfach zu verringern. Vielmehr ist bei einer solchen Zielsetzung gezielt in die verbleibende Gebäudesubstanz zu investieren, um Nutzungen zusammenzufassen und die Auslastung der kirchlichen Gebäude zu erhöhen.

"... gerade Phasen der Steuermehreinnahmen müssen genutzt werden, die Weichen für die künftige Entwicklung richtig zu stellen."

Es mag schwierig zu vermitteln sein, aber gerade Phasen der Steuermehreinnahmen müssen genutzt werden, die Weichen für die künftige Entwicklung richtig zu stellen. Nichts wäre verkehrter, als kurzsichtig Entwarnung zu verkünden. Die badische Landesskirche hat die Ressourcen dieses nicht einfachen Prozesses in den Kirchengemeinden konstruktiv zu begleiten, was aber voraussetzt, dass zwischen Evangelischem Oberkirchenrat und den Kirchengemeinden und Kirchenbezirken Einvernehmen über die zu bewältigenden Aufgaben besteht.

Keine leichte Aufgabe
Verschiedene Instrumente wie das Haushaltssicherungskonzept wurden in den vergangenen Jahren entwickelt, um die schwierigen Konsolidierungsprozesse zügig und mit Erfolg zu bewältigen. Die Abteilung Gemeindefinanzen begleitet nach Möglichkeit die Konsolidierungsprozesse auch vor Ort durch Teilnahme an Strukturausschusssitzungen, Veranstaltung von Workshops und anderen begleitenden Maßnahmen, je nach Bedarf.
Es handelt sich um keine leichte Aufgabe, aber eine zunehmende Zahl von Kirchengemeinden konnte erste Erfolge erzielen und erfolgreich ihren Gebäudebestand anpassen.

Sparen trotz Kirchensteuermehreinnahmen? Gerade jetzt!