ekiba aktuell (30.10.07)

 

Die gute Seite im WorldWideWeb: www.netseelsorge.de - 10 Jahre Seelsorge im Internet der Evangelischen Landeskirche in Baden

Netseelsorge
Festgottesdienst zum Jubiläum

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Die netseelsorge informiert

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Arbeit vor dem Monitor

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Kirchenrat Wolfgang Burkhardt

Am 14. Oktober 2007 fand in der Lukas-Kirche in Weinheim ein Festgottesdienst zum 10-jährigen Jubiläum der Internet-Seelsorge der Evangelischen Landeskirche in Baden statt. Zum ersten Mal wurde diese Arbeit im 'stillen Kämmerlein vor dem Monitor' vorgestellt.

Ein Beispiel von vielen
„Mein Leben ist eine einzige Katastrophe. Früher war immer alles perfekt – Beruf, Freunde, meine Partnerschaft. Bis ich erfuhr, dass mein Freund mich betrog... Innerlich fraß mich Wut auf.“ Vier Jahre lang hat „Vera“ gewartet, bis sie ihre Geschichte erzählen kann. Sie hat sich an die Seelsorge im Internet der Evangelischen Landeskirche in Baden gewendet und berichtet per E-Mail über ihre Lebenskrise, die immer noch anhält. Nach Nervenzusammenbruch, Angstzuständen und massiver Gewichtszunahme lernte sie zwar ihren jetzigen Ehemann kennen, doch ihr Zustand änderte sich nicht. Arbeitslosigkeit verschlimmerte ihre Sorgen. „Auch Gott half mir nicht!“ klagt sie. Die selbständige Theologin Ursula Burkert aus dem Lebenshilfe-Team antwortet ihr verständnisvoll :“Es ist gut, dass Sie sich Ihre Sorgen von der Seele geschrieben haben. Die Untreue Ihres ehemaligen Freundes hat Sie in eine tiefe Krise gestürzt... Doch Ihr jetziger Mann hat Ihnen sozusagen das Leben gerettet.“
„Vera“ ist damit nicht zufrieden, sie will mehr, vielleicht Mitleid, vielleicht konkrete Ratschläge. „Ich bin wütend auf Gott! Warum ich? …Mein Mann kann mir nicht helfen.“
Ursula Burkert antwortet: “Es tut mir leid, dass ich Ihnen keinen konkreten Rat geben kann, aber vielleicht doch Gedanken und Anregungen, ihr Leben unter einem neuen Aspekt zu sehen... Wie ist die Beziehung zu Ihrem Mann – jenseits aller Belastungen?“

Sechs Wochen dauert die E-Mail-Korrespondenz mit „Vera“, die dann eine Gruppentherapie für Frauen aufsucht. Mit Hilfe der Postleitzahl wurde die Gruppe gefunden, denn „Vera“ bleibt anonym wie die anderen rund 50 Hilfesuchenden im Jahr. Ihre E-Mails sind vertraulich, die Hilfe ist kostenlos.

 „Wir wollen Vertrauen schaffen“ - Festgottesdienst zum 10-jährigen Jubiläum der Internet-Seelsorge
Ursula Burkert und ihr Kollege Dieter Sprengel vom Lebenshilfe-Team berichten über „Vera“ zum ersten Mal am 14. Oktober in der Lukas-Kirche in Weinheim. In dem Festgottesdienst zum 10-jährigen Jubiläum der Internet-Seelsorge der Evangelischen Landeskirche in Baden wird zum ersten Mal diese Arbeit im stillen Kämmerlein vor dem Monitor, die auch meistens nachts passiert, vorgestellt.
Ursula Burkert und Dieter Sprengel sind von Anfang dabei und haben die Form der Betreuung im Internet maßgeblich mitgestaltet. Anders als bei der Telefon-Seelsorge sind die Ansprechpartner nicht anonym. Sie stellen sich mit Foto und kurzem Lebenslauf vor. „Wir wollen Vertrauen schaffen“, sagt Dieter Sprengel. Eigene Krisen und der Wunsch, anderen Menschen zu neuen Lebenswegen zu helfen, motivieren auch die drei weiteren Theologen zu ihrer Internetarbeit: den ehemaligen Schuldekan Georg Burkert, der nach einer schweren Erkrankung für sich selbst eine neue Orientierung suchen musste, den Religionslehrer Dr. Lutz Bauer, der auch das Leid einer Scheidung erfahren hat und Pfarrerin Birgit Risch: „ Ich weiß, wie gut es tut, einem anderen von dem, was mich belastet, kränkt oder verletzt, zu erzählen und mit einem Gegenüber nach Wegen, die ich in meiner Situation gehen kann, zu suchen.“

