Theologische Unterschiede

 

Mehr als die anderen reformatorischen Kirchen legen die lutherischen Kirchen Wert auf besondere „Bekenntnisschriften“.

Die grundlegenden speziell lutherischen Bekenntnisse sind neben dem Augsburgischen Bekenntnis der Kleine und Große Katechismus Luthers, die Schmalkaldischen Artikel sowie die Konkordienformel, eine Lehrzusammenfassung.

Betonen die reformierten Kirchen stärker die Erhabenheit und Jenseitigkeit Gottes, so verweisen die lutherischen Kirchen besonders auf die Menschwerdung des ewigen Sohnes Gottes in Jesus von Nazareth. Die Frage nach der Gegenwart Jesu Christi in den Abendmahlselementen Brot und Wein, führte 1529 zum zeitweiligen Abbruch der Kirchengemeinschaft mit den Reformierten. In der lutherischen Theologie wird diese Gegenwart Christi im Abendmahl als „Konsubstantiation“ verstanden: Brot und Wein bleiben im Abendmahl, was sie zuvor schon waren, nämlich Brot und Wein, aber sie werden zugleich Gefäße, durch die uns die Verheißung Christi hautnah trifft und wir der Vergebung der Schuld vergewissert werden. Christus ist leibhaftig gegenwärtig „in, mit und unter“ Brot und Wein.

Der evangelisch-reformierte Schweizer Reformator Huldrych Zwingli dagegen sah das Abendmahl als ein Gedächtnismahl, in dem wir uns des erlösenden Kreuzestodes Jesu Christi erinnern. Die Elemente Brot und Wein waren für ihn zugleich ein Hinweis auf den gekreuzigten Jesus und den himmlischen Christus. Der andere große evangelisch-reformierte Reformator Johannes Calvin dachte hier eher wie Luther. Er verstand die Gegenwart Christi in den Abendmahlselementen Brot und Wein als „Spiritualpräsenz“, als Gegenwart im Heiligen Geist.


Im folgenden finden Sie eine Übersicht über diesen und weitere grundlegende Unterschiede zwischen der lutherischen und der reformierten Theologie.

       

      REFORMIERT

      Kirchliche Ordnungen und bildliche Darstellungen

      Herkömmlicherweise unterscheiden sich reformierte Gotteshäuser in ihrer Ausstattung beträchtlich von den lutherischen Kirchengebäuden. Im Kirchenraum fehlen Bilder und normalerweise sogar das Kreuz, das christliche Grundsymbol. Das erklärt sich vom alttestamentlichen Bilderverbot her, das die reformierten Christen wie Juden entsprechend der Hebräischen Bibel als das Zweite Gebot, und nicht wie die römisch-katholische und die lutherische Kirche als Anhängsel zum ersten Gebot  verstehen. Räumliches Zentrum ist nicht der Altar, an dessen Seite ein schlichter Abendmahlstisch aufgestellt ist, sondern die Kanzel.

       

       

         

        Das Abendmahl

        Der evangelisch-reformierte Schweizer Reformator Huldrych Zwingli sah das Abendmahl als ein Gedächtnismahl, in dem wir uns des erlösenden Kreuzestodes Jesu Christi erinnern. Die Elemente Brot und Wein waren für ihn zugleich ein Hinweis auf den gekreuzigten Jesus und den himmlischen Christus. Der andere große evangelisch-reformierte Reformator Johannes Calvin dachte hier eher wie Luther. Er verstand die Gegenwart Christi in den Abendmahlselementen Brot und Wein als „Spiritualpräsenz“, als Gegenwart im Heiligen Geist.

         

         

         

         

             

