Melanchthon und Hebel - zwei Vermittler zwischen den Konfessionen

 

Jubiläumsjahr 2010 erinnert an zwei prominente Protestanten

Hartmut Rupp bei der Präsentation

Hartmut Rupp stellt die Melanchthon-DVD vor
(v.l..: Achim Jillich, H. Rupp, Landesbischof
Ulrich Fischer)



Günter Frank

"Europäische und ökumenische Bedeutung
Melanchthons": Günter Frank, Kustos
des Melanchthonhauses



Dr. Uwe Hauser

Schuldekan Uwe Hauser stellte sein
Unterrichtsheft zu Hebel vor.



Materialien zu den Jubiläen

Einige der vorgestellten Materialien

(23.09.09) Sperrig und zu akademisch kommt der eine bei oberflächlicher Betrachtung daher. Volkstümlich den Freuden des Lebens zugewandt der andere. Aber beide sind bei näherer Betrachtung weit mehr:
Mit einem Doppel-Jubiläumsjahr gedenkt die Evangelische Landeskirche in Baden im kommenden Jahr zweier prominenter badischer Protestanten. Im Rahmen der EKD-weiten Lutherdekade wird auch bundesweit der 450. Todestag des Reformators Philipp Melanchthon (1497-1560) am 19. April 2010 begangen. Die Landeskirche feiert zudem am 10. Mai 2010 den 250. Geburtstag ihres ersten Prälaten, Johann Peter Hebel (1760-1826).

Bei einer Präsentation am Montag im Johann Peter Hebel-Saal im Oberkirchenrat stellte Professor Dr. Hartmut Rupp die unter der Federführung des Religionspädagogischen Institutes der Landeskirche erstellten Informationen und Materialien zu den Jubiläen der Öffentlichkeit vor. Gemeinsam mit der Melanchthonakademie in Bretten plant die Evangelische Landeskirche in Baden eine Reihe von Veranstaltungen. Das Jahr 2010 setzt zugleich im Rahmen der Reformdekade der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bis 2017 den Schwerpunkt «Reformation und Bildung».

Beide Theologen, Melanchthon wie Hebel, hätten sich umfassend mit Bildung beschäftigt, sagte Landesbischof Dr. Ulrich Fischer bei der Vorstellung des Jubiläumsprogramms. Während es Melanchthon vor allem um das «Verstehen der Bibel» anhand der griechischen und hebräischen Urtexte ging, beschäftigte sich Hebel um das «Lesen des Lebens». Beides gehöre für Protestanten zusammen, so Fischer.

Zurück zu den Quellen: Melanchthon

Melanchthon habe immer versucht, Brücken zur katholischen Kirche zu bauen, so der badische Landesbischof weiter. Anders als Luther habe er die Einheit der Kirche wahren wollen. Mit dem Melanchthonjahr innerhalb der Lutherdekade (bis 2017) feierten die Protestanten «nicht jubelnd 500 Jahre Trennung der Kirche», sondern seien auf der Suche nach Gemeinsamkeiten mit der katholischen Kirche. Auch heute gebe Melanchthons „Zurück zu den Quellen“ Impulse für die Ökumene, sagte Fischer. Abseits von Diskursen der Kirchenleitungen bilde sich an der Basis „eine neue Ökumene“ beispielsweise in Kommunitäten.

Melanchthon als „Praeceptor Germaniae - Lehrer Deutschlands - kann in der gegenwärtigen Schuldiskussion ebenfalls neue Aktualität und Berücksichtigung finden und Politiker wie Schulleute auf die Grundlagen, Lernen für und mit Geist und Seele, zurückführen. PD Dr. Günter Frank, Kustos des Melanchthonhauses in Bretten und der Europäischen Melanchthonakademie, verdeutlichte die europäische und ökumenische Bedeutung des großen Brettener Sohnes und erläuterte die wissenschaftlich wegweisende Bedeutung Melanchthons bis heute.

Im Rahmen der Melanchthon-Präsentation erläuterten Dr. Martin Schneider, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Europäischen Melanchthonakademie und Achim Jillich, Religionspädagoge, die Materialien und die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten sowohl für die Arbeit in Gemeinden und Kirchenbezirken wie auch für den Schulunterricht. Insbesondere die Melanchthon-DVD, eine umfassende Darstellung des Reformators und Humanisten, stellt Leben und Werk in multimedialer Form vor. Film, Unterrichtsmaterial und Bildsammlung reizen zur Arbeit mit dem einfach zu handhabenden Medium.

"Unbekannter" Kirchenmann: Johann Peter Hebel

Schieres Erstaunen löst die Erkenntnis bei vielen Menschen aus, dass Johann Peter Hebel ein Kirchenmann gewesen ist, so Landesbischof Ulrich Fischer. Hebel ist in weiten Kreisen nur als Dichter der alemannischen Mundart bekannt. Hebel als Theologe habe wie Melanchthon ebenfalls versucht, konfessionelle Gräben zuzuschütten zwischen den Reformierten und Lutheranern in Baden. Daraus sei 1821 die unierte badische Landeskirche entstanden, dessen erstes geistliches Oberhaupt Hebel wurde.

Mit Johann Peter Hebel aufgewachsen ist Schuldekan Pfarrer Dr. Uwe Hauser. So ist er prädestiniert, zum Jubiläumsjahr ein Unterrichtsheft zu erstellen. Gleichfalls mit einem Augenzwinkern wie Hebel präsentierte Hauser sein Werk und brachte gleichzeitig den Menschen Hebel sowie in Blitzlichtern auch die damalige kirchliche und weltliche Situation am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Zuhörern nahe.

Jubiläumsprogramm

Zu beiden Jubiläen finden umfangreiche Veranstaltungen, Gottesdienste, Lesungen Ausstellungen und Vortragsreihen statt.

Start des Melanchthonjahres ist mit einem gemeinsamen Gottesdienst von Landesbischof Dr. Ulrich Fischer und Erzbischof Robert Zollitsch am 31. Oktober 2009 in Bretten. Der Gottesdienst wird im ARD-Fernsehen live übertragen. Ein Vortrag von Altbischof Professor Dr. Klaus Engelhardt und ein Festakt des Landes Baden-Württemberg mit Ministerpräsident Günther H. Oettinger (CDU) schließen sich an.

Diese und alle weiteren Veranstaltungen sind in verschiedenen Faltblättern vorgestellt und können beim RPI in Karlsruhe bestellt oder auf den jeweiligen Internetseiten nachgelesen werden:

Rolf Pfeffer, Referent für Öffentlichkeitsarbeit