Rastplätze für die Seele – die Autobahnkirchen
„Mama, wann sind wir endlich da?“ Der kleine Peter kann den Zwischenstopp kaum noch erwarten. Drei Stunden Autobahnfahrt sind genug, Vater Klaus steuert den nächsten Rastplatz an. Wenige hundert Meter abseits liegt, geradezu schon idyllisch gelegen, an einem Waldstück die Autobahnkapelle. Der kleine Peter und seine Eltern machen jedes Jahr auf ihrer Urlaubsfahrt zur Nordsee dort Station.
Eine kirchliche Mitarbeiterin begrüßt die Reisenden und schenkt Peter Malblätter: „Damit es später im Auto nicht so langweilig wird.“ Schon vor Jahren entdeckte Klaus die Autobahnkapelle Münster-Roxel an der A 1 Dortmund-Bremen – eher zufällig. Seitdem macht er mit seiner Familie auf der Fahrt in die großen Ferien hier eine Pause. Zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn zünden sie eine Kerze an und bitten um den Reisesegen. „Diese Kapelle zieht mich an“, sagt Klaus. Das kurze Gebet an der Autobahn gibt ihm ein gutes Gefühl.
"Dabei kann ein Stopp an der Autobahnkirche helfen, um sicherer und gelassener weiter zu fahren."
Ganz anders dagegen der Mann im blauen Overall. Der Fernfahrer mittleren Alters trägt eine Halskette mit Kreuz. Kurz vor seinem nächsten Halt kniet er auf der Kirchenbank nieder, schließt die Augen und nimmt die Hände vor sein Gesicht. Er ist allein in der Kapelle. Kein Wort ist zu hören. Nur das Sausen vorbeirasender Autos durchbricht die Ruhe. Der Fernfahrer aus Würzburg nimmt sich oft Zeit, um zu beten. Wer Gott sehen will, kann ihm im Alltag begegnen, wenn Menschen aufeinander Rücksicht nehmen, freundlich und hilfsbereit sind, sagt er. Das vermisst der Brummifahrer gerade auf der Autobahn immer wieder. Dabei kann ein Stopp an der Autobahnkirche helfen, um sicherer und gelassener weiter zu fahren.
Als „Rastplätze für die Seele“ ziehen die Autobahnkirchen vor allem in der sommerlichen Reisezeit vermehrt Besucher an. 32 Kirchen und Kapellen in evangelischer, katholischer und ökumenischer Trägerschaft am Rande von deutschen Autobahnen laden als Orte der Besinnung und der Ruhe zum Verweilen oder zum stillen Gebet ein. Wer in den Kirchen am Straßenrand etwas Kraft und Ruhe getankt hat, steigt meist entspannter und gelassener wieder ins Auto. Dies bringt nicht nur persönliche Erholung, sondern dient auch der Verkehrssicherheit.
Nach Angaben der Bruderhilfe-Akademie, der Fortbildungseinrichtung eines kirchennahen Versicherers, der sich seit Jahren für die Autobahnkirchen engagiert (www.autobahnkirche.info), werden die 32 deutschen Autobahnkirchen von rund einer Million Menschen im Jahr besucht. Rund ein Drittel der Besucher sind aktive Christen, ein Drittel Kirchenmitglieder, die dem Gemeindeleben aber fern stünden, und ein Drittel wolle sich erholen oder die Stille genießen.
Die Bruderhilfe-Akademie hat auch einen 100-seitigen Reiseführer „Rastplätze für die Seele“ herausgegeben, der direkt bei der Akademie bestellt werden kann.
Von 1958 bis heute
Die erste Kirche für Autoreisende entstand 1958 in Adelsried, an der A 8 zwischen Stuttgart und München. Sie geht auf die Stiftung einer Augsburger Unternehmerfamilie zurück, die dort einen Angehörigen bei einem Unfall verlor.
Das Netz der Autobahnkirchen in Deutschland soll noch dichter werden. Im südthüringischen Suhl und an der A 38 in Niedersachsen sind weitere „Rastplätze für die Seele“ im Bau. Geplant ist zudem eine weitere Autobahnkirche an der A 4 in Thüringen sowie eine an der neuen Autobahn zwischen Dresden und Prag bei Pirna. Auch die Eröffnung der ersten tschechischen Autobahnkirche bei Pilsen steht vor der Tür.
Unter den Gotteshäusern an der Autobahn finden sich größere Kirchen, in denen Ortsgemeinden ihre Gottesdienste feiern, ebenso wie kleine Andachtsräume. Die Autobahnkirchen sind meist durch örtliche oder regionale Initiativen entstanden.
Marc Witzenbacher, Pressesprecher
(August 2009)