            Die Verkündigung

            Auch die Stimmung  der gottesdienstlichen Versammlung pflegt in den reformierten und den lutherischen Gemeinden recht unterschiedlich zu sein. Der reformierte Gottesdienst ist ganz auf Schriftlesung, Predigt und Gebet ausgerichtet. Diese Herbheit, die heute aufgrund ökumenischer Erfahrungen mancherorts durch liturgische Anreicherungen abgemildert ist, rührt von der Betonung des Ersten Gebotes her: Gott allein ist Herr. Er ist unsichtbar. Keine Veranschaulichung, Verleiblichung oder Vergegenständlichung darf die Aufmerksamkeit von ihm ablenken. Die Schmucklosigkeit und Schlichtheit des Gotteshauses lenken die Konzentration auf Gottes Majestät. Seine Ehre und Verherrlichung hat im Leben der Christen obenan zu stehen.
            Dieser Frömmigkeitsstil wird in den ersten Zeilen von Calvins „Genfer Katechismus“ (1537) deutlich. Dort wird als das Ziel, auf das hin wir Menschen erschaffen sind, angegeben, „die Herrlichkeit unseres Schöpfers zu erkennen und, indem wir sie erkennen, ihn über alles zu verehren und in aller Furcht, Liebe und Ehrerbietung anzubeten“. Ein weiterer Grund für die Nüchternheit und die Kargheit der gottesdienstlichen Formen ist, wie beim Kirchenraum, das als Zweites Gebot gezählte Bilderverbot. Jedem Götzendienst, jeder Verwechslung von Schöpfer und Geschöpf ist zu wehren.

                 

                Die Kirchenmusik

                Aus den Kirchen im Umkreis der Züricher Reformation waren zunächst sogar die Orgeln entfernt worden.
                Trotzdem ist auch im reformierten Protestantismus das Sinnliche zur Geltung gekommen, und zwar in den herrlichen Chorälen, insbesondere in den Nachdichtungen der Psalmen, die etwa in französischen, niederländischen und schottischen Gesangbüchern zu finden sind. Mit diesen Gesängen sind ungezählte Hugenotten in ihrem Martyrium im 16. und 17. Jahrhundert gestärkt worden.

                     

                    Das Alte Testament

                    Das Alte Testament spielt in der reformierten Kirche eine stärkere Rolle als in der lutherischen Kirche. Im Luthertum sieht man Altes und Neues Testament eher im Verhältnis von Verheißung und Erfüllung, im reformierten Protestantismus eher in der Weise verschiedener Bundesschlüsse Gottes mit den Menschen. Im Gottesdienst wird häufig über alttestamentliche Texte gepredigt.

                         

                        Die Prädestinationslehre

                        Zur Hochschätzung des AT passt das Gottesverständnis. Gott ist erhaben und jenseitig. Der Schöpfer ist von seiner Schöpfung qualitativ abgehoben. Gott sprengt alles Irdische, auch wo er sich, wie in Jesus und dem Abendmahl, mit diesem verbindet.
                        Die Niedrigkeit des Menschen vor dem erhabenen Gott kommt auch durch die Lehre von der Prädestination (Vorherbestimmung) zum Ausdruck. Das Heil erlangt, wer von Gott zum Heil vorherbestimmt ist. Wir selbst können nichts dazu beitragen. Das wurde bei Calvin ausgeweitet zur „doppelten Prädestination“: die einen sind zum Heil, die anderen dagegen zur Verdammnis vorherbestimmt. Immerhin war die „doppelte Prädestination“ im reformierten Protestantismus keine überall anerkannte Lehre, sondern eine Lehrmeinung, der von liberalen Strömungen heftig widersprochen wurde.
                        Die Lehre von der doppelten Prädestination führte aber nicht zur Passivität. Können wir auch nichts zu unserem Heil beitragen, so können wir unsere Erwählung doch an den Früchten unseres Lebens erkennen. Viele reformierte Christen befleißigen sich mit harter Arbeit und bescheidenem Lebensstil. Der Soziologe Max Weber fand in dieser calvinistischen Wirtschaftethik eine der Wurzeln des modernen Kapitalismus.
                        In der politischen Ethik zeigt sich die Liebe zum AT in einem Hang zur „Theokratie“, zur Gestaltung des gesamten Lebens nach den Grundsätzen der Bibel. Der lutherischen Lehre vom weltlichen und geistlichen Regiment Gottes steht die reformierte Lehre von der „Königsherrschaft Christi“ gegenüber. Die Königsherrschaft Christi soll das private wie das gesamte politische Leben mit speziellen biblischen Leitlinien gestalten.

                             

                            Der Schweizer Reformator

                            Reformation ist für Calvin eine Erneuerung der Kirche sowie eine Neuordnung der Gesellschaft: Zum 500. Geburtstag von Johannes Calvin

                             

                            Reformator des Lebens

                            Mit einem Festakt in der Alten Aula der Universität Heidelberg gedachten die Evangelische Landeskirche in Baden und die Theologische Fakultät der Universität Heidelberg an den Genfer Reformator Johannes Calvin. Am 10. Juli 2009 jährt sich dessen Geburtstag zum 500. Mal.