Wo Menschen „dann mal da“ sind
Der Konvent Kur- und Rehaseelsorge (KuRS) in der Evangelischen Landeskirche in Baden traf sich zur Herbsttagung
Touristikerin Claudia Hercher (2. v. l.)
mit Konventssprecher Christoph Huss,
Kirchenrätin Sabine Kast-Streib und
Ortspfarrer Erik Stier (v. l.)
Der Konvent Kur- und Rehaseelsorge
vor dem Glockenspiel des Bildhauers
Emil Homolka in der Ortsmitte Hinterzartens
(21.10.09) Das Glockenspiel des Bildhauers Emil Homolka vor dem Evangelischen Gemeindehaus in Hinterzarten steht nahe am Gehweg. Die Kreise der Bodenpflasterung laufen in die Straße hinein, ohne dass eine Bordsteinkante für Trennung sorgt. Dies könnte ein Bild sein für das, was Seelsorge will: Gottes Barmherzigkeit zieht Kreise in den Wegen der Menschen.
Im Kurort Hinterzarten traf sich am 15. und 16. Oktober der Konvent der Kur- und Rehaseelsorge in der Evangelischen Landeskirche in Baden zu seiner Herbsttagung. Gut 20 Hauptamtliche in Kirchengemeinden an Kur- und Erholungsorten wenden sich mit dem Angebot von Einzelgesprächen und gezielten Veranstaltungen den Gästen zu: Patienten in Rehabilitationskliniken, Urlauber, Touristen. Die Schwerpunkte sind von Ort zu Ort verschieden, ebenso der Anteil, den diese weithin als „Kurseelsorge“ bekannte Arbeit bei den Seelsorgerinnen und Seelsorgern ausmacht.
„Kur- und Rehaseelsorge findet nur statt, wenn ich es will. Ich muss mich zeigen, vorstellen, einbringen.“ Dieses Fazit zog Reinhold Grüning (Bad Säckingen), der sich nach 19 Jahren in dieser Arbeit aus dem Konvent verabschiedete. Bei seinen Gesprächen sei er oft Menschen begegnet, die von ihren schlechten Erfahrungen mit der Kirche erzählen. Für sie sei er die Testperson, ob auch andere Erfahrungen möglich sind. „Die Menschen drücken damit eine große Sehnsucht aus, in die Gemeinschaft der Kirche zu gehören“, so die Wahrnehmung von Reinhold Grüning.
Der Konvent Kur- und Rehaseelsorge arbeitet eng mit dem Konvent der Evangelischen Krankenhausseelsorge in Baden zusammen und nimmt an dessen Jahrestagungen teil. Daneben trifft er sich zu einer eintägigen Herbsttagung an einem der Kurorte.
In Hinterzarten ließen sich die Seelsorgerinnen und Seelsorger von Claudia Hercher, Pressesprecherin der Hochschwarzwald Tourismus GmbH, die aktuellen Entwicklungen im Tourismus erläutern. „Gäste buchen kurzfristiger und bleiben kürzer am Ort als noch vor Jahren“, so Hercher. Umso wichtiger sei es, dass sie schnell auf Informationen über den Urlaubsort zugreifen könnten, am besten schon vor dem Urlaub per Internet. Frau Hercher berichtete von einer verstärkten Nachfrage nach kirchlichen Veranstaltungen, entweder von Menschen, die auch zu Hause am kirchlichen Leben teilnehmen, oder von Menschen, die im Urlaub verstärkt nach Besinnungsangeboten suchen.
Es ist das Anliegen der Kur- und Rehaseelsorge, „Gemeindeglieder auf Zeit“ mit gezielten Angeboten anzusprechen. Die Voraussetzungen für diese Arbeit haben sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Der Austausch in Konvent dient wesentlich dazu, diese Entwicklungen wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Menschen, die woanders „dann mal weg“ sind, sind im Kur- und Erholungsort „dann mal da.“
Die TeilnehmerInnen (Bild 2, von links nach rechts):
Kirchenrätin Sabine Kast-Streib (Karlsruhe), Christoph Huss (Königsfeld), Traugott Weber (St. Blasien), Kornelius Wieland-Gölz (Bad Peterstal – Griesbach), Ingrid Knöll-Herde (Bad Rappenau), Peter Widdess (Bad Krozingen), Siegfried Kamprad (Schluchsee), Markus Luy (Bad Dürrheim), Horst Panzer (Bad Bellingen), Jürgen Bendig (Todtmoos), Fritjof Ziegler (Neustadt – Lenzkirch), Markus Beile (Allensbach), Reinhold Grüning (Bad Säckingen), Erik Stier (Hinterzarten und Feldberg-Titisee).
Nicht vertreten waren die Orte Bad Schönborn, Todtnau, Triberg, Badenweiler und Höchenschwand.
Christoph Huss, Königsfeld
Konvent Kur- und Rehaseelsorge (KuRS) in der Evangelischen Landeskirche in Baden