Seelischer Kummer, finanzielle Sorgen, Ängste, Sucht- und Eheprobleme sind die Themen, die in jeweils fünf bis sieben E-Mails aufgearbeitet werden. Doch jedes Problem ist ganz persönlich geprägt und fordert manchmal mehr, als nach einer Beratungsstelle zu suchen. Der Insasse einer Justizvollzugsanstalt, der sich im Wochenendurlaub an die http://www.netseelsorge.de/ gewendet hat, kann seine Schuld nicht erkennen. Hier kommt es zu einer Krisenintervention, einer Notfallseelsorge vor Ort. Der evangelische Pfarrer aus der Gemeinde kümmert sich um den Mann – mit Erfolg, wie der Berater nach sechs Wochen liest.

Durch Fragen werden Beziehungen gestiftet
„Die Seelsorge ist immer kreativ und immer modern gewesen“, sagt Oberkirchenrat Dr. Michael Nüchtern im Festgottesdienst in der Lukas-Kirche. „Die Briefseelsorge wurde erfunden, und die Telefonseelsorge ist nicht mehr wegzudenken, weniger bedeutend scheinen heute die Radio- und Telefonseelsorge.“  Immer richte sich die Lebenshilfe an den Begegnungen Jesu mit den Menschen seiner Zeit aus, an der seelsorglichen Betreuung, wie sie in der Wunderheilung des Gelähmten zum Ausdruck kommt. „Willst Du gesund werden? Mit dieser Frage beginnt Jesus die Heilung. Dass einer nach dem anderen fragt, sich um ihn kümmert, sich für ihn interessiert, ist etwas Neues…Durch Fragen werden Beziehungen gestiftet. Und neue Beziehungen verändern die Lage – das ist die vielfältige Grunderfahrung der Seelsorge.“ 

Durch Fragen den Problemen auf den Grund gehen und die Stärken des Ratsuchenden erforschen, das kann die Ängste auf ein beherrschbares Maß zurechtrücken und ihm den Weg zu einer selbst bestimmten Zukunft öffnen. Dies erfahren auch die Internet-Seelsorger immer wieder. Oder wie kommt es dazu, dass ein junger Mann mit diffusen Ängsten – vor Prüfungen, ja vor dem Leben selbst – sich entschließt, zu einer Studienberatung zu gehen, um mit Lernen und mit Prüfungen weiter zu machen? Manchmal ist die netseelsorge.de auch die einzige Verbindung zur deutschsprachigen Heimat – wie für eine verzweifelte Frau, die mit ihrem Ehemann nach Brasilien gegangen ist, sich überhaupt nicht zurecht findet und sich auch von ihrem Mann nicht verstanden fühlt. Manchmal ist die netseelsorge.de auch ein Kummerkasten, dem sich geschiedene ehemals römisch-katholische ChristInnen anvertrauen, die sich von ihrer Kirche und ihren Geistlichen verlassen fühlen, ausgeschlossen von den Sakramenten und einer oft Jahrzehnte langen Bindung an ihre Kirche.

Eine "virtuelle Dienststelle"
Der Chef dieser „virtuellen Dienststelle“ der Evangelischen Landeskirche in Baden ist Kirchenrat Wolfgang Burkhardt. Auch er freut sich über die Anerkennung der Arbeit im Internet. Und er fürchtet sie gleichzeitig, weil die öffentliche Wertschätzung auch  mehr E-Mails nach sich ziehen könnte. Es fehlen nämlich noch Mitarbeiter:“ Wir suchen einen neuen Opa!“, sagt er, einen Nachfolger, der Ängste von Großeltern um ihre Enkel nachvollziehen kann.

Unverhoffte Unterstützung bekam die netseelsorge.de vom Vizepräsidenten der Landessynode, Wolfgang Fritz. Noch führe dieses niederschwellige Angebot ein Nischendasein, doch das solle sich ändern. Sein Wunsch sei es, dass dies auch im landeskirchlichen Angebot vertreten sei; das werde er auch in die Landessynode einbringen.

Die Netseelsorge stellt sich vor:
Unter  http://www.youtube.com/watch?v=GX7xsKoxPxo finden Sie ein Video, in dem sich die BeraterInnen der netseelsorge vorstellen und über ihre Arbeit informieren.

Mehr über die Internetseelsorge finden Sie auch unter:
http://www.ekiba.de/Seelsorge-Arbeitsfelder/ und http://www.netseelsorge.de/

Spendenkonto:

Evangelische Kreditgenossenschaft e.G. Karlsruhe
Kontonummer 500011 BLZ 66060800
Kennnwort netseelsorge